Lied aus KZ Sachsenburg erklingt in neuer Version

Zwei Chorleiter haben den Gesang der Gefangenen für ein Konzert in Freiberg bearbeitet. Im Text geht es ausgerechnet um Freiheit.

Sachsenburg/Freiberg.

Tausend Kameraden, Mann an Mann, gefangen, bewacht, in Acht und Bann - im "Lied von Sachsenburg" besangen die Gefangenen des gleichnamigen frühen Konzentrationslagers ihren Alltag. Am Freitag wird das Lied in der Freiberger Nikolaikirche erneut zu hören sein. Arrangiert haben es Wolfgang Richter, Leiter des Kammerchors Chemnitz, und Nico Nebe, der den Zwickauer Männerchor Liederkranz leitet. Beim Abschlusskonzert des Sächsischen Chorleiterseminars wird das Neuarrangement uraufgeführt.

"Es gibt eine Reihe solcher Lieder aus verschiedenen Konzentrationslagern", erklärt Richter. "Die Leiter haben sogar Wert darauf gelegt, dass jedes KZ sein eigenes Lied hat." Gesungen worden seien die Lieder wohl, wenn die Internierten zu Arbeitseinsätzen marschierten. "Perverserweise geht es in diesen Liedern oft ausgerechnet um Freiheit", sagt Richter. So auch im "Lied von Sachsenburg", wo es zum Schluss heißt: "Frei! Frei! Frei wir sind!"

Der Zufall wollte es, dass Richter auf das Lied aufmerksam wurde: Seine Nachbarin ist Anna Schüller, Vorstandsmitglied des Vereins "Geschichtswerkstatt", die das Konzept für die Einrichtung der Gedenkstätte Sachsenburg geschrieben hat und über das Konzentrationslager promoviert. Nach einem Gespräch mit ihr sei er über das Lied gestolpert, so der Chorleiter. Allerdings seien die Noten zu dem Stück nicht mehr aufzutreiben gewesen. Was es gab, war eine Aufzeichnung der Grundmelodie, die auf dem Lied "Arbeitsmann, du lebst in Not" aus den 1920er-Jahren basierte. "Diese Noten haben wir uns besorgt und aus dem Lied einen vierstimmigen Satz für einen gemischten Chor gemacht", erläutert Wolfgang Richter. Zugleich habe er gemeinsam mit Nico Nebe die Melodie des Stückes leicht modernisiert. "Den Gestus haben wir allerdings beibehalten. Wir wollten keinen Popsong daraus machen. Es ist schließlich ein ernstes Lied."

Gesungen wird das Lied, das aus drei Strophen plus Refrain besteht, am Freitagabend von den rund 50 Teilnehmern des derzeit in Freiberg stattfindenden Sächsischen Chorleiterseminars, das vom Sächsischen Chorverband gemeinsam mit dem Landesamt für Schule und Bildung organisiert wird.

"Wir vergessen zu schnell, wohin Ignoranz von Geschichte führt und verlieren immer mehr den Respekt gegenüber mahnenden Stätten wie Sachsenburg", begründet Wolfgang Richter die Auswahl des Stückes für das Konzert in Freiberg. "Es ist mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in unserem Land und in Europa und 75 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft wichtig, dass wir uns erinnern."

Das Abschlusskonzert des Sächsischen Chorleiterseminars findet am morgigen Freitag, 14. Februar, ab 18 Uhr in der Nikolaikirche in Freiberg statt. Der Eintritt ist frei.


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