Künstler für Erhalt der KZ-Villa Sachsenburg

Gerhard Schöne und Gerhard Richter wollen Abriss verhindern

Sachsenburg.

Nach dem ersten offenen Brief "zur geplanten Gedenkstätte Sachsenburg und dem Abriss der Kommandatenvilla" ist nun ein zweites Schreiben veröffentlicht worden. Diese "Bitte um Erhaltung des gesamten Gedenkortes Sachsenburg" ist unter anderem von den Künstlern Gerhard Richter und Gerhard Schöne unterzeichnet worden. Auch die Namen von Julian Aicher, Neffe von Hans und Sophie Scholl, und von Karl Stauffenberg, Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, und von Ruth Röcher, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, stehen auf dem Schreiben. Sachsenburg sei eines der wenigen Gelände an Orten früherer Konzentrationslager, wo die damalige Gebäudestruktur bis heute nahezu vollständig erhalten sei. Daher dürfe die ehemalige Kommandatenvilla nicht abgerissen werden.

Adressiert ist das Papier an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, Siegfried Reiprich, Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, sowie an Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich.

Frankenbergs CDU-Fraktionschef Andreas Schramm betonte kürzlich im Stadtrat, dass für das Gebäude längst ein Abrissantrag gestellt sei. Zwei Gutachten würden die Baufälligkeit bescheinigen. "Das Baurecht für das Gebäude ist erloschen", sagte Bürgermeister Thomas Firmenich. Anstelle der Villa solle daher mit modernen audiovisuellen Mitteln Geschichte sichtbar gemacht werden. Dazu möchte die Verwaltung einen europaweiten Wettbewerb organisieren.

In dem ersten Brief hatten über 300 internationale Unterzeichner die Verhinderung des Abrisses der Villa auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenburg gefordert. Es werde der Wille der Stadt Frankenberg begrüßt, auf dem historischen Gelände eine Gedenkstätte einzurichten. Aber: "Der Abriss der Kommandantenvilla würde die geplante Gedenkstätte unnötig und fahrlässig eines zentralen Teils ihres didaktischen Potenzials berauben", so die Unterzeichner um Ulrike Löffler und Alexander Walther vom Europäischen Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Es gebe bessere Lösungen als den Abriss.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Manara4
    27.10.2019

    Auch nach dem zweiten Brief ist die Sachlage unverändert. Mit welchen Mitteln soll es die Stadt machen? Die erhaltungskosten für die Villa sprengen alle Budgets. Und auch die argumente sind substantiell keine neuen. Was zu erwarten gewesen wäre, von allen Künstlern, Unterzeichnern und Initiatoren: ein Machbarkeitsvorschlag. Doch im konkreten bleibt man wage: " Es gibt für die Gedenkstätte bestimmt bessere Lösungen als den Abriss.". Aber welche? Dazu fordern die Unterzeichner Zeit ein, die dem Gebäude nur noch mehr zusetzen wird. Und nur so am Rand, wo waren all die gestandenen Prozessoren und erfahrenen Menschen all die vergangenen Jahre, als das KZ ins vergessen geriet. Da war die Bausubstanz gut. Keinen hat es interessiert. Das Lager wurde geleugnet, keinen hat es interessiert, die wenigen überlebenden haben eine AG gegründet, es wurde kaum unterstützt, und nun nachdem diese AG mit der Stadt für die Gedenkstätte ist, bleibt das Erbe der Häftlinge auf der strecke und die Stadt wird gescholten. Aus der ferne zu rufen hilft nicht, vor ort muss es gemacht werden.



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