Mittweida macht einen Schritt in die digitale Zukunft

Die Stadt hat sich bei einer Konferenz 120 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft als Innovationsstandort präsentiert. Noch sind die Chancen der Digitalisierung eher Theorie als Praxis.

Mittweida.

Für das Zukunftsprojekt Innovationsregion von Volksbank, Hochschule und Stadt Mittweida hat Mart Laanemäe, Botschafter von Estland, einen Rat: "Anfangen ist besser als Abwarten." Einen Anfang hat Mittweida mit der zweitägigen Veranstaltung "The Human Conference" gemacht, bei der sich 120 Experten aus IT-Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die Chancen der Digitalisierung ausgetauscht haben.

Mittweida will bei der Entwicklung von Anwendungen der Blockchain-Technologie Vorbild sein. Doch noch ist bei dem Projekt, das durch das Bundesforschungsministerium mit 15 Millionen Euro gefördert wird, vieles Theorie. Ein Beispiel beschreibt der Mittweidaer IT-Unternehmer Christoph Jentzsch. So könnte man mit Blockchain Grundstücksverkäufe schnell komplett auf digitalem Weg abwickeln. Doch dazu fehlten Schnittstellen bei Behörden. Folgt Mittweida dem Beispiel von Estland, wo viele Behördengänge digitalisiert sind, könnte aber auch die Idee Realität werden.


Der Ideengeber

Markus Geier, Geschäftsführer der ComCode GmbH München, hat bereits gute Kontakte nach Mittweida. Mit der hiesigen Hochschule und der Volksbank Mittweida habe ComCode eine Firma gegründet, die mittelständische Unternehmen in Fragen der digitalen Sicherheit berät. Das betreffe Technik wie auch Geschäftsprozesse. "Wir wollen zu dieser Konferenz vor allem Ideen beitragen", sagte Geier. In der Innovationsregion Mittweida könnten neue Geschäftsmodelle entstehen und die Stadt eine Keimzelle für Veränderungen in der digitalen Welt werden. (jl)


Die Brückenbauerin

Prof. Anabel Ternès, Gründerin mehrerer Technologie-Unternehmen, sprach in ihrer Rolle als Botschafterin für Gesundheit und Digitalisierung des Netzwerks Impact Hub Berlin auf der Konferenz über ihr "Herzensthema": Brücken bauen. Denn Digitalisierung könne Probleme der Menschen lösen. "Aber die digitale Transformation muss von Menschen verstanden werden", so Ternès. Mittweida stehe für sie als Beispiel dafür, "dass es auch Regionen ohne Monopolstädte schaffen können, sich als attraktiver Standort im Rahmen der Digitalisierung aufzustellen". (jl)


Die Forscherin

Nonku Nyathi aus Südafrika arbeitet für Spark Health, ein Projekt der Universität Kapstadt und der Pharmazie-Firma Johnson & Johnson, das die Gesundheitssysteme afrikanischer Länder verbessern will. "Ich hoffe, dass ich mit neuen Ideen für meine Arbeit und Forschung zurückkehre", erklärt sie. Auch wolle sie gern Kooperationen zwischen Spark Health und Unternehmen aus der Region anstoßen. "Ich freue mich schon darauf, noch einmal hierher zu kommen", sagt sie. "Dann hoffentlich mit einem Team, das von den Leuten hier vor Ort lernen kann." (lkb)


Die Protokollantin

Wiebke Koch aus Berlin führt Protokolle der besonderen Art. Auf Plakatwänden fängt sie in Illustrationen und Sprechblasen die wichtigsten Szenen und Stichpunkte ein. "So wachsen Bilder, die man sich im Gegensatz zu langen Protokollen oder stundenlangen Videos gerne noch einmal anschaut", erklärt sie. Zugleich würden Dialoge vor Ort vertieft: "Die Leute stellen sich davor, diskutieren, erinnern sich, fügen Dinge hinzu." Geplant ist eine öffentliche Ausstellung der Bilder, die auch auf Instagram zu sehen sind. (lkb)

www.instagram.com/joy_at_work


Der Entwickler

Christoph Jentzsch, Gründer der Mittweidaer IT-Firma Slock.it, entwickelt mit seinen 30 Mitarbeitern Anwendungen für die Blockchain-Technologie. Die könnte künftig eine größere Rolle im Alltag der Mittweidaer Bürger spielen: "Wir bringen uns als Firma in die Innovationsregion ein. So könnte in Mittweida ein Testfeld für die Anwendungen neuer Technologien wie Blockchain entstehen und ich bitte alle Mittweidaer, sich daran zu beteiligen." So könnte die Stadt künftig weit über deren Grenzen hinaus Aufmerksamkeit bekommen. (jl)


Der Politiker

Michael Kretschmer (CDU), sächsischer Ministerpräsident, stattete der Konferenz einen Kurzbesuch ab. "Es gibt hier gute Ideen und Zukunftsprojekte", lobte er. Die Staatsregierung wolle die Verbindung zwischen akademischer und beruflicher Welt stärken. "Auch dazu gibt es viele kluge Vorstellungen in Mittweida." Die in der Stadt verankerte Wissenschaft liefere Unternehmen gute Chancen zu wachsen, Fachkräfte und Forschungspartner zu finden. "Auch bei der Digitalisierung der Verwaltung brauchen wir genau diese Experten und dieses Wissen." (lkb)

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