Museumsnacht: Mittweida macht mit

Für die Leiterin des Museums "Alte Pfarrhäuser" ist es Premiere und Experiment zugleich. Auch das Wasserkraftwerk öffnet innerhalb der Chemnitzer Großveranstaltung. Improvisationstalent ist nun nur noch bei Regiobus gefragt.

Mittweida.

Die Chemnitzer Museumsnacht hat in den Vorjahren stets Tausende Besucher in die Großstadt gelockt. Namhafte Einrichtungen wie das Archäologiemuseum Smac, das Industriemuseum und die Neue Sächsische Galerie zählen auch in diesem Jahr zu den Stationen der nächtlichen Tour, die in diesem Jahr am kommenden Samstag unter dem Motto Industriekultur steht. Erstmals stehen auf der Liste der beteiligten 25 Museen zwei Einrichtungen in Mittweida: das Museum "Alte Pfarrhäuser" und das Wasserkraftwerk.

Bei der Mittweidaear Museumsleiterin Sibylle Karsch steigt die Spannung auf das bevorstehende Spektakel. Werden tatsächlich viele Menschen die in diesem Jahr limitierten Tickets auch für einen Ausflug per Bahn und Bus in die Kleinstadt nutzen? Sibylle Karsch will da im Vorfeld die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. "Wir haben gesagt, wir machen einfach mal mit", so die Museumsleiterin. Kämen mehr als 40 Besucher an dem Abend, wäre das schon mehr als sonst an einem Wochenende maximal zu erwarten sei. Die Stadt Chemnitz sei auf die Umland-Kommunen zugegangen mit der Frage, ob sie sich vor dem Hintergrund der Kulturhauptstadt-Bewerbung an der Museumsnacht beteiligen wollen. Zugesagt hat neben Mittweida das Bergbaumuseum in Oelsnitz. Wirtschaftlich verspreche das keinen Gewinn, so Sibylle Karsch: "Ich sehe das eher als Werbeveranstaltung für uns."

Den Gästen soll neben der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte und dem Erich-Loest-Zimmer mehr als das sonst übliche geboten werden. Dazu zählen vor allem die nicht alltäglichen Führungen unter Leitung von Fördervereinschef Michael Kreskowsky im benachbarten Museumsdepot, wo ein Teil der insgesamt 40.000 Objekte umfassenden Sammlung verwahrt wird. Allein zwei Räume stehen voll mit Alltagsgegenständen, die nur selten in Sonderausstellungen zu sehen sind. Im Museumsgarten erwartet die Gäste musikalische Unterhaltung der Band Tonstaub bei Snacks und Wein. Passend zum Motto der Museumsnacht gebe es im Haus den im Mai 2010 eingerichteten Industriestammtisch, eine Tafel an der Industrielle von Mittweida vorgestellt werden. Das dem Bildhauer Johannes-Schilling-Haus gewidmete Schilling-Haus bleibe am Samstag geschlossen, weil das Museum dessen Öffnung personell nicht abdecken könne. Die Museumsleiterin ist froh, dass mit dem Wasserkraftwerk eine weitere Einrichtung in Mittweida beteiligt ist, die mit ihrer anschaulichen Technik-Geschichte einen weiteren Grund zum Besuch der Stadt zu bieten hat.

Erwartungsfroh äußerte sich so auch Stefan Buscher, Pressesprecher des Energieversorgungsunternehmens Envia M, das das Wasserkraftwerk betreibt und als Tagungsstätte sowie Bildungseinrichtung vermarktet. "Wir freuen uns über jeden Gast, der den Weg in unser Wasserkraftwerk nach Mittweida findet, und hoffen auf eine ähnlich gute Resonanz wie bei den Tagen des offenen Denkmals in den zurückliegenden Jahren", so Buscher. Die Envia-M-Gruppe sehe sich dabei als Teil der Industriekultur in Chemnitz. Und so sei die Museumsnacht ein willkommener Anlass, das "Schmuckkästchen der Industriekultur" einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Haus an der Zschopau werde am Samstag von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Führungen sind aufgrund der Coronakrise nicht möglich. Fragen der Besucher würden vor Ort beantwortet.

Das Wasserkraftwerk gilt als "produzierendes Denkmal", welches seit 1923 klimafreundlich Strom aus Wasserkraft erzeugt. Geboten werde hier eine Besichtigung des 2014 für rund drei Millionen Euro modernisierten Werkes, bei der auch eine Dauerausstellung zur Geschichte der Stromerzeugung am Standort Mittweida gezeigt wird.

Die Vorfreude auf die Museumsnacht in Mittweida ist indes nicht sorgenfrei geblieben. Denn nachdem der Termin dafür vom Mai 2020 erst auf den 10. Oktober und nun auf den 17. Oktober verschoben wurde, kollidiert der Termin nun mit dem Oktoberfest in Mittweida, welches am gleichen Abend auf dem Markt im Festzelt veranstaltet werden soll. Das hat auch zur Folge, dass die Mittweidaer Innenstadt von Freitagnachmittag bis Sonntagabend für den Fahrverkehr gesperrt sein wird. Betroffen davon sind die Buslinien, die nun Umleitungen fahren müssen, wie Henning Schmidt, Fachbereichsleiter bei Regiobus Mittelsachsen, bestätigte. Auch der extra bestellte Verkehr für die Museumsnacht sei betroffen. "Wir arbeiten an einer interessanten Ersatzvariante für diese Fahrten zwischen Bahnhof, Innenstadt und Kraftwerk", so Schmidt. Diese drei Punkte würden also dennoch im geplanten Umfang angefahren. Dazu sei Regiobus mit der Verkehrsbehörde der Stadt im Gespräch, der Kulturbetrieb der Stadt Chemnitz sei informiert.


Ticket-Anzahl limitiert

Zur 21. Chemnitzer Museumsnacht am 17. Oktober ist die Anzahl der zu verkaufenden Karten limitiert. 5000 Karten können zum Normalpreis von 10 Euro erworben werden, 1300 Karten kosten ermäßigt 5 Euro und 1000 Karten werden an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre vergeben, für sie ist der Eintritt frei. Die Tickets können vorab im Stadtmuseum Mittweida sowie in anderen beteiligten Einrichtungen erworben werden sowie an den Abendkassen. Die Tickets gelten auch für die Citybahn-Linie C14 sowie für die RB 45 zwischen Chemnitz und Mittweida sowie für die Bus-Shuttles in Mittweida vom und zum Bahnhof, die auch nahe des Stadtmuseums halten. Das Mittweidaer Museum ist tagsüber geschlossen und von 18 bis 23 Uhr geöffnet. (jl)

www.chemnitz.de/Museumsnacht

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