Nach Eklat: Theater ruft erneut zu Dialog auf

Künstler zeigen sich unbeeindruckt von Verlegung des Polittalks

Freiberg.

Das Mittelsächsische Theater bietet den Gesellschaftern um den Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) die Stirn. Es organisiert für den 8. November wieder eine politische Veranstaltung in der Reihe Dialog - und zwar erneut im städtischen Theater. "Dabei soll es um die Frage gehen, was aus dem großen politischen Willen vom November 1989 zur tiefgreifenden Veränderung geworden ist", sagte Schauspieldirektorin Annett Wöhlert am Mittwochabend.

Der jüngste Polittalk im März zum Thema "Wir haben die Wahl 2019. Was ist zu tun?" war auf Krügers Intervention in den Städtischen Festsaal verlegt worden. Darauf entbrannte eine bundesweite Debatte um die Freiheit der Kunst. Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) äußerte die Befürchtung, dass Kunstfreiheit eingeschränkt wird.


Die künstlerische Leitung des Theaters hält den verordneten Umzug bis heute für eine Überreaktion des OB. Sie betonte, die Dialog-Veranstaltung habe weder ein Neutralitätsgebot, noch den Gesellschaftszweck verletzt. Intendant Ralf-Peter Schulze geht bei der neuerlichen Dialog-Veranstaltung nicht davon aus, dass OB Krüger erneut interveniert.Es sei deutlich geworden, "wie beschädigend solche Eingriffe für eine ganze Stadt sein können." Zugleich betonte Schulze, dass der Knoten gemeinsam mit dem OB gelöst werden müsse, "ohne unsere Freiheitsrechte zu kürzen".

Krüger betonte, dass es nie ein Verbot gegeben habe; nur wahlempfehlende Veranstaltungen sollten vor Urnengängen nicht in öffentlichen Einrichtungen stattfinden. Für den Dialog im November sicherte er zu, dass es "keine Einwände gegen diese Veranstaltung" gibt. Er sei zum Dialog mit dem Intendanten bereit.

Theater-Geschäftsführer Peter Ickrath sagte, er stehe hinter dem Intendanten.

Statements Die vollständigen Stellungnahmen von Theaterchef Ickrath und OB Krüger im Internet unter

www.freiepresse.de/statements

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