Pflanzenvielfalt ohne Gentechnik

In Sachsen gibt es dieses Jahr 19 Saatgut-Tauschbörsen. Eine findet Anfang März im Erlauer Ortsteil Naundorf statt. Ivonne Hintermeyer öffnet an diesem Tag ihren Hof für alle Tauschinteressenten.

Erlau.

Im Grundstück von Ivonne Hintermeyer grünt und blüht es immer üppiger. Früher hat sich die Erlauerin ihr Saatgut gekauft. Das muss sie seit geraumer Zeit nicht mehr, denn mittlerweile werden Samen und Pflanzen getauscht. Die Hobbygärtnerin hat sich der 2006 gegründeten Interessengemeinschaft "Lebendige Vielfalt" angeschlossen. Ziel des Netzwerks ist die Erhaltung der heimischen Kulturpflanzen - fernab von Kommerz und Gentechnik. Saatgut-Tauschbörsen, von denen 19 dieses Jahr in Sachsen geplant sind, sollen mit dazu beitragen. Wer möchte, kann an einer solchen Börse am 9. März in Naundorf teilnehmen.

"Voriges Jahr habe ich zum ersten Mal so eine Tauschbörse veranstaltet. Die Vielfalt ist seither viel größer geworden, vor allem bei Gemüsepflanzen", erzählt sie. Ob Tomaten in verschiedenen Sorten, Kürbisse, Radieschen, Bohnen - alles wird seither selbst gezogen und vermehrt. "Es kamen Leute, die haben Sträucher mitgebracht, es wurde untereinander getauscht." Auch Ivonne Hintermeyer habe schnell die Effekte erkannt, die solche Tauschbörsen bringen. "Ich lerne ständig neue Pflanzen und Sorten kennen. Mir geht es um den Erhalt von Pflanzenarten, die an unsere heimischen Standorte gewöhnt sind", sagt sie. Die regionale Pflanzenvielfalt zu bewahren, sei ihr wichtig. Und dass sie kein Pflanzgut mehr kaufen muss, sei ein angenehmer Nebeneffekt.

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Auf die Idee, sich in diesem Netzwerk zu engagieren, sei sie durch Organisatorin Milana Müller gekommen. "Ich habe mit Interesse verfolgt, was sie mit dem Umwelt-Bildungshaus in Tharandt so veranstaltet", meint Hintermeyer. Und da sie selbst gerne gärtnert und ihr die heimischen Pflanzen am Herzen liegen, habe sie beschlossen, ebenfalls solche Tauschbörsen auf ihrem Hof, den sie vor zwei Jahren gekauft habe, zu veranstalten. Milana Müller freut sich über jeden Mitstreiter in ihrem Netzwerk. "Denn die Vielfalt unserer Kulturpflanzen ist bedroht, sei es durch die Monopolisierung und Patentierung auf dem Saatgutmarkt oder durch die Ausbreitung der Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich", sagt sie. Mit eigenem, robustem Saatgut könnten langfristig heimische Pflanzenarten erhalten werden. Und da nicht jeder alles machen könne, biete ein Netzwerk die Möglichkeit, selbstvermehrtes Saatgut zu tauschen, die Erfahrungen der anderen kennen zu lernen und auch kulinarische Köstlichkeiten den anderen vorzustellen.

Saatgut-Tauschbörse am Samstag, dem 9. März von 14 bis 17 Uhr bei Ivonne Hintermeyer, Erlau/OT, Naundorf, Naundorfer Straße 29.

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