Oldie-Mobil ist mit 100 Jahren immer noch gut unterwegs

Mit einer Länge von rund 215 Kilometern war die diesjährige Schlösser- und Burgenfahrt besonders lang. Doch für das älteste unter den 180 Motorrädern war dies kein Problem.

Augustusburg.

Als am Samstagmorgen kurz nach 8.30 Uhr leichter Regen einsetzte, gingen die Blicke im Augustusburger Schlosshof sorgenvoll nach oben. "Das ist nur eine Wolke", meinten die einen der insgesamt 180 Teilnehmer der diesjährigen Schlösser- und Burgenfahrt für Motorräder bis Baujahr 1939. "Da fahre ich gleich wieder nach Hause", sagten die anderen. Doch die Skeptiker wurden schnell eines Besseren belehrt. Rasch verzogen sich die dunklen Wolken wieder. "Wir sind gut durchgekommen", lautete hinterher das Fazit von Organisator Andreas Lieschke. Nur in Tälern und schattigen Abschnitten sei Vorsicht angesagt gewesen, "weil es dort immer noch etwas nass war".

Zu denjenigen, die den Regen fürchteten, gehörte Udo Feist. Dem Rochlitzer ging es dabei allerdings nicht um sich selbst. Vielmehr sorgte er sich um seine Maschine, war diese doch die älteste im Feld. "Mir wurde extra die Startnummer 100 gegeben", sagte Feist sichtlich stolz. Vom Veranstalter war dies eine Art nachträgliches Geburtstagsgeschenk. "Wenn der konkrete Monat des Baujahrs nicht mehr nachvollziehbar ist, legt die Dekra den 1. Juni fest", erklärte er. Es ist also gar nicht allzu lange her, dass seine 1918 in Springfield (USA) gebaute Indian Powerplus offiziell 100 Jahre alt geworden ist. Das Alter war ihr am Samstag allerdings nicht anzumerken.

Als wolle er dem zwischenzeitlichen Regen entkommen, düste Feist als erster Fahrer vom Hof. Er wusste außerdem, dass eine besondere Herausforderung auf sein Motorrad wartet. "Mit 215 Kilometern ist die Fahrt diesmal länger als sonst", sagte der Betreiber einer Motorradwerkstatt, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Als Technik-Experte weiß er fast jederzeit Rat, doch eine solch lange Strecke hatte er mit seiner Indian Powerplus schon lange nicht mehr zurückgelegt. "Zumindest nicht am Stück", so der Rochlitzer, der trotzdem guter Dinge war: "Bisher hat sie mich noch nie im Stich gelassen."

Auch diesmal erwies sich die historische Technik als zuverlässig. Während rund fünf Prozent der anderen Teilnehmer wegen Motorproblemen vorzeitig aus dem Sattel steigen mussten - laut Lieschke trotz der langen Strecke eine im Durchschnitt liegende Ausfallquote -, legte Udo Feist den kompletten Weg zurück. Über Eppendorf und Obersaida ging es zum Barockgarten in Großsedlitz. Die dortige lange Mittagspause war für Feist ebenso wichtig wie der kurze Halt zum Frühstück am Landgasthof "Wolfsgrund". Schließlich gibt es an historischen Motorrädern immer etwas zu checken - egal, ob Speichen, Radlager oder Öl. Große Reparaturen waren aber nicht nötig, zumal das Wetter letztlich optimal mitspielte. Temperaturen um die 20 Grad Celsius fand der Rochlitzer wesentlich angenehmer als die Hitze der vergangenen Wochen.

Zurück in Augustusburg hoffte er für den 29. September auf ähnlich gute Bedingungen. Dann richtet der Oldtimer-Club Rochlitz nämlich seine 50. Rallye "Rund um den Rochlitzer Berg" aus, bei der Feist als Fahrtleiter fungiert.

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