Pakete kommen mit der stillen Post

Während alle von einer Umweltsteuer auf Kohlendioxid reden, wird in Frankenberg bereits CO2-frei zugestellt. Seit einem Jahr kurven die elektrisch betriebenen Street-Scooter durch die Stadt. Sie haben sich bewährt.

Frankenberg.

Ganze 30 Jahre ist Peggy Dameis schon für die Deutsche Post tätig und hat schon allerhand erlebt. Doch der jüngste Umstieg war gewöhnungsbedürftig: Seit 2018 sitzt die Teamleiterin der Zustellung am Lenkrad eines Street- Scooters. Den hat das Unternehmen gemeinsam mit Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entwickelt. Das Ziel: bis 2025 bis zu 70 Prozent Zustellung und Abholung sauber und frei von Emissionen.

"Eigentlich positiv", sind die Erfahrungen von Peggy Dameis mit den Elektrofahrzeugen. "Wer eine Schaltung hatte, muss sich erst mal an die Automatik gewöhnen." Auch die Rückfahrkamera war zunächst Neuland. "Aber man kann sich darauf verlassen und auf den Millimeter genau einparken", sagt die Teamchefin. Ganze 14 der knallgelben Fahrzeuge sind in Frankenberg und Lichtenau unterwegs. Und zwar wegen ihres Antriebs sehr leise, ohne großes Dröhnen. "Gerade vor Schulen ist daher besondere Obacht geboten", sagt Peggy Dameis. "Wir sind jetzt die stille Post."


2012 war der erste Prototyp der Street-Scooter fertig. 2014 setzte die Deutsche Post DHL dann bundesweit 150 Vorserienfahrzeuge ein. "Bei der Konzipierung und Entwicklung der Autos waren unsere Zusteller involviert", erklärt der für Sachsen zuständige DHL-Pressesprecher Mattias Persson. Die Folge: eine auf den Körper abgestimmte Höhe des von drei Seiten zu bestückenden, beleuchteten Laderaums. Dessen Boden ist rutschsicher. "Auf dem Beifahrersitz ist zudem eine Ablagefläche für Postkästen montiert", sagt Peggy Dameis. Denn sie stellt nicht nur Pakete, sondern auch Briefe zu.

Bis zu 150 Kilometer weit kommt ein Street-Scooter der aktuellen, zweiten Generation mit einer Akku-Ladung. "Mehr brauchen wir auch nicht", so die Teamleiterin. Circa acht Kubikmeter Fracht fasst der Laderaum. Dieser ist so konstruiert, dass keine Radkästen störend hineinragen. "Im Vorweihnachtsbetrieb habe ich etwa 150 Sendungen täglich zugestellt", erinnert sich Peggy Dameis. Bis sie alles verteilt hatte, war sie bis zu sieben Stunden unterwegs. Auch im Winter hat sie keine Einbrüche bei der Akku-Kapazität feststellen müssen. "Wir sind jederzeit gut im Verkehr unterwegs. Das Fahrzeug beschleunigt gut und ist erstaunlich schnell." Die Ladezeit gibt der für die Flottenführung in Frankenberg zuständige Qualitätsmanager Philip Bayer mit acht Stunden an. "Nach viereinhalb Stunden sind wir schon bei 80 Prozent."

Der örtliche Energieversorger habe im Zustellstützpunkt in der Max-Kästner-Straße eigens einen speziellen Stromanschluss installiert. "Das Laden wird zentral verwaltet und über Nacht gestaffelt, um eine gleichmäßige Auslastung zu erzielen", so Betriebsleiter Patrick Kupke.

Ja, von Street-Scootern, in denen Feuer ausgebrochen war, habe man gehört, räumen die Postler ein. "Ursache war eine Charge fehlerhafter Akkus", erklärt Mattias Persson. "Aber wir hatten in Frankenberg keine Fahrzeuge aus dieser Produktionseinheit", versichert Philip Bayer. Fällt der Teamchefin zum Feierabend der Umstieg aufs private Auto schwer? "Nein, ich fahre mit dem Rad", sagt die Peggy von der Post.


Street-Scooter

Das Elektroauto wurde speziell für die Brief- und Paketzustellung entworfen. Der Fahrer benötigt nur einen Pkw-Führerschein.

Das Fahrzeug fährt bis zu 85 Kilometer pro Stunde. Es gibt zwei Modelle, die 4,71 und 5,78 Meter lang sind. Die Motorleistung beträgt 48 Kilowatt.

Aktuell sind circa 9000 Street-Scooter für die Deutsche Post DHL Group unterwegs. Eine Trennung von der Sparte ist im Gespräch. (dahl)

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8Kommentare
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  • 4
    2
    HHCL
    12.07.2019

    @cn3boj00 "Und für wieviel CO2 sie verantwortlich sind hat man - anders als beim Verbrenner - in der Hand, je nachdem welchen Strom man zum "Tanken" nutzt und womit die Akkus hergestellt werden."

    Auch wenn Sie zum Ökostromanbieter gehen, kommt trotzdem der gleiche Strom aus der Steckdose und das ist in Deutschland immer noch ein Mix aus Kohle, Kernkraft und Ökostrom.

    Genau genommen müssten Öko-Angebote auf die tatsächlich produzierten Anteile Ökostrom begrenzt sein; sind sie aber nicht.

    Offenbar glauben viele Grüne sie hätten jetzt alle Ökostrom und der Strom aus dem AKW oder Kohlekraftwerk käme nicht an ihren Steckdosen an. Beschäftigen Sie sich mal mit Energieerzeugung und dem Stromnetz, bevor Sie solche Behauptungen aufstellen.

  • 4
    1
    Franziskamarcus
    12.07.2019

    Cnb00, hier gehts aber um die Postautos. Glaubt denn jemand, irgend ein Postler darf und wird in der Zeitung am Heiligtum E-Auto ernsthafte Kritik üben? Kann deluxe Aussagen nur bestätigen. Die dinger stehen mehr in der Werkstatt als das sie fahren. Der Artikel dampft nur so von Weihrauch...

  • 2
    8
    cn3boj00
    11.07.2019

    Hallo Deluxe, wollen Sie nun behaupten, dass das was in dem Bericht gesagt wird aus der Luft gegriffen oder sogar erlogen ist, bloß weil Sie was gehört haben wollen?
    Ich kenne persönlich 4 Leute mit Elektroautos (ein Tesla, 1 BMW, 2 Zoe), bin selber schon Leaf gefahren, und niemand hat sich bisher wegen massiver Probleme beklagt. Und die Scooter erzeugen nahezu keinen Ruß und keine Stickoxide. Und für wieviel CO2 sie verantwortlich sind hat man - anders als beim Verbrenner - in der Hand, je nachdem welchen Strom man zum "Tanken" nutzt und womit die Akkus hergestellt werden.

  • 5
    3
    Deluxe
    11.07.2019

    Im Winter extrem schlechte Heizung, massiv einbrechende Reichweite und ein technisches Problem nach dem anderen.

    Alles andere als alltagstauglich.

    So hörte ich es von mehreren Zustellern, die damit arbeiten müssen. Dann lieber die alten Diesel, sagen sie...

  • 12
    1
    Kastenfrosch
    11.07.2019

    "Interessant, wie offizielle Meinungen der Zusteller in den Medien sich völlig von dem unterscheiden, was einem diese Leute privat über diese Elektrokisten erzählen."

    Nämlich?

  • 11
    4
    HHCL
    11.07.2019

    Seit wann sind Elektroautos CO2- frei?

  • 9
    2
    Zeitungss
    11.07.2019

    Auf unserer Zustellungstour sollte es planmäßig ebenfalls ein solches Fahrzueg sein, wie gesagt sollte. Zu über 90% rasselt bei der Postverteilung allerdings ein Dieselmotor, da sich die angedachten Fahrzeuge sich gerade nicht einsetzen lassen, aus welchen Gründen auch immer. Das sind jetzt die Wahrnehmungen eines Postkunden mit seinen täglichen Beobachtungen.

  • 13
    4
    Deluxe
    11.07.2019

    Interessant, wie offizielle Meinungen der Zusteller in den Medien sich völlig von dem unterscheiden, was einem diese Leute privat über diese Elektrokisten erzählen. Die Wahrheit und die ehrliche Meinung scheint man im Postkonzern lieber nicht laut zu sagen.

    Und was die CO2-freie Zustellung betrifft:
    Seit wann werden Elektroautos und Akkus CO2-frei produziert und entsorgt???



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