Kultur verbindet die Mittelsachsen

Mitten in Sachsen: Die Musikschulen, Volkshochschulen und Medienstellen in den Städten Freiberg, Mittweida und Döbeln sind vor zehn Jahren fusioniert worden. Und es gibt neue Pläne.

Freiberg/Hainichen.

Das Zusammenwachsen scheint noch Zeit zu brauchen. Auch im zehnten Jahr seines Bestehens tut sich der Landkreis Mittelsachsen oft schwer mit einer eigenen Identität. Was hat denn schließlich Leisnig mit Neuhausen zu tun? Oder Penig mit Flöha? Doch in der Kultur spielen solche Debatten kaum eine Rolle. Und dazu haben der Mittelsächsische Kultursommer, die fusionierten Theater in Freiberg und Döbeln, die Musikschule, die Volkshochschule sowie einen Vielzahl von Veranstaltungen beigetragen.

Dass die Kultur die Mittelsachsen verbindet, sagt auch Christine Klecker. Die Dohnaerin leitete jahrelang die Kontakt Kultur gGmbH, die spätere Mittelsächsische Kultur gGmbH, bevor sie 2016 ihre Tätigkeit beendete. Zur Kreisreform 2008 kümmerte sie sich um die Fusionierung der Kultureinrichtungen. Musikschulen, Volkshochschulen und Medienstellen mussten unter ein Dach gebracht werden. Hinzu kamen beispielsweise das Schloss Rochsburg, die Stadt- und Kreisbibliothek Rochlitz sowie die Kreis- und Fahrbibliothek Hainichen. Bei ihrer Aufgabe kam Klecker, wie sie sagt, ein "Glücksumstand" zugute: Die damaligen Entscheidungsträger - Freibergs Landrat Volker Uhlig, Döbelns Landrat Manfred Graetz und Mittweidas Landrat Andreas Schramm (alle CDU), Freibergs damaliger Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) und Döbelns Oberbürgermeister, Hans-Joachim Egerer (CDU) - hatten ein großes Interesse an der Kultur. Sie alle waren oft Gäste im Theater, bei Konzerten und anderen Veranstaltungen. "Gemeinsam haben wir um die Kultur gerungen", so Klecker. Zwar habe es beim Theater immer mal Gerangel zwischen Freiberg und Döbeln gegeben. "Aber letztlich haben wir an einem Strang gezogen."

Das 2008 verabschiedete Kulturraumgesetz, das die Zuschüsse des Freistaates an ländliche Regionen regelt, sei anfangs für den ländlichen Raum eine Wohltat gewesen. "Ohne das Gesetz gäbe es wohl auf dem flachen Land kaum noch Kultur. Weder die Theater in Freiberg und Döbeln, noch die Volkskunstschule in Oederan gäbe es noch", sagt die frühere Kulturchefin Mittelsachsens.

Doch mittlerweile stoße das Kulturraumgesetz an seine Grenzen. Klecker, die bis 2015 zugleich Geschäftsführerin des Mittelsächsischen Theaters war, erinnert sich an "Verteilungskämpfe" um die Kulturraum-Gelder. "Andere Einrichtungen brauchten auch Geld. Aber das Tischtuch war zu kurz", so Christine Klecker. 2017 standen im Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen laut Kultursekretär Wolfgang Kalus insgesamt 19Millionen Euro zur Verfügung. Das Gros ging mit 12 Millionen Euro an die Theater- und Orchestergesellschaften in Freiberg/Döbeln sowie Annaberg. Die Krux: Für andere Einrichtungen, Veranstaltungen und Projekte war das Geld knapp - und die Bühnen hatten trotzdem nicht genug, um Tariferhöhungen abzufedern.

Inzwischen hat die Landesregierung - auch nach Protesten des Mittelsächsischen Theaters - weitere 40Millionen Euro für alle sächsischen Theater angekündigt. "Für meine Begriffe reicht das nicht. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Klecker. Sehr zufrieden zeigt sie sich mit der Entwicklung von Schloss Rochsburg, das im vergangenen Jahr insgesamt knapp 21.800 Besucher zählte. 2012 waren es 13.500 Besucher.

Und die Mittelsächsische Kulturgesellschaft? Christine Kleckers Nachfolgerin Kathrin Hillig verweist auf eine stabile und kontinuierliche Weiterentwicklung. Von der hohen Qualität der Musikschule zeugten die hervorragenden Ergebnisse beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert". So erreichten in diesem Jahr die Freibergerinnen Lena Kießling (Blockflöte) und Loujan Osman (Gitarre) einen 2. Preis, Freda Rosetz aus Halsbrücke (Gitarre) einen 3. Preis. Die Nachfrage nach Auftritten der 32 Ensembles nehme ständig zu. Hillig setzt aber auch zunehmend auf neue Projekte. "Spiel weiter" ist eine Verschmelzung aus Schultheatertagen und Musikerlebnistagen. Ein weiteres Novum ist der Workshop zum Thema Cybermobbing, organisiert vom Medienpädagogischen Zentrum im Auftrag der Kreissparkasse Mittelsachsen. Hinzu kommt die Beteiligung am Projekt "Kultur passt" der Kulturräume Erzgebirge-Mittelsachsen und Vogtland-Zwickau. Dabei bekommen Schüler ihre Fahrkosten zu Kulturangeboten erstattet. "Die Nachfrage ist enorm", sagt Kathrin Hillig.


Budget von 5,5 Millionen Euro

76 fest angestellte Mitarbeiter und über 100 Honorarkräfte sind in der Kultur gGmbH tätig. Das 5,5-Millionen-Budget setzt sich aus 2 MillionenEuro Umsatzerlösen (davon 431.000 Euro vom Land), 2,2 Millionen Euro Kreis-Zuschuss, 1,1 Millionen Euro Fördermittel des Kulturraums und 200.000 Euro sonstigen Erträge (wie Kursgebühren) zusammen.

Im Sommersemester gab es bisher an der Volkshochschule in Freiberg 104 Kurse mit 1018 Teilnehmern, in Mittweida 93 Kurse (838 Teilnehmer), in Döbeln 56 Kurse (495 Teilnehmer).

2237 Schüler werden an der Musikschule Mittelsachsen an 40 Standorten von 98 Musikpädagogen unterrichtet.

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