Park-Sanduhr: Idee aus Mittweida feiert Auferstehung

Während die Hochschulstadt mit dem Modell für das kostenfreie Kurzzeit-Parken gescheitert ist, wird es nun im vogtländischen Reichenbach eifrig diskutiert.

Mittweida/Reichenbach.

Mit der als "Pumi" bezeichneten Park-Sanduhr hatte Mittweida vor etwa fünf Jahren weit über die Stadtgrenzen hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Sie ermöglichte bis Juli 2016 ein kostenfreies Parken für zehn Minuten in der Stadt. Das kam bei vielen Autofahrern gut an. Doch mehr als ein Jahr nach deren Einführung setzte sich die Verkehrsbehörde des Freistaates durch und untersagte den "Pumi"-Verkauf. Die Verwendung dieses Modells für gebührenfreies Kurzzeitparken wurde daraufhin von der Stadt eingestellt und schien fast in Vergessenheit zu geraten.

Doch nun ist die Debatte um eine Park-Sanduhr wieder aufgeflammt, nur eben im Vogtland. 15 Minuten gebührenfreies Parken auf allen kostenpflichtigen öffentlichen Parkplätzen im Reichenbacher Stadtgebiet - das soll mit der Parksanduhr möglich werden, wofür die sich die Fraktionen Gewerbeverein/FDP/BI Reichenbach-Mylau und Bitex/Grüne im Stadtrates stark machen. Im Internet wird das seit dem Bericht in der "Freien Presse" vom Samstag kontrovers diskutiert. Einzelne Stimmen begrüßen die Idee. Bei anderen regiert Skepsis. Die Initiatoren verteidigen indes ihren Vorstoß. Die Sanduhr als "Brötchentaste ohne Brötchentaste" biete nur Vorteile. Und: "Gab es in Sachsen schon mal!", erklärte CDU-Stadtratsfaktionschef Stephan Hösl und verweist auf die gescheiterte Idee in Mittweida. Das Landesverkehrsamt hatte die dort 2015 eingeführte Parksanduhr als rechtswidrig eingestuft. Als rechtskonform gelte nur die Brötchentaste. "Wer etwas will, findet Lösungen, wer etwas verhindern will, findet Gründe", hält Schaller entgegen.

Ähnlich ist die Haltung des Mittweidaer Oberbürgermeisters Ralf Schreiber (CDU) bis heute. Er bedaure es, dass so "kreative Gedanken nicht zu realisieren" seien. "Ich finde die Idee nach wie vor gut", so Schreiber. Aber er empfiehlt den Kommunalpolitikern im Vogtland, sich vor einer möglichen Einführung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr auseinanderzusetzen. Die Verkehrsbehörde des Freistaates hatte schon im Streit mit der Stadtverwaltung darauf verwiesen, dass die Sanduhr gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) verstößt. In der Folge hätte zwar der Rathauschef die Politessen der Stadt anweisen können, die "Pumi" zu akzeptieren. Aber die Polizei hätte dennoch Strafzettel für die vermeintlichen Falschparker verteilen können. Der Bürger wäre der Geschädigte gewesen. "Die Bürger müssen aber die Sicherheit haben, rechtens zu parken. Man muss die Bevölkerung da schützen. Deshalb hatten wir uns entschieden, die Idee von der Park-Sanduhr wieder zurückzunehmen", so der OB.

Bis heute ist die Landesbehörde bei ihrem Urteil geblieben: An Parkscheinautomaten dürfe laut StVO nur mit Parkschein geparkt werden. Als "rechtssichere" Alternative lässt das Amt die sogenannte Brötchentaste an Parkautomaten gelten, die Mittweida vor vier Jahren einführte und Automaten umrüstete. Kosten: rund 3000 Euro. So dämmern im Stadtarchiv von Mittweida noch mehr als 2000 "Pumis" mit Wappen von Mittweida vor sich hin.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.