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Kritik an Abriss der Kommandantenvilla in Frankenberg

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Der am Dienstag begonnene Abriss der Kommandantenvilla des einstigen KZ Sachsenburg hat zu heftigen Reaktionen geführt. Der Rückbau wird aber fortgesetzt.

Sachsenburg.

Für einen schweren Fehler hält Franz Sodann, Sprecher der Linksfraktion für Kulturpolitik im sächsischen Landtag den "Abriss dieses Täterortes". Sodann unterstellt Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (parteilos), dieser wolle "die Villa offensichtlich loswerden". Damit ignoriert der Linke den einstimmigen Beschluss des zuständigen Ausschusses. Dieser - und nicht der Bürgermeister allein - hatte im September einstimmig die Vergabe der Bauleistungen für den Abriss beschlossen.

Vertane Chance

Der Verlust der Villa "ist ein Schlag in die Magengrube für die vielen ehrenamtlich Engagierten vor Ort, die seit Jahren dafür streiten, dass das frühere Konzentrationslager Sachsenburg zur Gedenkstätte wird", so Sodann weiter. "Der Abriss der Villa ist eine vertane Chance für den Gedenkort. Es muss jetzt wenigstens schnell losgehen mit der Errichtung der Gedenkstätte. Das dafür vorliegende und vom Bund bereits genehmigte Konzept muss unverzüglich der Öffentlichkeit vorgestellt und umgesetzt werden."

Silhouette abbilden

Mit dem Entwurf "Nie wieder!" hatte sich die Stadt erfolgreich um Bundes- und Landesförderung für die Gedenkstätte beworben. Auf dem Haussockel soll ein Stahlskelettbau entstehen, der die Silhouette der Villa abbildet und die Ausmaße verdeutlicht. "Nie wieder" geht weit über den ursprünglichen Siegerentwurf des städtischen Ideenwettbewerbs "Annäherung in Zahlen" hinaus: Dieser war höchst umstritten, weil noch viel mehr abgerissen werden sollte. Die Villa wäre nicht einmal mehr in ihren bisherigen Ausmaßen erkennbar gewesen.

Änderungen gefährlich

Sachsens Staatsministerin Barbara Klepsch (CDU) sieht "die Errichtung der Gedenkstätte nur dann in Gefahr, wenn ein anderer Entwurf als derjenige realisiert werden sollte, auf den sich die Stadt Frankenberg mit dem Stadtrat in einem demokratischen Verfahren verständigt hatte und der Teil des Antrags" war. Nicht der positiv beschiedene Antrag mit dem Entwurf "Nie wieder!", sondern jede Änderung im künftigen Umgang mit der Kommandantenvilla gefährde die geplante Realisierung der Gedenkstätte KZ Sachsenburg.

Professoren protestieren

Kritik am laufenden Abriss äußerten auch Denkmalpfleger. Sie ziehen in Zweifel, dass die Auflagen der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung des Abbruchs der Villa durch die Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Mittelsachsen vom 30. Dezember 2019 eingehalten werden. Im Rahmen einer Online-Petition sprechen sich noch einmal einige der international renommiertesten Denkmalpfleger Deutschlands gegen den Abbruch aus. Darunter sind die Professoren Thomas Danzl von der TU München, Gerhard Vinken (Lehrstuhl für Denkmalpflege Universität Bamberg) und Markus Tubbesing (Fachhochschule Potsdam). Auch Frank Pieter Hesse, ehemaliger Leiter des Denkmalschutzamtes Hamburg, hat unterschrieben.

Dunkles Kapitel

Nirgends war die Dichte der sogenannten Frühen Konzentrationslager mit 103 Lagern in 80 Städten höher als in Sachsen. Für dieses dunkle Kapitel der Landesgeschichte gibt es bislang keinen zentralen Erinnerungs- und Bildungsort. Daher spielt das von 1933 bis 1937 betriebene KZ Sachsenburg mit 10.000 Internierten als eines der ersten Lager eine besondere Rolle. Es war Basis und Ausgangspunkt für die späteren Konzentrations- und Vernichtungslager.

Hier geht es zur Petition 

 

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