Neuer Bücherbus bringt neue Probleme

Das bisherige Fahrzeug - 1992 angeschafft - hat ausgedient. Ab kommendem Jahr wird ein neues Modell durch Mittelsachsen rollen - dann wohl durch weniger Ortschaften als bisher.

Hainichen.

Das rosarote Mobil ist ein echter Blickfang und besonders im ländlichen Raum von Mittelsachsen gut bekannt. Regelmäßig steuert der Bus, gefüllt mit 4500 Büchern, E-Books, Zeitschriften und mehr, Gemeinden und Ortsteile an, die über keine eigene Bibliothek verfügen. Zuständig dafür ist die Kreisergänzungsbibliothek Mittelsachsen, die bis vor kurzem vor einem großen Problem stand: Der aktuelle Bus ist zu alt. Noch einmal wird er nicht durch den TÜV kommen, und eine Reparatur ist finanziell nicht lohnenswert.

Die Lösung: Für 240.000 Euro wird nun ein neues Mobil angeschafft, zur Hälfte gezahlt von der Mittelsächsischen Kulturgesellschaft, zur anderen Hälfte vom Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen, wie die Geschäftsführerin der Mittelsächsischen Kultur gGmbH, Kathrin Hillig, mitteilt. Doch mit dem neuen Bus wird nicht alles besser. Denn die Kosten für die Gemeinden, die von dem Mobil befahren werden, steigen auf das Vierfache der bisherigen Aufwendungen. So mussten die Gemeinden und Städte pro Haltestelle bislang 300 Euro zahlen. "Seit 20 Jahren sind für die Kommunen die Kosten unverändert", stellt Hillig fest. In dieser Zeit seien die Ausgaben für die fahrbare Bibliothek aber deutlich angestiegen - etwa durch Versicherung, Treibstoff und Personal. Deshalb werden die Gemeinden künftig bis zu 1200 Euro je Haltestelle bezahlen. Die Gemeinden müssen nun überlegen, ob sie bereit sind, die deutlichen Mehraufwendungen auch weiterhin zu tragen. Zwar ist für diese Entscheidung noch bis zum 30. September Zeit, doch in Lichtenau hat sich der Gemeinderat bereits für die Weiternutzung ausgesprochen, wie Martin Lohse, Referent des Bürgermeisters, mitteilt. Trotz einer eigenen Bibliothek wird Lichtenau hier wegen der Weitläufigkeit der Ortsteile künftig tiefer in die Tasche greifen, um den Bus auch weiterhin dorthin fahren zu lassen. 3200 Euro werden dafür ab kommenden Jahr gezahlt - 1200 Euro für den ersten Halt und jeweils 1000 Euro für die beiden anderen.

In Claußnitz und Striegistal dagegen wurden noch keine Entscheidungen getroffen. Der Claußnitzer Bürgermeister Günter Hermsdorf rechnet aber mit einer Zustimmung des Gemeinderates. Francis Kuhnke, Kämmerer in Striegistal, kann dagegen noch keine Prognose abgeben. "Eigentlich sind wir recht positiv gestimmt", meint er. Doch die Kosten seien noch höher, als ursprünglich angenommen. So stehen erst einmal Nachverhandlungen im Raum, bevor der Gemeinderat in den kommenden Wochen die Entscheidung trifft.

In Frankenberg geht die Stadtverwaltung dagegen ihren ganz eigenen Weg. Schon Ende vergangenen Jahres entschied der Stadtrat, ab Juli keinen Bücherbus mehr in die eigenen Ortsteile fahren zu lassen. Damals noch mit dem Wissensstand, dass es das Mobil bald gar nicht mehr geben sollte oder wenn, dann nur deutlich verkleinert. Deshalb richtete die Stadtverwaltung Busse ein, die seit diesem Juli die Bewohner der Ortsteile zur Bibliothek in der Stadt bringen.

Tatsächlich wird der neue Kreis-Bücherbus kleiner sein als der aktuelle, weshalb dann auch deutlich weniger Medien als bisher in die Ortschaften gefahren werden. Von 4500 Medien im Bus sinkt die Anzahl auf 3500. Dafür kann das neue Mobil aber auch für Veranstaltungen genutzt werden und hat neben Sitzkissen auch einen Beamer. Ein Problem soll die gesunkene Anzahl an Medien dank der Möglichkeit zur Vorbestellung aber nicht darstellen, wie es in einer Pressemitteilung der Mittelsächsischen Kultur gGmbH heißt. Aktuell hält der Bus noch an 46 Stellen in zehn Städten und Gemeinden. Aufgrund der Mehrkosten könnte sich diese Zahl aber verringern. Zeigen wird sich dies in den kommenden Wochen. Stehen soll der neue Fahrplan ab Mitte November, die Fertigstellung des Busses ist für Januar 2019 geplant.

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