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Sogenannte Mitfahrbänke sollen für mehr Mobilität in den Mittweidaer Ortsteilen sorgen. Doch nicht allen geht dieser Vorstoß auch weit genug.

Mittweida.

Fünf Mal am Tag fährt die Buslinie 684 über die Ortsteile Thalheim und Frankenau nach Mittweida - jedenfalls von Montag bis Samstag. Wer sonntags in die Stadt will, muss sich eine Alternative zum Bus suchen; genau wie jeder, der am Abend nach Mittweida möchte, denn der letzte Bus fährt kurz nach 17 Uhr. In den anderen Ortsteilen sieht es ähnlich aus.

Um für mehr Mobilität in den ländlichen Gebieten zu sorgen, will die Stadtverwaltung nun sogenannte Mitfahrbänke einführen. Das kündigte Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) am Montag bei einer Einwohnerversammlung in Frankenau an. Voraussichtlich noch Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres solle je eine Bank in Frankenau, Thalheim, Lauenhain, Tanneberg, Ringethal, Falkenhain und Zschöppichen aufgestellt werden, sagt Stadtsprecherin Francis Pohl auf Anfrage von "Freie Presse".

"Die Mitfahrbänke werden in ländlichen Gemeinden an zentralen Orten aufgestellt und entsprechend gekennzeichnet. Personen, die von A nach B möchten, können dort Platz nehmen und auf eine Mitfahrgelegenheit warten", erklärt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) auf seiner Internetseite. Das Konzept findet seit einigen Jahren in ganz Deutschland Anwendung.

"Für die älteren Bürgerinnen und Bürger, die kein eigenes Fahrzeug mehr führen, aber gern mobil bleiben wollen, soll das eine höhere Flexibilität bedeuten", erklärt Francis Pohl. "Zum Beispiel, wenn man mit in die Stadt genommen werden möchte, aber gerade kein Bus fährt." Dabei seien die Bänke keinesfalls als Konkurrenz zu öffentlichen Verkehrsmitteln gedacht, sondern vielmehr als Ergänzung zu diesen. Wo genau die Bänke in den Mittweidaer Ortsteilen stehen sollen, steht noch nicht fest. Laut Pohl sollen die Standorte in Abstimmung mit den jeweiligen Ortschaftsräten ausgewählt werden. Die Gesamtkosten sollen sich den Angaben nach auf etwa 5000 bis 6000 Euro belaufen.

Die Mittweidaer Linken loben die Idee. "Super", schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. Bürgerinnen und Bürger seien aufgerufen und gefordert, das Angebot zu nutzen beziehungsweise ihre Nachbarn und Gäste mitzunehmen, erklärt Torsten Bachmann, Vorsitzender der Linkenfraktion im Stadtrat, auf Nachfrage. "Die Mitfahrbänke können ein reguläres Angebot im ÖPNV aber nicht ersetzen, sondern nur ergänzen", meint er. Daher sei bei der Einwohnerversammlung auch der Ortschaftsrat gebeten worden, Wünsche der Einwohner zu sammeln und an Stadtrat und -verwaltung zu übermitteln. "Anschließend kann mit Regiobus beziehungsweise dem Landkreis und VMS als Auftraggeber nach Lösungen gesucht und über Finanzierungen gesprochen werden." Besonders die Anbindung von Frankenau an den Mittweidaer Bahnhof werde als problematisch eingeschätzt, zudem fehle ein Angebot für Rückfahrten nach Veranstaltungen wie Altstadtfest oder Weihnachtsmarkt.

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