Orgelpfeifen kehren zurück

Die Königin der Instrumente in der Stadtkirche Mittweida wird gesäubert und auf Vordermann gebracht. Da ist auch die Hochschule mit im Boot.

Mittweida.

In der Stadtkirche wird gehämmert und geputzt. Gleich zwei Sanierungen laufen: Der Altar ist eingerüstet und wird restauriert. Und von der imposanten Ladegast-Jehmlich-Orgel, immerhin die größte Orgel Mittelsachsens und siebtgrößte Sachsens, sieht man zurzeit nur Einzelteile. Sie wird seit Dezember 2017 einer Generalreinigung unterzogen. Die letzte gründliche Reinigung liegt etwa 50 Jahre zurück.

In der Kirche wurde der Holzwurm bekämpft. Seit März wurde die leere Orgelkammer baulich und akustisch saniert. Dabei entdeckte man auch eine hinter den Pfeifen versteckte und nicht verschlossene Tür. Diese wurde zugemauert. Ebenfalls wurde eine Zwischendecke aus Holz für den Schutz vor Schmutz von oben eingebaut und die Rückwand der Orgel verstärkt. Dadurch wird ein besserer Orgelklang in der Kirche erreicht. Ebenfalls wurde die marode Elektroinstallation in der Orgel auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.

Die Orgelbaufirma Eule hat alle 5115 Pfeifen ausgebaut, gelagert und repariert. Seit mehreren Wochen sind rund zehn bis 15 ehrenamtliche Helfer der Kirchgemeinde dabei, jede einzelne Pfeife zu reinigen. "Wir schaffen damit einen 14-tägigen Vorlauf, sodass nun mit dem Einbau der ersten Pfeifen parallel zur Reinigung begonnen werden kann", erklärt Christian Schulz, Vorsitzender des Orgelvereins und Professor an der Hochschule. Denn auch die Hochschule ist bei der Orgelsanierung präsent.

Es gibt gemeinsam mit der Bautzener Orgelbaufirma Eule ein Forschungsprojekt zur elektronischen Ansteuerung der Magnetventile in der Kirchenorgel. Es wurde ein elektronischer Bypass entwickelt, der die auftretenden Tonausfälle nun verhindert. In dieser Woche hat der Einbau der großen Basspfeifen begonnen. "Das ist genau wie der Ausbau ein großer Kraftakt, denn eine Pfeife muss von mehreren Helfern transportiert werden", berichtet Schulz, nach dessen Angaben die Arbeiten gut im Zeitplan liegen.

Davon konnten sich auch die Besucher jüngst in der Pause beim Abschlusskonzert des Mittelsächsischen Kultursommer unter dem Titel "Nacht der erleuchteten Kirche" überzeugen. Viele nutzten die Gelegenheit, um bei einem Rundgang die Orgel in Augenschein zu nehmen. Kantorin Christiane Sander ist auch öfters auf der oberen Empore bei den ausgebauten Pfeifen anzutreffen. "Jede einzelne Pfeife wird gesäubert. Bei den getakteten muss der Verschluss herausgezogen werden, damit auch das Innere der hölzernen Pfeife gesäubert werden kann", berichtet die Kantorin. Parallel zum registerweisen Einbau beginnt auch die Nachintonierung, also die Anpassung des Klangcharakters, der ersten Pfeifen. Dazu brauchen die Orgelbauer Zeit und Ruhe. Die Sanierung wird mit der Generalstimmung abgeschlossen. Am Buß- und Bettag, 21. November, 14.30 Uhr, wird mit Gottesdienst und Orgelkonzert das Instrument geweiht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...