Mittweida rettet ein Stück Stadtgeschichte

Damit das Haus an der Kirchstraße 16 nicht in sich zusammenfällt, haben Bauarbeiter es gesichert. Das wird teurer als geplant.

Mittweida.

Historisches Juwel vor Einsturz bewahrt: Möglicherweise ist es das älteste Gebäude in Mittweida. Das Haus an der Kirchstraße mit der Nummer 16 gilt seit vergangenem Jahr als eins der bedeutendsten in der Stadt. Denn nachdem Mittweida es gekauft hatte, wurden im Inneren außergewöhnlich gut erhaltene Bauelemente verschiedener Stilepochen gefunden. Damit das Gebäude - marode und teils baufällig - nicht einstürzt, wurde es in den vergangenen Monaten mit großem Aufwand stabilisiert. Dabei gab es Unwägbarkeiten.

"Die Rückwand kippte zum Garten hin weg. Es hatte sich schon ein 10 bis 15 Zentimeter breiter Spalt gebildet. Wir hatten wirklich Sorge, dass die Wand im Winter einstürzt", erklärte der Beigeordnete im Rathaus, Holger Müller, der die Sicherung des Gebäudes betreut. Um zu verhindern, dass die Mauer wegbricht, seien Stahlstreben von der Vorder- zur Rückwand eingebaut und das Haus damit zusammengezogen worden. Außerdem wurden im Inneren mehrere Stützen angebracht. "Die Standsicherheit ist jetzt wieder gewährleistet", so Müller.

Derzeit wird die Rückwand restauriert. Ursprünglich war geplant, die Wand abzureißen und komplett neu hochzumauern. Beim Abnehmen der Schiefer, mit denen die Wand verkleidet gewesen ist, sei aber festgestellt worden, dass viele historische Balken des Fachwerkbaus erhalten werden können. Deshalb wird die Rückwand jetzt wieder in dieser Bauweise hergestellt.

Erhalten wird auch die historische Bohlenstube, die im Haus entdeckt worden ist. "Auf Grund ihres Zustandes und der teilweise noch vorhandenen Farbigkeit, ist sie laut dem Denkmalamt sachsenweit einzigartig", berichtet Holger Müller. Unbedingt bewahren wollen die Verantwortlichen auch alte Türzargen. Die seien ausgebaut und im Schloss Ringethal sicher und trocken eingelagert worden. In den nächsten Wochen soll mit der Restaurierung des Dachs begonnen werden. Dabei müssten etliche Balken ausgetauscht werden, da sie enorm mit Schwamm befallen seien.

Für die Sicherung des Gebäudes hatte die Stadt Kosten von rund 376.000 Euro eingeplant. Doch schon jetzt, ohne dass die Reparaturen am Dach erledigt wurden, sind laut Müller 70.000 Euro zusätzliche Kosten aufgelaufen. "Vieles wird erst bei den Arbeiten sichtbar. Es ist immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung", sagte der Beigeordnete. Stadtrat Heribert Kosfeld (CDU) befürwortete das Projekt trotz steigender Ausgaben: "Es ist vernünftig und sinnvoll, so ein bedeutsames Gebäude zu erhalten. Wir bauen für die nächsten Jahrhunderte, und dabei sollte man auf jeden Fall Qualität reinbringen."

Konkrete Vorstellungen, wie das geschichtlich bedeutsame Haus später genutzt werden soll, gibt es laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) derzeit allerdings noch nicht. "Wenn die Sicherung abgeschlossen ist, suchen wir gemeinsam mit dem Stadtrat nach Ideen", kündigte er an.


Im 16. Jahrhundert erbaut

Die ältesten noch erhaltenen Teile des Hauses wurden im 16. Jahrhundert erbaut. Die Kellerräume und ein steinerner Gewölberaum im Erdgeschoss stammen aus dieser Zeit.

Beim Stadtbrand 1624 wurde ein Großteil des ursprünglichen Gebäudes zerstört. Schon ein Jahr nach dem Feuer begann man mit dem Wiederaufbau. Aus dieser Zeit ist die historische Fachwerkrückwand bis heute erhalten geblieben. Ebenfalls im 17. Jahrhundert wurde die sogenannte Bohlenstube eingerichtet, die ebenfalls gut erhalten ist. (fpe)

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