Mittelsachsen nimmt afghanische Ortskräfte auf

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Unter den Asylbewerbern, die dem Landkreis zugewiesen wurden, stammen die meisten aus Syrien, dem Irak und Venezuela.

Freiberg.

Im Landkreis Mittelsachsen sind bisher zehn afghanische Ortskräfte einschließlich Angehöriger aufgenommen worden, die ihr Heimatland nach dem Sieg der Taliban verlassen mussten. Das hat der Sprecher der mittelsächsischen Kreisverwaltung, André Kaiser, auf Nachfrage der "Freien Presse" bestätigt. Bei den sogenannten Ortskräften handelt es sich um afghanische Mitarbeiter deutscher Institutionen in Afghanistan. Zu den Aufenthaltsorten der Ortskräfte in Mittelsachsen sagte Kaiser nichts. Auch nicht, ob das im August von der Stadt Frankenberg unterbreitete Angebot zur Aufnahme von 50 Ortskräften angenommen wurde.

In Hainichen sind nach Informationen des Oberbürgermeisters der Gellertstadt, Dieter Greysinger (SPD), bereits Ortskräfte aus Afghanistan aufgenommen worden. "Allerdings jeweils nur für wenige Wochen, da sie keinen Antrag auf Asyl stellen müssen", so Greysinger. Sobald die Aufenthaltserlaubnis vorliege, würden sie die Stadt wieder verlassen. Wie Kreissprecher Kaiser erklärte, ist die Aufenthaltserlaubnis für diese Personen mit einer Wohnsitzauflage für den Landkreis verbunden. Aber sie haben das Recht, ihren künftigen Wohnort im Landkreis selbst zu bestimmen. Laut sächsischem Innenministerium ist die Aufenthaltserlaubnis für Ortskräfte vorerst auf drei Jahre befristet. Damit dürften sie arbeiten und an Integrationskursen teilnehmen.

Unter den in diesem Jahr dem Landkreis zugewiesenen Asylbewerbern machen Geflüchtete aus Afghanistan aber nicht das Gros aus. Bis Ende August stammten die meisten der dem Landkreis zugewiesenen Asylbewerber vielmehr aus Syrien, dem Irak oder Venezuela. Insgesamt wurden 67 syrische, 21 irakische und 17 venezolanische Staatsangehörige dem Landkreis zugewiesen, erklärte Kreissprecher Kaiser. Insgesamt wurden bis Ende August 217 Personen als Asylbewerber aufgenommen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 30 syrische Staatsangehörige dem Landkreis zugewiesen. Daran gemessen, erhöhte sich die Anzahl der Zuweisungen von syrischen Asylbewerbern in diesem Jahr um 123 Prozent.

Ende August lebten 691 Asylbewerber in Mittelsachsen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind, welche aber eine sogenannte Aufenthaltsgestattung besitzen. Zudem lebten zu dem Zeitpunkt 676 Geduldete im Landkreis, deren Asylanträge abgelehnt worden sind. Bei der Personengruppe ist die Abschiebung aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Haupthinderungsgrund sind fehlende Passersatzpapiere. Dabei sind in diesem Jahr bis Ende August nach Angaben des Landratsamtes mehr Menschen abgeschoben worden als im gesamten Vorjahr. Waren es 2020 nur 19 Abschiebungen, sind es in diesem Jahr bereits 28. Gescheitert sind geplante Abschiebungen in 15 Fällen (Vorjahr: 7). Deutlich mehr Menschen haben noch im Jahr 2016 den Landkreis beziehungsweise das Land verlassen: Damals waren 25 Abschiebungen gescheitert, 176 waren erfolgreich und 173 Ausländer sind freiwillig ausgereist.

Nach den jüngsten Informationen des Landkreises sind 1422 Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften (577), Wohnprojekten (315) und Wohnungen (530) im Landkreis. Die Platzkapazitäten sind dabei längst nicht ausgereizt. Berücksichtigt man neben Asylbewerbern und Geduldeten auch jene Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis, sind laut Kreissprecher Kaiser in den Gemeinschaftsunterkünften insgesamt 293 Plätze (30 Prozent) frei. Insgesamt stünden noch 396 belegbare (knapp 20 Prozent) von insgesamt für die Unterbringung bereitgestellten 2010 Plätzen zur Verfügung. Überlegungen zum Abbau der freien Kapazitäten gebe es nicht.

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