Präzisionsteile-Hersteller setzt auf Größe und Internationalität

Nach der Übernahme der Mittweidaer Firma MPT durch Josef Schwuger ist das Unternehmen erst geschrumpft, soll nun aber wieder wachsen. Dabei geht der Blick weit über die Grenzen der Stadt.

Mittweida.

Als Josef Schwuger im Jahr 2016 die MPT Präzisionsteile GmbH Mittweida von deren Gründer Dr. Dieter Gebauer übernommen hatte, war absehbar: In dem Unternehmen, welches dieser Tage das 25-jährige Bestehen feierte, würde sich viel verändern. Neue Produkte, straffere Abläufe, internationale Ausrichtung. Das dies mit einem Schrumpfungsprozess in den beiden Werken in Mittweida einher gegangen ist, bestätigte der aus Schlesien stammende Geschäftsführer, der gemeinsam mit seiner Frau Gesellschafter der MPT ist. Die Belegschaftsgröße ist von 254 auf aktuell 242 Mitarbeiter gesunken, ohne dass betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen worden seien.

"Wir sind schlanker geworden, doch jetzt wächst das Unternehmen", sagt Schwuger. So erwartet er für dieses Jahr ein Wachstum im Umsatz auf knapp 30 Millionen Euro, rund 3 Millionen mehr als im Vorjahr. In den vergangenen zwei Jahren sei der Hersteller von Wälzlagerkäfigen zu etwa 80 Prozent neu organisiert und auch finanziell stabilisiert worden. Parallel zur MPT in Mittweida ist die MPT Group entstanden mit drei Standorten in Polen und zwei Gesellschaften in China und insgesamt 170 Beschäftigten.

Die neuen Standorte der Gruppe seien allerdings keine Konkurrenz zu Mittweida. Vielmehr habe man die Herstellung von Komponenten in eigene Hände genommen, die MPT zuvor Fremdzulieferern überlassen hatte. Das betrifft zum Beispiel die Galvanik, wofür nun ein MPT-Werk in Polen zuständig ist. "Alles, was lohnintensiv ist und nicht automatisierbar ist, machen wir jetzt in China und Polen", erklärt Schwuger.

Für den Standort Mittweida hingegen, wo 225 Mitarbeiter tätig sind, sei die weitere Automatisierung von Produktionsprozessen von großer Bedeutung. Es wurde investiert, unter anderem in größere Bearbeitungszentren und eine Sandstrahlanlage. Mehr als zwei Millionen Euro flossen seit 2016 in neue Anlagen in Mittweida. Jetzt sei die MPT in der Lage Wälzlagerkäfige mit einem Durchmesser bis zu 3,2 Metern herzustellen. In der Größe habe die MPT bisher keine Teile hergestellt. Verwendung finden sie in Offshore-Windkraftanlagen. Dadurch erschließe sich die MPT neue Absatzmärkte neben der Wälzlager- und Automobilindustrie. "Wir wollen künftig auch für die Schiffsindustrie Teile liefern", kündigt der MPT-Chef an. Breiter beim Absatz aufgestellt, sei man unabhängiger von der Konjunktur einzelner Branchen.

Auch für die Mitarbeiter sind die Anforderungen gestiegen. Wo früher ein Facharbeiter eine Maschine beherrschen musste, müsse derselbe Mitarbeiter nun in der Lage sein, mehrere zu bedienen. Besonderer Dank gelte den Mitarbeitern für deren Engagement für diese Veränderungen und deren Vertrauen in die neue Strategie, so Schwuger. Mit Handarbeit sei der technologische Fortschritt nicht zu leisten, welcher im Wettbewerb zu indischen und chinesischen Firmen nötig sei. "Wir stellen Facharbeiter ein, Ingenieure und Techniker, teils stammen die aus dem Ausland", sagt Personalchef Meik Hahn. Mitarbeiter aus Chile, Polen und China arbeiten in Mittweida, ein Azubi stammt aus Vietnam. Im Ausland sieht Schwuger auch die größten Wachstumschancen für die MPT. Selbst von dem Anteil von 48 Prozent der Produktion, der an deutsche Kunden verkauft werde, landen etwa 20 Prozent nach der Weiterverarbeitung im Ausland. "Wir haben so einen Exportanteil von etwa 70 Prozent", so Schwuger. Angesichts von Diskussionen über Handelszölle und teils hohen Transportkosten gebe es auch für die MPT Group weitere Überlegungen für Standorte im Ausland, wie auf dem amerikanischen Kontinent.

"Wir werden auch in neue Technologien einsteigen, zum Beispiel irgendwann nicht nur fräsen und bohren, sondern auch mit dem Laser schneiden müssen", so Schwuger. Es wird sich also auch in den nächsten Jahren noch einiges bei der MPT verändern. Doch bodenständig soll die mittelständische Firma bleiben.

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