Lehrer-Pingpong reißt immer neue Löcher

Die Versetzung des Erlauer Grundschulleiters nach Hainichen sorgt nicht nur in der Gemeinde für Unmut. Sie macht auch ein generelles Problem deutlich. 39 Schulen in Sachsen sind ohne festen Schulleiter - für Bundespolitiker Sören Pellmann ist dies untragbar.

Erlau.

André Eulitz ist sauer und zugleich fest entschlossen, diesen unhaltbaren Zustand nicht weiter hinzunehmen. "Die Bildungspolitik wird auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen. Sie müssen sich ständig an neue Lehrer gewöhnen", sagte der Elternsprecher der Erlauer Grundschule bei einer Gesprächsrunde im Generationenbahnhof des Ortes. Er habe selbst zwei Kinder, die in dieser Schule lernen.

Auslöser für den Frust vieler Eltern war eine Nachricht, die kurz vor Beginn der Sommerferien die Gemeinde erreichte und ein Schulleiter-Karussell ins Drehen brachte. Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) hatte veranlasst, dass der Erlauer Grundschulleiter Eric Kaltschmidt ab August die Hainichener Grundschule "Eduard Feldner" leitet. Deren Chefin Grit Eichner wechselte als Leiterin an die Mittweidaer Pestalozzi-Grundschule, weil deren bisheriger Chef Gerd-Michael Weber in den Ruhestand ging. Somit leitet Grit Eichner aktuell nun beide Grundschulen - die Mittweidaer und die Erlauer.

"Man hat in ein funktionierendes System eingegriffen. Was jetzt läuft, das geht so nicht", kritisierte der Erlauer Linke-Ortsvorsitzende und Gewerkschafter Peter Hanusch. Denn welche Auswirkungen dieses Pingpong-Spiel an der Basis hat, machte Erlaus Bürgermeister Peter Ahnert (parteilos) deutlich. "Die Zwangsversetzung unseres Schulleiters, von der wir Ende des vorigen Schuljahres durch den Buschfunk erfahren haben, reißt mehrere Löcher." Denn die drei Orte Mittweida, Erlau und Wiederau müssten nun mit Provisorien leben, so Ahnert zu den Folgen dieser Entscheidung. Eric Kaltschmidt, der Referendare ausbilden darf, habe den Referendar von Erlau nach Hainichen mitgenommen. Eine Lehrerin, die aus der Leipziger Gegend kam, sei dorthin zurückgegangen. An der 85 Schüler zählenden Erlauer Schule seien somit noch drei feste Lehrkräfte beschäftigt. "Zwei mühen sich, die Lücke des Direktors zu füllen", so Ahnert. Ein Lehrer aus der Grundschule Wiederau helfe zudem als Klassenlehrer in Erlau drei Tage in der Woche aus und fehle dadurch in Wiederau. Ahnerts Forderung: "Wir bräuchten fünf feste Lehrer für unsere vier Klassen, um einen ordentlichen Schulbetrieb zu gewährleisten."

Auf offene Ohren stießen die Teilnehmer der Gesprächsrundebei Sören Pellmann, Bundestagsabgeordneter der Linken und selbst ausgebildeter Förderschullehrer. Erlau sei kein Einzelfall, sagte er. "Denn zurzeit haben 39 Schulen in Sachsen keinen berufenen Schulleiter. Das ist ein untragbarer Zustand", kritisierte Pellmann. Im Fall von Eric Kaltschmidt sei es so, dass verbeamtete Lehrer bis auf wenige Ausnahmen als Arbeitsort den Freistaat Sachsen im Vertrag stehen hätten. Und wenn Beamte "abgeordnet" würden, dann müssten sie sich erst einmal fügen. Pellmann habe im Kultusministerium die Antwort erhalten, dass Eric Kaltschmidts "Abordnung" bis zum 31. Juli 2019 laufe und er zu Beginn des neuen Schuljahres wieder in Erlau als Schulleiter arbeite.

Gegenüber der "Freien Presse" bestätigte auch das Lasub diese Aussage. "Momentan ist davon auszugehen, dass Herr Kaltschmidt an die Schule in Erlau zurückkehrt", erklärte Lasub-Sprecher Lutz Steinert auf Anfrage. Grit Eichner leite somit in diesem Schuljahr neben ihrer Schule in Mittweida auch die Schule in Erlau, so Steinert. Eric Kaltschmidt selbst wollte sich zur Entscheidung des Lasub nicht äußern.

Zwischenzeitlich aber ist ein heftiges Tauziehen um den 37-Jährigen entbrannt. Denn Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) zeigte sich auch gestern sehr froh, mit Eric Kaltschmidt einen engagierten Schulleiter für seine 260 Schüler zählende Grundschule gefunden zu haben. "Wir haben fünf Millionen Euro in diese Bildungsstätte investiert. Ich würde alles daran setzen, ihn in Hainichen zu behalten", so Greysinger. Angesichts der Größe seiner Schule wolle er Erlau deshalb um Verständnis bitten.

Doch darauf wird er wohl nicht hoffen können. Denn Pellmann hatte den Erlauer Eltern geraten, Druck auf das Kultusministerium auszuüben, damit das bei seiner Zusage bleibe. Elternsprecher André Eulitz hat bereits angekündigt, dies zu tun. Gemeinsam mit anderen Eltern wolle er ein Schreiben abschicken, um eine klare und verbindliche Aussage vom Ministerium zu fordern.

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