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Neuer Entwurf der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg soll die Millionen bringen

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Frankenberg hat erneut einen Antrag auf Bundes- und Landesförderung für die KZ-Gedenkstätte Sachsenburg gestellt. Die fünf Millionen Euro Fördermittel peilt das Rathaus mit einem neuen Entwurf für die Umgestaltung der baufälligen einstigen Kommandantenvilla an.

Frankenberg.

Die Stadt Frankenberg hat nach 2018 einen neuen Antrag auf Fördermittel für die geplante Gedenkstätte KZ Sachsenburg gestellt. Einen Beschluss zur Qualifizierung des Gedenkstättenkonzeptes fasste der Stadtrat am Mittwochabend mehrheitlich im Rahmen einer außerordentlichen öffentlichen Sitzung. Grundlage für den Antrag ist allerdings nicht der Siegerentwurf im internationalen Ideenwettbewerb für die zur Gedenkstätte gehörende einstige Villa der KZ-Kommandanten, sondern ein Alternativvorschlag aus dem Wettbewerb.

Bei der von der Stadt initiierten Ideenfindung waren 64 Entwürfe aus acht Ländern eingegangen und von einer Jury bewertet worden. Da der wissenschaftliche Beirat der Gedenkstätte jedoch fachliche Bedenken am Siegerentwurf vorbrachte und auch aus dem gesellschaftlichen Beirat sowie von Historikern Kritik daran laut wurde, ist nun der Entwurf "Nie wieder" von Professor Frank Schüler aus Berlin und den Frankenbergern Jana Hilger, Christoph Weigel und Roland Koppka Basis der weiteren Planungen und des Antrags. "Der Siegerentwurf wird zur Kenntnis genommen", sagte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). "Am Kostenrahmen von 500.000 Euro ändert sich durch den Alternativvorschlag nichts."

"Die einstige Entscheidung zum Abriss der baufälligen Villa und Rückbau bis auf den Sockel war einer der entscheidenden Gründe für die Ablehnung des ersten Förderantrages", sagte Professor Mike Schmeitzner von der TU Dresden, der Sprecher des wissenschaftlichen Beirates. Der Wettbewerbssieger mache aus dem Täterort eine Art Opferort. Eine solche, zu DDR-Zeiten nicht unübliche Überformung solle man vermeiden. "Wir sehen das kritisch und sehen die Gefahr einer erneuten Ablehnung des Antrags." Der zunächst gekürte Wettbewerbssieger "Annäherung in Zahlen" sah einen Abbruch der Obergeschosse und des Daches der Villa vor. Mit dem Abbruchmaterial sollte das Umfeld gestaltet werden, der Gebäudesockel diente als Gedenkort. In Wände aus Stahlbeton sollten die bislang rund 7000 bekannten Namen einstiger Häftlinge eingeschrieben werden.

Der nun favorisierte und von Beirat und Rathaus vorgeschlagene Alternativentwurf sieht eine Stahlträgerkonstruktion vor, die dem Betrachter Höhe und Ausmaß des Gebäudes vor Augen führt. Sichtachsen bleiben erhalten. Wertvolle Teile der Bausubstanz sollen integriert werden.

Die Stadtratssitzung fand im Informations- und Dokumentationszentrum über der Fischerschänke in Sachsenburg statt, das als Interim für die Gedenkstätte errichtet wurde. "Wir beraten heute an einem besonderen Ort zu einem schwierigen Thema", so Firmenich. Die Änderung zum fristwahrend bereits eingereichten Antrag wurde am Donnerstag versandt. Mit einer Entscheidung über die insgesamt fünf Millionen Euro Gedenkstättenförderung wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Eine erste Reaktion aus der sächsischen Landespolitik gab es auch schon: Claudia Maicher, die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, glaubt: "Mit dem jetzt verabschiedeten Konzept steigen die Chancen, dass die Staatsministerin für Kultur und Medien eine Mitfinanzierung bewilligt, in erheblichem Maße."

Das neue Konzept beinhalte den teilweisen Erhalt der Villa und ihre Nutzung für die Dokumentation und Aufarbeitung im Rahmen der Gedenkstätte. Dafür konnte ein Kompromiss gefunden werden, der die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs aufgreife und auch die Positionen der bürgerschaftlichen Initiativen für den Aufbau der Gedenkstätte berücksichtige. Dies begrüße sie, so Maicher.

Kommentar: Sieg oder untergehen

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da ruft die Stadt Frankenberg in alle Welt hinaus, dass sie um Ideen für die Umgestaltung ihrer baufälligen Immobilie bittet, die zum Gebäudeensemble des ehemaligen KZ Sachsenburg gehört. 64 Teams reichen daraufhin ihre Entwürfe ein. Eine hochkarätige Jury kürt die Sieger und unterstreicht das hohe Niveau der Veranstaltung. Ein regelrechter Schatz an Wissen sei da angehäuft worden.

Kurze Zeit später aber wird Kritik am Siegerentwurf laut. Ablehnend äußern sich auch wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Beirat der Gedenkstätte. Fazit: Geht die Stadt mit dem Wettbewerbssieger in das neuerliche Antragsverfahren auf Fördermittel von Bund und Land für die Gedenkstätte, könnte sie wieder leer ausgehen.

Daher ist es zwar keine große Wertschätzung für den Wettbewerb, die Jury und den mit großer Mehrheit gekürten Sieger, dass nun ein Alternativvorschlag Teil des Förderantrags wurde. Aber angesichts des drohenden Abgrunds haben die Stadträte das Ruder rechtzeitig herumgerissen. Ein neuerliches Scheitern wäre peinlich für Frankenberg.

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