«Pfad der Erinnerung» im ehemaligen KZ: Heftiger Streit

Im ehemaligen KZ Sachsenburg wird ein «Pfad der Erinnerung» als erster Teil einer geplanten Gedenkstätte eröffnet. Doch zwischen der Stadt Frankenberg und den Initiatoren der Gedenkstätte ist eine Auseinandersetzung darüber eskaliert.

Frankenberg (dpa/sn) - Ein heftiger Streit zwischen der Stadt Frankenberg und den Initiatoren für eine Gedenkstätte im ehemaligen KZ Sachsenburg überlagert die Eröffnung eines «Pfades der Erinnerung». Diese Außenraumausstellung in dem zu Frankenberg gehörenden Ortsteil bildet den Auftakt für eine geplante Gedenkstätte. Der erste Abschnitt des «Pfades der Erinnerung» besteht aus zehn Erklärtafeln und soll am Sonntag eröffnet werden.


Ab dem zweiten Halbjahr sollen nach Angaben der Stadt zehn weitere Tafeln aufgestellt werden. Insgesamt sind für das Projekt 135 000 Euro aus Fördermitteln der Stiftung Sächsische Gedenkstätten eingeplant.

Doch vor der Eröffnung ist ein seit längerem schwelender Streit zwischen der Stadt und dem Verein Geschichtswerkstatt Sachsenburg, der sich seit Jahren für einen Gedenkort engagiert, eskaliert. Beide Seiten erklärten, dass die Vorstellungen über eine Gedenkstätte weit auseinandergehen. «Uns wird in den Gesprächen vorgeworfen, wir würden nichts zur Gedenkstätte beitragen», sagte Vereinsvorsitzende Anna Schüller der dpa.

Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) warf dem Verein seinerseits einen Vertrauensbruch und eine strafbare Handlung vor, weil dieser einen Antrag auf Fördermittel gestellt habe, bei dem die Stadt 110 000 Euro als Eigenmittel beisteuern sollte. «Dieses Vorgehen war unabgestimmt und unehrlich und wird seitens der Stadt als versuchter Subventionsbetrug angesehen», teilte Firmenich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur schriftlich mit. Er habe dem Verein mitgeteilt, dass auf dieser Basis eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei.

Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt reagierten empört. «Unter diesen Umständen sehen wir keine Basis für eine Zusammenarbeit mit der Stadt Frankenberg», sagte Anna Schüller. Die Geschichtslehrerin hatte das Konzept für die Gedenkstätte des lange Zeit vergessenen KZ erstellt. Laut Stadt war sie dabei auch mit der Konzeption des Pfades der Erinnerung befasst.

Das Gesamtkonzept für die Gedenkstätte bezieht auch die ruinöse ehemalige Kommandantenvilla mit ein, die der Hauptstreitpunkt der Auseinandersetzungen ist. Die Stadt möchte das Gebäude abreißen lassen. Eine Expertenkommission der Staatsministerin für Kultur und Medien war jedoch in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass das Gebäude unbedingt erhalten werden muss, um Fördermittel des Bundes für die Gedenkstätte erhalten zu können.

Während die Geschichtswerkstatt die Gefahr sieht, dass bei einem Abriss Fördermittel verloren gehen, verweist die Stadt auf eine im Stadtrat beschlossene Alternative. Die marode Villa sei nicht zu erhalten. «Jedoch soll mit modernen Medien die Geschichte des Standortes aufgearbeitet werden, die Blickbeziehungen, wie sie im Gelände des ehemaligen KZ bestanden haben, herausgearbeitet werden und im Schwerpunkt über die Tätergeschichten vor Ort informieren», hieß es.

Um wieder an einem Tisch zusammenzukommen, erwartet Firmenich, dass der Verein den Beschluss der Stadt Frankenberg «als Träger der Gedenkstätte und demokratisch herbeigeführter Entscheidungen im Stadtrat» akzeptiert. Die Geschichtswerkstatt will trotz der derzeit verhärteten Fronten künftige Gespräche nicht ausschließen. «Wir werden an unserer Vereinsarbeit festhalten und sind gegenüber dem Ministerium, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Stadt Frankenberg gesprächsbereit», sagt Anna Schüller

Das KZ Sachsenburg wurde im April 1933 in einer damaligen Spinnerei eingerichtet. Seine Schließung erfolgte offiziell am 9. Juli 1937. Das zuständige sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst befürwortet wegen der historischen Bedeutung des Ortes ausdrücklich eine Gedenkstätte. «Das KZ Sachsenburg, das erste sogenannte Schutzhaftlager in Sachsen, ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur aus Deutschland interniert, gefoltert und getötet wurden. Hier wurden die Henker des Naziregimes für die KZs ausgebildet. Daran sollte unbedingt in einer Gedenkstätte erinnert werden», sagte Ministerin Eva-Maria Stange (SPD) dazu.

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