Kritik am Zustand der Waldwege rund um Mittweida reißt nicht ab

Gerade haben die Zerstörungen im Schweizer Wald die Gemüter von Naturfreunden erregt. Jetzt werden die Zustände im Wald zum Staubecken angeprangert. Der Besitzer versteht das, steht aber selbst vor einem Problem.

Mittweida.

Sigrid Kaminsky ist verärgert. Viele Jahre schwor die Mittweidaerin auf die "grüne Lunge" vor den Toren ihrer Stadt. Doch das habe sich geändert. "Ich lebe nicht mehr gerne in Mittweida", gibt sie heute offen zu. Grund: Erst sei es "nur" der Schweizer Wald gewesen, der ihrer Meinung nach "ramponiert wurde". Nun sei auch der Wald zum Staubeckenteilweise sogar nachhaltig zerstört worden, kritisiert Sigrid Kaminsky, die, wie sie sagt, über 20 Jahre die Sektion Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf geleitet habe. Der jetzige Zustand der Wälder besorgt sie.

Mit ihrer Meinung ist sie bei weitem nicht allein. Denn erst vor wenigen Wochen hatte sich die Chemnitzerin Annett Raupach mit einem sehr kritischen Brief an die Öffentlichkeit gewandt und die Hinterlassenschaften der Forstmaschinen angeprangert. In einem Gespräch und auch schriftlich hatte Forstbezirksleiter Ingolf Hoppe vom Sachsenforst ihr das Vorgehen begründet. Um rationell arbeiten zu können, sei schwere Technik unumgänglich, hatte der Forstchef argumentiert. Zudem machte er deutlich, dass Waldwege der Bewirtschaftung des Waldes dienen.


"Für Waldwege besteht keine Verpflichtung zur Herstellung einer bestimmten Beschaffenheit." Die Bürger hätten das Recht, den Wald zu betreten, allerdings ohne rechtliche Ansprüche, so Hoppe. Dennoch gehöre es zur gängigen Praxis, dass befestigte Wege im Wald durch Sachsenforst planmäßig nach den Holzerntemaßnahmen wieder in Stand gesetzt oder je nach Zustand in längeren Zeitabständen erneuert würden.

Ganz anders stellt sich die Situation des Privatwaldes in Richtung Staubecken dar. Dieser gehört dem Mittweidaer HNO-Arzt Jan-Christof Bohn. "Ich kann alle verstehen, die sich über den Zustand der Wanderwege ärgern", sagt der Waldbesitzer und teilt die Kritik von Sigrid Kaminsky. "Mich stört das am allermeisten." Doch einfach sei das Problem nicht zu lösen, gibt er zu, denn er stehe bereits seit zwei Jahren mit der Mittweidaer Stadtverwaltung in Verhandlung. Bohns Standpunkt: "Ich bin in dieser Sache nur beschränkt handlungsfähig. Die Baulast trägt die Stadt, denn die Wege sind öffentlich gewidmet. Sie müssten also erst umgewidmet werden." Er selbst nutze sie als Forstwege für die Holzproduktion, die Bürger nutzen sie als Wanderwege. Daher liegt es für den Waldbesitzer auf der Hand, dass er sich bei der Instandsetzung der Waldwege mit der Stadt die Kosten teilt. "Doch eine Kostenteilung wurde bisher abgelehnt", kritisiert er.

"Und zwar im vorigen Jahr durch den Technischen Ausschuss", bestätigt Mittweidas Bauamtschef Sebastian Killisch. Und er macht deutlich, dass dieses Problem wohl auch in absehbarer Zeit nicht gelöst werden kann. "Denn der Waldbesitzer wird keine Fördermittel bekommen, da die Wege öffentlich gewidmet sind", so Killisch. Und selbst wenn die Kosten geteilt würden, sei das für die Stadt nicht akzeptabel, da wegen der Länge der Wanderwege eine horrende Summe zusammenkomme. Die Stadt wolle versuchen, über ein Förderprogramm für Wald- und Wanderwege an Geld zu kommen. Doch ob sie damit Erfolg habe, sei fraglich.

Kreiswegewart Jürgen Köhler sind in diesem speziellen Fall die Hände gebunden, wie er sagt. Er sei auch schon mehrfach daraufhin angesprochen worden und könne den schlechten Zustand der Wanderwege dort nur bestätigen. Da es ein Privatwald ist, müsse das Problem jedoch zwischen dem Besitzer und der Stadt geklärt werden.

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