Obstgut rechnet mit höheren Apfelpreisen

Von einer Rekordernte wird in diesem Jahr auch der Direktvermarkter in Seelitz weit entfernt bleiben. Wie hoch der Frostschaden bei Äpfeln und Erdbeeren ist, wird aber erst in ein paar Wochen konkret.

Döhlen.

Der Frost im April hat auch das Obstgut Seelitz in Döhlen einschneidend getroffen - rund 70Prozent der Apfelblüten sind laut Inhaber Wolfgang Kuhn erfroren. Dennoch bleibt der Betrieb optimistisch: "Wir rechnen in diesem Jahr keinesfalls mit einem Spitzenertrag. Aber das muss nicht heißen, dass ein Totalausfall kommt", so der 64-jährige Geschäftsführer. Deshalb sieht Kuhn aktuell keinen Anlass, Mitarbeiter aus der 15-köpfigen Belegschaft zu entlassen. Und der Preis für die Äpfel soll nicht kurzfristig angehoben werden.

Dass die Preise für Äpfel branchenweit in den nächsten Monaten steigen, sei dennoch zu erwarten. Denn die Kälte hat in vielen Ländern Europas die Blüten beschädigt, zum Beispiel in Österreich und Italien. Wolfgang Kuhn bewertet dies allerdings differenziert: "Ein Überangebot ist auch nicht in unserem Sinne." Die Obstbauern kämpfen mit einem Importstopp nach Russland, Äpfel, die früher dorthin gingen, drängen auf den europäischen Markt. Die Folge sind Absatzschwierigkeiten und Billigstpreise.


2016 hat das Obstgut 1577 Tonnen Äpfel geerntet, auf einer Fläche von gut 60 Hektar. Welcher Ertrag in diesem Jahr zu erwarten ist, lässt sich noch nicht sagen. "Das wird man erst in 14 Tagen genauer sehen, wenn die Blüten durch sind und der Fruchtknoten beginnt, sich zu verdicken", erläutert er. Dazu komme aktuell schlechtes Wetter, bei dem kaum Bienen fliegen und die Blüten nicht befruchten.

Das Unheil nahm seinen Lauf in der Nacht zum 20. April. Nach einem zu warmen März hatten die Pflanzen begonnen zu blühen. Dann kam in der besagten Nacht die Kälte. "Wir hatten hier mindestens 2,5 bis 3 Grad minus", so Kuhn. Braune Stempel und Staubgefäße zeugen vom Frostschaden. Dieser fällt je nach Sorte und Standort anders aus. Am meisten traf es Jonagold, mit rund 80 Prozent des Bestandes. Bei Gala sind circa 50 Prozent betroffen. "Wir schlagen auch in normalen Jahren 40 Prozent der Blüten ab, um einen Überhang zu vermeiden. Das machen wir dieses Jahr nicht."

Ernteausfall durch Kälte hatte das Obstgut schon früher zu verzeichnen. Ein Beispiel: 2003 wurden gut 2000 Tonnen Äpfel geerntet, im Jahr darauf nur 900 Tonnen.

Andernorts versuchen Obstbauern, mit Frostschutzberegnung dem Problem Herr zu werden. Die Pflanzen werden dabei mit Wasser benetzt, ein Eismantel schützt die Blüten vor der Kälte. "Das macht man etwa im Alten Land bei Hamburg, mit Wasser aus der Elbe. Wir haben hier aber zu wenig Wasser", so Kuhn. Am Obstgut versucht man zumindest, das Gras auf den Plantagen kurz zu halten, damit dort weniger Reif entsteht, der Kälte speichert.

Der Frost hat sich unterdessen auch auf weitere Früchte des Betriebes ausgewirkt - wenn auch nicht so arg, wie befürchtet. Auf dem Erdbeerfeld in Pürsten wurde ein Vlies eingesetzt, das die Pflanzen eher zum Blühen bringt. "Hier haben wir fast nur schwarze Blüten." Die Erdbeerflächen in Spernsdorf und Steudten, die zusammen zwei Drittel der knapp vier Hektar Anbaufläche für die Früchte ausmachen, habe es aber kaum getroffen. In der letzten Maiwoche rechnet Kuhn mit dem Beginn der Erdbeerernte.

Unterdessen versucht das Gut weiter, sein Sortiment zu erweitern. Anfang April wurden auf 1,5Hektar Birnenbäume in sechs Sorten angebaut, auf einem halben Hektar Pflaumen in sieben Sorten. In drei Jahren soll die Ernte möglich sein.

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