Nach 25 Jahren: Erster Wildtierhalter zieht Bilanz

Dietmar Wein aus Nöbeln hat als Direktvermarkter ein Damwildgehege mit etwa 100 Tieren. Der Familienbetrieb, der im Nebenerwerb läuft, wurde jetzt ausgezeichnet.

Nöbeln.

Angefangen hat alles mit zehn weiblichen Tieren - vor 25 Jahren. Seitdem hat Dietmar Wein in Nöbeln das Damwild nicht mehr losgelassen. Er zieht es heran und verkauft es dann in der Region als Direktvermarkter. Wein ist damit einer von 56 Damwild-Haltern in Mittelsachsen.

Die Idee, ein solches Gehege aufzubauen, stammt von Weins Vater. "Er hat im Fernsehen eine Sendung darüber gesehen und mich mit seiner Begeisterung angesteckt", erzählt der 54-Jährige. Seine Frau Silke machte von Anfang an mit, seine Kinder Torsten (31) und Bianka (29) sind in den Familienbetrieb, der damals der erste seiner Art im ehemaligen Landkreis Rochlitz war, hineingewachsen. Jetzt umfasst die Herde 53 Muttertiere, mit dem dazugehörigen Nachwuchs sind es um die 100 der weiß getupften Tiere, die sich auf dem Grünland neben dem bäuerlichen Anwesen tummeln. 15 bis 18 Monate haben sie dazu die Zeit und gute Bedingungen. Sie können nicht nur in Ruhe grasen, sondern bekommen Kastanien und Heu und im Winter auch Silagefutter - ebenfalls im eigenen Betrieb produziert.

Überhaupt wird im Familienbetrieb alles selbst erledigt - auch das Schlachten. Zuvor schießt Wein die Tiere. "Das mag herzlos klingen, aber die Tiere hatten bis sie dann getroffen werden und umfallen ein gutes Leben. Außerdem bleiben ihnen jegliche Transporte und die damit verbundenen Strapazen und die Panik erspart", erklärt Wein. "Es sind Nutztiere", fügt seine Tochter Bianka hinzu, schaut aber mit liebevollem Blick zur Herde. "Die Tiere sind schon wunderschön anzusehen. Unsere sind auch nicht scheu, wir kommen beim Füttern nah an sie heran. Und wenn Nachwuchs da ist, kümmert sich eine Mutter um mehrere Jungtiere. Wie in einem Kindergarten", erzählt sie.

Ende November/Anfang Dezember ist Schlachtzeit. Das Fleisch geht in Teilen wie Rücken oder Keule an die Käufer, aus den älteren Tieren wird Wurst gemacht. Das allerdings übernimmt Wein, der hauptberuflich als Angestellter arbeitet, nicht. Vielmehr erfolgt es bei einem Wechselburger Fleischer. Hauptsächlich entsteht Wildsalami. Ohne Konservierungsstoffe, wie Wein betont. Neu hinzu gekommen sind Knacker. Und, isst man in der Familie Fleisch und Wurst der eigenen Tiere? "Natürlich", antworten alle vier wie aus einem Mund. "Das Fleisch ist mager und zart. Auch Wurst und Schinken sind lecker", sagt Bianka Wein.

Dieser Meinung waren auch die Prüfer bei einem Fleisch- und Wurstwettbewerb innerhalb der Bundesfachtagung des Bundesverbanders für landwirtschaftliche Wildtierhaltung. Sowohl die Salami als auch die frischen Knacker wurden mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Das war bereits im April im Kloster Nimbschen bei Grimma. Doch Manfred Golze, der beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie tätig war und den Wettbewerb, der über das Landwirtschaftsministerium gefördert wird, angeschoben hatte, ließ es sich nicht nehmen, die Medaillen selbst zu übergeben. "Das ist persönlicher", sagte er bei dem Treffen auf Weins Hof Ende vergangener Woche. Für Wein und seine Familie ist die Ehrung eine Art Krönung im 25. Jahr der Damwildhaltung. Denn alle investieren viel Zeit. Um so größer ist die Freude über die Auszeichnung.

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