Nur die Mensa ist noch nicht barrierefrei

Die Sozialkontaktstelle der Hochschule kümmert sich auch um Menschen mit Behinderung. Das Angebot war auch zum Studieninformationstag gefragt.

Mittweida.

Zu Hunderten haben gestern Schüler aus Sachsen, aber auch aus anderen Bundesländern die Hochschule Mittweida erkundet. Sogar aus Nürnberg und Berlin kamen Interessenten zu diesem landesweiten Studieninformationstag. "Das Interesse war mit mehr als 800 Besuchern deutlich größer als im Vorjahr", sagte Jana Gaudich, Leiterin des Hochschulmarketings. Und der überwiegende Teil der Interessenten sei auch schon mit konkreten Vorstellungen gekommen.

Fragen gab es nicht nur zu Studiengängen, Vorlesungen, Wohnungen und Bafög, etliche potenzielle Studenten wandten sich auch gezielt an die Sozialkontaktstelle, einen besonderen Service der Hochschule für Menschen mit Behinderung, chronischen Erkrankungen oder Studierende mit Kind. Einige Kleinkinder auf den Armen junger Mütter waren gestern zu sehen.

Sascha Aurich

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"Wir hatten als Gast aber nur eine Frau im Rollstuhl, die Mutter eines Schülers", erklärte Studienberaterin Monique Furchner. "Sonst ist mir im Studienalltag aber auch nichts bekannt." Linda Meyer von der Sozialkontaktstelle kann dies bestätigen: "Rollstuhlfahrer gibt es an der Hochschule nicht, wohl aber Studenten mit Bewegungseinschränkungen. Wir sind zudem für alle Beschäftigten, also nicht nur für die Studierenden da. Zahlen gibt es allerdings keine, die werden gar nicht erfasst. Inklusion, Familie und Gesundheit sind unsere drei Schwerpunkte." Es bestehe auch kein Zwang, sich in der Kontaktstelle zu melden.

Die schaltet sich ein, wenn Hilfe und Unterstützung angefragt wird. "Kommt zum Beispiel jemand mit Gehproblemen zu uns, dann sorgen wir dafür, dass dessen Vorlesungen in barrierefreien Gebäuden stattfinden", erläutert Linda Meyer. "Der Studienplan kann zudem auch zeitlich angepasst werden, das geht bis zu Zusatzzeiten bei Prüfungen", ergänzt die Sozialarbeiterin. "Wir haben zudem eine mobile Rampe angeschafft, weiterhin Hilfsmittel wie Hörverstärker, Leselupen oder ergonomische Computermäuse."

Großes Ziel der Sozialkontaktstelle ist und bleibt eine barrierefreie Mensa. Zu den beiden Speisesälen gelangt man als Auswärtiger derzeit nur über Treppen. Nach Anmeldung kann aber von Rollstuhlfahrern ein versteckt liegender Aufzug genutzt werden. "Schön ist das nicht", mahnte Linda Meyer. "Alle neuen Gebäude sind aber barrierefrei gebaut worden, dafür haben wir uns natürlich auch eingesetzt. Bei vielen älteren Bauten ist es leider nur schwer möglich, dort viel zu verändern." Größer als die Zahl der Studierenden mit Bewegungseinschränkungen sei an der Hochschule aber die der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

"Das ist unser größtes Klientel", bestätigte die Sozialarbeiterin. "Zahlen gib es da auch nicht. Zudem muss niemand die Art seiner Erkrankungen offenlegen. Da ist der Datenschutz streng. Wir wissen also nicht, ob derjenige an Depressionen leidet oder suizidgefährdet ist." Unterstützung gibt es nach ärztlicher Bescheinigung. Die Sozialkontaktstelle hat feste Sprechzeiten und ist im Anbau an Haus 3, Am Schwanenteich 4a, zu finden. "Zum Studieninformationstag konnten wir schon einige Fragen beantworten", so die Sozialarbeiterin. "Ein Behinderung kann jedenfalls kein Grund sein, nicht in Mittweida zu studieren."

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