Mittweidaer Klinik verabschiedet ihren dienstältesten Chefarzt

Dr. Manfred Dörne gilt als eine medizinische Instanz, viele Patienten haben seiner Diagnose von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vertraut. Mit seinem Ruhestand hinterlässt er eine Lücke, die mit Kollegen und einer neuen Praxis gefüllt werden soll.

Mittweida.

Den  1. Oktober wird Manfred Dörne genauso beginnen, wie die vorherigen Arbeitstage, in denen er als Arzt im Mittweidaer Krankenhaus arbeitete. "Morgens gibt es immer die Runde mit den beiden Hunden", sagt der Mediziner, der im November 65 Jahre alt wird. Seine Verabschiedung in den Ruhestand ändere daran nichts. Für die Eurasier-Hündinnen bleibt Dörne die Führungspersönlichkeit - eine Rolle, auf die er in der Klinik nicht erst seit Montag verzichtet.

Die Verantwortung als Ärztlicher Direktor hat Dörne bereits Anfang 2018 nach 23 Jahren in dem Amt abgegeben. Ab dem heutigen Dienstag übernimmt ein Kollege die Leitung der Klinik für Innere Medizin, die Dörne seit 1992 als Chefarzt inne hatte. Damit war der gebürtige Gelsenkirchener zuletzt der dienstälteste Chefarzt des Mittweidaer Krankenhauses. Mit einer Feierstunde im Mittweidaer Rathaus wurde er am Montagabend vor rund 100 Gästen offiziell verabschiedet. Hätte man dazu die zuletzt von ihm betreuten Patienten allein mit chronischen Darmerkrankungen einladen können, wären noch einmal mindestens 400 Menschen dazu gekommen.

Doch Dörne war bisher auf noch mehr "gastroenterologischen Strecken unterwegs", wie er den Umfang seiner Arbeit in Mittweida beschreibt. Von chronischer Leber- bis Turmorerkrankung - der Chefarzt, der seit 1992 auch eine sogenannte Ermächtigungsambulanz führte, hat unzählige Patienten teils über Jahre behandelt. "Da hat man eine enge, auch emotionale Bindung zu den Patienten", sagt Dörne. Es falle schwer, da einen "Endpunkt" zu setzen. Dennoch habe er dies nun aus privaten Gründen, die er nicht öffentlich macht, und einem beruflichen Anlass getan. Das kreiseigene Mittweidaer Krankenhaus (LMK) steht vor einer aufwändigen Neuzertifizierung, die er nicht mehr als Chefarzt begleiten wolle. "Außerdem war es mein Ziel, mit 65 aufzuhören", sagt der nun Ex-Chefarzt.

Nun nimmt er einen riesigen Erfahrungsschatz in der von ihm noch an einer Wuppertaler Klinik 1991 erworbenen Spezialisierungsrichtung der Gastroenterologie mit, die die Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes umfasst. Dörne hinterlässt aber auch die von ihm aufgebaute Versorgungskette für Patienten der Inneren Medizin. Die reicht von der gastroenterologischen Ambulanz über den stationären Sektor mit der gastroenterologisch-onkologischen Versorgung (wie Chemotherapie) und palliativmedizinischen Station bis zur ehrenamtlichen Begleitung von unheilbar Kranken durch den Verein Domus (Palliativmedizin und Hospiz). Vor dem Hintergrund sei die Mittweidaer Klinik oft als "Leuchtturm ausgestellt worden", sagt Dörne stolz.

Als Ärztlicher Direktor ist Dörne aber auch von Finanzproblemen, Umstrukturierungen und der Schließung der zwei LMK-Standorte Frankenberg und Rochlitz betroffen gewesen. Zu der Schließung der beiden Standorte habe er eine alternative Vorstellung gehabt, doch letztlich die Entscheidung des Klinik-Trägers akzeptieren müssen. Für die Zukunft wünsche er der Klinik den Standorterhalt in Mittweida "unter kommunaler Trägerschaft", sagte Dörne.

Für seinen Chefarztposten gibt es eine Nachfolgeregelung, für die ambulante Betreuung der Patienten steht sie in Aussicht. Denn mit dem Abschied in den Ruhestand erlischt die an Dörne gebundene Ermächtigung für die Ambulanz in Mittweida, in der ein Teil der rund 5500 Magen- und Darmspiegelungen jährlich ausgeführt wurden. Laut LMK-Geschäftsführer Florian Claus werde der gastroenterologische Spezialist und am Mittweidaer Haus tätige Oberarzt Dr. Ronny Kaden die ambulante Versorgung der Patienten jetzt in einer gastroenterologischen Praxis am Medizinischen Versorgungszentrum übernehmen. Das müsse aber noch vom Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen bestätigt werden.


Nachfolge für die Leitung der Klinik für Innere Medizin geregelt

Mit Chefarzt Prof. Dr. Stephan Schickel  steht bereits seit April 2018 ein erfahrener Mediziner an der Seite des nun in den Ruhestand verabschiedeten Dr. Manfred Dörne. Bisher leitete Schickel den Fachbereich Kardiologie und Palliativmedizin. Ab 1. Oktober übernimmt Schickel, der ebenfalls Facharzt für Gastroenterologie ist, von Dörne die Leitung der gesamten Klinik für Innere Medizin. Bevor Schickel 2018 die Chefarztstelle in Mittweida übernahm, arbeitete der 47-Jährige in Krankenhäusern in Leipzig, Wurzen und Zwickau.

Das Amt als Ärztlicher Direktor hatte Dr. Dörne bereits Anfang des vorigen Jahres an Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Heinke abgegeben. Der damals 53-Jährige löste Dörne ab, der den Posten auf eigenen Wunsch abgegeben hatte. Heinke hatte seit 2014 die Stelle als Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Mittweida inne. Dörne hatte den Direktoren, wie er selbst sagte "quasi per Handschlag", im Jahr 1994 übernommen.

Für die Patienten ändere sich mit dem Ausscheiden von Dörne "praktisch nichts", so Krankenhaus-Geschäftsführer Florian Claus. Die stationäre und ambulante Versorgung werde nun von anderen Medizinern übernommen. (jl)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...