Mittelsachsen ist Spitzenreiter beim Erhalt von Alleen

Nirgendwo in Sachsen werden für gefällte Bäume an Staatsstraßen so viele nachgepflanzt wie im Landkreis. Dennoch gibt es Probleme.

Böhrigen/Freiberg.

52.436 Bäume stehen an den Kreis-, Staats- und Bundesstraßen in Mittelsachsen - im Durchschnitt alle 30 Meter einer. Das besagt das Baumkataster des Freistaates. Dabei ist der Landkreis im sächsischen Vergleich Spitzenreiter beim Erhalt der Alleen, wie Wolfram Günther als umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen erklärt: "Mittelsachsen ist der einzige Landkreis, in dem die Neupflanzungen relativ nahe an die Fällzahlen herankommen."

Laut Staatsregierung seien 2013 bis 2015 zwischen Neuhausen und Bockelwitz bei 3970 Fällungen an landeseigenen Straßen 3300 Bäume neu gepflanzt worden, so der Anwalt aus Königfeld weiter. Das sei viel zu wenig, "vor allem wenn man sieht, wie viel größer das Missverhältnis in den anderen Landkreisen ist", mahnt Günther. Das auffälligste Negativ-Bespiel sei der Erzgebirgskreis mit etwa 940 Pflanzungen bei 3790Fällungen an den Straßen des Freistaates in der gleichen Zeit.

Das Landratsamt Mittelsachsen ist für gut 18.000 Gehölze entlang Kreisstraßen zuständig, deren Länge sich auf 708 Kilometer summiert. Die häufigsten Baumarten sind laut Behörde Ahorn, Linden, Esche sowie eine Vielzahl von Obstgehölzen. Das Alter der Bäume könne in vielen Fällen nur geschätzt werden, erklärte Pressereferentin Cornelia Kluge: "Im Durchschnitt müssten wir zwischen 50 und 80 Jahren liegen." In den Straßenmeistereien gebe es Baumwarte, die jährlich eine Regelkontrolle durchführen, so die Sprecherin. Bei Bedarf werde ein Baumsachverständiger des Landratsamtes hinzugezogen. Der Erhalt der teilweise stark geschädigten Altbäume sei aufwendig. Kluge: "Es muss meist jedes Jahr ein Pflegeschnitt oder das Entfernen von toten Ästen mit einer Hubarbeitsbühne vorgenommen werden."

Trotz aller Bemühungen, möglichst viele Altgehölze lange zu erhalten, so die Sprecherin, seien jedes Jahr Fällungen aufgrund zu großer Schadsymptome nötig, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten. Daran habe auch die fehlende oder falsche Baumpflege aus den Vor- und Nachwendejahren Anteil.

Neupflanzungen gestalten sich sehr schwierig, so Kluge. Zum einen fordere das Gesetz einen Mindestabstand von 4,50 Meter zur Fahrbahnkante. Somit müssten die Bäumchen in vielen Fällen auf dem Nachbargrundstück platziert werden. Dazu müsste der Straßenbaulastträger die betreffende Fläche erwerben oder zumindest die Erlaubnis des Eigentümers einholen. Der damit verbundene Aufwand sei erheblich. Die Abstandsregelung sei nötig, damit der heranwachsende Baum mit seinen Wurzeln nicht die Fahrbahn beschädigt oder den Fahrverkehr beeinträchtigt. Zudem müsse bei Neupflanzungen die Lage von Versorgungsträgern beachtet werden.

"In Mittelsachsen ist die Topografie und der Straßenverlauf oftmals schwierig für die Anlage bzw. Pflege von Alleen", urteilt auch Erwin Pfeiffer. Er ist zweiter Vorstand des Vereins Deutsche Alleenstraße, der sich dem Schutz der Straßenbäume verschrieben hat. Als Symbol dafür wurde ein 2900 Kilometer langes "Grünes Band" durch die Republik gezogen, zur Deutschen Alleenstraße deklariert. Ein Teil davon führt im Raum Frauenstein/Sayda durch Mittelsachsen. Jedoch sei die Route ab Heidenau in Richtung Plauen als "Nachpflanzstrecke" definiert worden. Die größten Probleme bereite das Tausalz vom Winterdienst: "Es baut sich nur über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren ab und schädigt so mitunter die Bäume."

Der ADAC rät dazu, auf Alleen mit Bäumen dicht am Straßenrand das Licht anzuschalten und Tempo 80 nicht zu überschreiten - in Kurven sogar nur 60 km/h. Bei Nässe bestehe erhöhte Rutschgefahr, auch das Risiko von Wildunfällen sei erhöht. Fazit des Automobilclubs: Alleen lassen sich am besten mit dem Fahrrad oder als Wanderer erkunden.

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