Pfiffig oder Quatsch? FDP-Idee löst Debatte aus

Ein Bergmann als Fuß-gängerampel in Freiberg? Sachsens Oberberghauptmann findet den Gedanken charmant. Freiberg ist für ihn die heimliche Berghauptstadt Deutschlands.

Freiberg.

Gibt es denn wirklich nichts Wichtigeres als das Thema Ampelmännchen? Das fragt sich Leser Eberhard Pästel aus Gränitz, seit FDP-Bundestagskandidat Benjamin Karabinski den Vorschlag publik machte, in Freiberg die traditionellen Ampelmännchen durch Bergleute zu ersetzen.

Karabinski will so das Thema Bergbautradition im Stadtbild präsenter machen. Die Umsetzung der Idee würde den Topf der freiwilligen Ausgaben betreffen, gibt Pästel zu bedenken. "Schon deshalb sollte man mehr in Kinder und Bildung/Soziales investieren", schreibt Pästel. "Eine Ausnahme käme nur in Betracht, wenn Sie, Herr Karabinski, sich bei der Kostenübernahme, aber auch für Folgekosten einbringen."

Der Vorschlag Karabinskis wird in Freiberg und Umgebung intensiv debattiert. Und Pästel ist bei weitem nicht der einzige Skeptiker. Und die nehmen naturgemäß besonders in sozialen Netzwerken kein Blatt vor den Mund. Von "Geldverschwendung" ist da zu lesen, oder davon, dass man sich doch erst mal um die Umgehungsstraße kümmern möge. Und jemand stellt die Frage, ob der Ideengeber nicht einfach nur zuviel Freizeit habe.

Jedoch: Vielen anderen behagt die Idee. "Der Vorschlag ist doch klasse", schreibt ein Kommentator auf der Internetseite der "Freien Presse". Und weiter: "Warum muss immer gemeckert werden? Wenn in Hessen ein Elvis als Ampelmännchen tanzt, kann das in Freiberg doch schon lange ein Steiger."

Auch Sachsens Berghauptmann Bernhard Cramer, Leiter des Oberbergamts in Freiberg, kann dem Vorschlag einiges abgewinnen. Auch wenn hier seit gut 50 Jahren keine Erze mehr aktiv abgebaut würden, sei Freiberg mit dem und durch den Bergbau zu der besonderen Stadt geworden, die gerade in der Vorweihnachtszeit so liebens- und lebenswert erscheine. "Für mich persönlich ist Freiberg deshalb die heimliche Berghauptstadt Deutschlands", sagt Cramer.

"Wenn sich die Menschen dieser Stadt darauf verständigen, besondere Ampeln mit Bergleuten - natürlich die erzgebirgische Version - zu installieren, bringen sie damit ihr Bergbau-Gen zum Ausdruck und es wird sicher auch ein Hingucker für Gäste und Besucher." Oberbürgermeister Sven Krüger hatte bereits angekündigt, er wolle prüfen lassen, wie groß der Aufwand zur Umsetzung der Idee wäre. Und der Freistaat signalisiert, dass die nötigen Ausnahmegenehmigungen selten erteilt würden, aber eben möglich seien. "Sollte sich diese Idee nicht durchsetzen, oder es erweist sich schlichtweg als wirtschaftlich nicht vertretbar, wird es das Selbstverständnis der Stadt aber nicht in seinen Grundfesten erschüttern", zeigt sich Oberberghauptmann Cramer überzeugt.

Für diesen Fall hat er aber einen eigenen Vorschlag. "An Baustellen des Oberbergamtes zur Abwehr von Gefahren aus dem Altbergbau, wie aktuell am Familienschacht auf dem Untermarkt, könnten derartige spezielle Bergmann-Ampelmännchen - dann als historische Freiberger Bergbeamte - sachgerecht bei der Verkehrsregelung zum Einsatz kommen", so Cramer. Nur Steuergelder könne das Oberbergamt zur Beschaffung dieser Spezialampeln leider nicht verausgaben.

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