Mittweida hört die Stimme aus dem All

Von der Raumstation ISS aus sprach deren deutscher Kommandant Alexander Gerst gestern mit Schülern. Dem Interview über eine Distanz von 400 Kilometern folgten hiesige Amateurfunker und Raumfahrtexperte Tasillo Römisch.

Mittweida.

Was sollten Astronauten in der Schwerelosigkeit besser nicht trinken? Wie viel Uhr ist es auf der ISS? Und was hat ein Otto-Normalbürger eigentlich von bemannten Missionen im All? Diese und weitere Fragen stellten gestern Nachmittag Schüler eines Gymnasiums in Heilbronn (Baden-Württemberg) dem Kommandanten der Internationalen Raumstation, Alexander Gerst. Der antwortete aus 400 Kilometern Höhe. Der Stimme aus dem All lauschten von ihrer Funkstation in der Hochschule aus auch die Mittweidaer Amateurfunker sowie Tasillo Römisch, der in der Stadt ein Raumfahrtmuseum betreibt.

Während sich die ISS über Europa hinweg bewegte, berichtete der 42-jährige Gerst, dass kohlensäurehaltige Getränke im Weltraum extrem stark schäumen. Dass die bemannte Raumfahrt jeden Europäer jährlich 1,50 Euro koste, das Geld aber gut angelegt sei. So erforschten die Astronauten bei ihren Missionen beispielsweise, wie Krankheiten geheilt werden können. Und dass die ISS die Erde jeden Tag so oft umrundet, dass die Raumfahrer dabei immer wieder die Sonne auf- und untergehen sehen. Für Zeitangaben nutzen sie daher die koordinierte Weltzeit.

Auf der ISS war es also etwa 14.20 Uhr, als Hobby-Funker Horst Möbius gegen 15.20 Uhr hiesiger Zeit den Kontakt zur Raumstation herstellte. Auf einem Computerbildschirm verfolgte er im Internet die Flugroute der ISS von Lateinamerika bis Russland. Als die Station über Portugal flog, rauschte es kurz laut, dann war Gerst zu hören. Je nach Position der ISS richtete Möbius die Antenne aus. Schon mehrfach hat er sich zur ISS hinzugeschaltet und zugehört. "Um selbst Fragen stellen zu dürfen, muss man sich aber zwei Jahre im voraus anmelden", erklärte er.

Raumfahrtexperte Römisch dagegen hat Gerst bereits mehrfach gesprochen - zuletzt als der Anfang Juni von Baikonur in Kasachstan aus zu seiner zweiten ISS-Mission gestartet war. Als erster Deutscher, der das Kommando auf der Internationalen Raumstation übernehmen durfte, wäre Gerst natürlich auch in Mittweida gern gesehen. Doch auch wenn der Baden-Württemberger wenige Tage vor Weihnachten zur Erde zurückkehren wird, macht sich Römisch diesbezüglich vorerst keine großen Hoffnungen: "Alexander ist sehr begehrt. Ehemalige Raumfahrer hierher einzuladen ist unkomplizierter als aktive."

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