Polizei ermittelt wegen Nazi-Schmiererei

Unbekannte haben am Bahnhof in Mittweida ein mannshohes Graffiti mit verfassungsfeindlicher Symbolik gesprüht. Unter anderem ist ein einen Meter großes Hakenkreuz zu sehen.

Mittweida.

Ein hässlicher Anblick bietet sich seit Montagmorgen Zugreisenden, die mit der Regionalbahn nach Mittweida fahren. In der Unterführung, die vom Bahnsteig zum Ausgang führt, prangt ein mannshohes Graffiti voller Nazi-Symbolik. An der Wand gegenüber der Treppe sind neben einem etwa einen Meter hohen, roten Hakenkreuz in schwarzer Schrift die Worte "Hitler Jugend" "Sieg Heil" und "Kanack" zu lesen. Mehrere durchgestrichene Anarchie-Zeichen sowie zweimal die polizeifeindliche Abkürzung "A.C.A.B." sind in den gleichen Farben ebenfalls an die Wände der Unterführung gesprüht worden. Das Kürzel steht für "All Cops are Bastards", zu Deutsch: "Alle Polizisten sind Bastarde". Nach Angaben der Polizei sind die Graffiti insgesamt etwa acht Quadratmeter groß. Die Schadenshöhe ist bislang unklar.

Gegen 9.30 Uhr hatten am Montagmorgen Bürger die Polizei über die Nazi-Schmierereien verständigt, die vermutlich in der Nacht zuvor angebracht wurden. Aufgrund des Tatorts übernahm zunächst die Bundespolizeiinspektion Chemnitz die Ermittlungen, die für Delikte an Bahnhöfen zuständig ist. Ermittelt werde sowohl wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen als auch wegen Sachbeschädigung, sagt Anett Bochmann, Sprecherin der Bundespolizei in Chemnitz. Bei beiden Tatbeständen drohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen - bis zu zwei Jahre für Sachbeschädigung, bis zu drei Jahre für verfassungsfeindliche Kennzeichen.


Die Aufklärungsquote bei Graffiti-Delikten ist allerdings gering. Laut Andrzej Rydzik, dem stellvertretenden Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, wurden im vergangenen Jahr in Mittelsachsen 403 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti zur Anzeige gebracht - 20 mehr als 2017. "Aufgeklärt werden konnten knapp 17 Prozent der Taten", so Rydzik. Verfassungsfeindliche Graffiti werden nach seinen Angaben nicht separat statistisch erfasst. In Mittweida wurden im Jahr 2018 laut polizeilicher Kriminalstatistik 27 Graffiti angezeigt, 2017 waren es 26.

Wann die Schmierereien am Bahnhof entfernt werden, war bislang nicht zu erfahren. Die Deutsche Bahn ließ eine Anfrage der "Freien Presse" am Montag unbeantwortet. Laut Anett Bochmann von der Bundespolizei könnte es jedoch sofort losgehen: Ihre Kollegen haben die Graffiti fotografiert, die Spurensicherung sei abgeschlossen. Nun solle der Fall schnellstmöglich an den Staatsschutz übergeben werden, der für die Verfolgung von Straftaten der politisch motivierten Kriminalität zuständig ist.

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