Neue Flut würde mehr als 70 Rossauer betreffen

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Alle gefährdeten Gebäude, Straßen und Brücken im Ort sind erfasst. Ein Bauantrag ist deswegen vom Gemeinderat abgelehnt worden.

Rossau.

Käme erneut ein Jahrhunderthochwasser, wären in tief gelegenen Rossauer Gemeindegebieten an der Zschopau und an einmündenden Gewässern aktuell 73 Einwohner betroffen. Diese Zahl nannte Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Anhand von Hochwassergefahren- und Risikokarten erläuterte er, welche Flächen betroffen sind und welche Maßnahmen zum Schutz vor Überflutung sowie vor negativen Folgen für Leben und Gesundheit der Betroffenen ergriffen werden sollen.

Die Ermittlung und Bewertung der Gefahren in den Papieren erschien den Räten plausibel. Laut Gottwald sind in die Prognosedaten unter anderem Beobachtungen zu den Hochwasserständen 2013 eingeflossen. Alle gefährdeten Gebäude, Straßen und Brücken im Ort seien erfasst, die Zuständigen für Schutz und Evakuierungsmaßnahmen benannt, sagte er.

Auf einen Mangel wiesen die Gemeinderäte jedoch hin. Ein Grundstück könne im Ernstfall nicht wie angegeben von Rossau aus evakuiert werden, weil auch die Brücke dahin überflutet werde, erklärten sie. Nach Angaben des Ortschefs ist das Problem in der Gemeinde und dem Bewohner des Grundstücks bekannt. Aktuell sei vereinbart, dass der Einwohner sich bei Hochwassergefahr rechtzeitig selbst in Sicherheit bringt und die Einsatzleitung informiert, wo er sich aufhält.

Die neuralgischen Punkte im Ort zu kennen, hilft laut Gottwald zugleich, Gefahrenquellen wie zuletzt eine von den Fluten und Treibgut beschädigte Gasleitung rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Darauf zu vertrauen, dass nach zwei Hochwassern, wie sie laut Statistik nur aller 100 Jahre zu erwarten sind, nun 200 Jahre lang nichts passiert, zog kein Gemeinderat in Betracht. Der Aufbau von Spundwänden, die bei weniger extremem Hochwasser die negativen Folgen mindern können, soll die Feuerwehr beispielsweise weiterhin mindestens einmal pro Jahr üben.

Regelmäßig überprüft, aktualisiert und in Details verbessert werden sollen zudem die Alarmierungs- und Einsatzpläne. "Wir müssen vorbereitet sein, wo wir welche Kräfte einsetzen wollen", sagte Gottwald. Sollten Wasserstand und Durchflussmenge der Zschopau an den Messpunkten in Hopfgarten im Erzgebirge alarmierende Werte erreichen, bleibe Rossau noch eine halbe Stunde Zeit, sich auf die kommenden Ereignisse einzustellen.

Die Karten spielen überdies eine Rolle bei Entscheidungen der Gemeinde über Bauvorhaben oder zum Umgang mit Flurstücken. Probleme kann es laut Gottwald geben, wenn beispielsweise schwer abzugrenzen ist, ob eine Uferböschung zum Fluss gehört oder eine Straße abstützt. Einem Bauantrag im Hochwasserbereich des Auenbaches haben die Räte ihre Zustimmung verweigert. "Wir wollen nicht die Verantwortung für ein weiteres Gebäude in gefährdeter Lage übernehmen", begründete Gottwald.

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