Prozess gegen Ex-Polizist: Busfahrer sagt aus

Altmittweida/Chemnitz. Vor dem Chemnitzer Landgericht hat heute ein 52 Jahre alter Busfahrer geschildert, wie er im Januar  in Altmittweida auf offener Straße verprügelt wurde. Ein ehemaliger Polizist soll ihn in einem Anfall von paranoid-schizophrenem Wahn attackiert haben.

"Die Attacke kam unvermittelt und ohne Vorwarnung", sagte der Busfahrer. Am späten Nachmittag sei er mit seinem Bus an der Ampelkreuzung in Altmittweida auf die Chemnitzer Straße abgebogen und in Richtung Ottendorf gefahren. "Es hatte geschneit und ich fuhr langsam. Da überholte mich ein heller Pkw, schaltete die Warnblinker ein und hielt vor mir an", berichtete der 52-Jährige. Er habe gedacht, dass der Autofahrer ihn ärgern wolle und daher versucht, links an dem Haltenden vorbeizufahren. Doch da sei der Wagen wieder losgefahren und habe mitten auf der Staatsstraße 200 eine Vollbremsung gemacht. "Ich musste eine Gefahrenbremsung machen", so der Busfahrer. Aus dem Pkw sei ein Mann ausgestiegen, zum Bus gelaufen und habe an die vorderste Tür geklopft. Er habe ihn aufgefordert, auszusteigen. "Er sagte, am Bus sei etwas weggebrochen. Ich erklärte, dass ich erst an den Rand fahren muss, weil wir mitten auf der Straße stehen, aber der Mann sagte, ich könne nicht mehr weiterfahren. Ich dachte mir nichts Böses." Doch als er ausstieg, sei der Pkw-Fahrer sofort auf ihn losgegangen, habe mit den Fäusten gegen seinen Kopf und Oberkörper geschlagen. Selbst als der Busfahrer am Boden lag, ließ der Angreifer den Beschreibungen zufolge nicht von ihm ab. "Er trat auf mich ein", schilderte das Opfer. Der 52-Jährige erlitt bei der Attacke eigenen Angaben zufolge Hämatome im Gesicht. Zudem sei eines seiner Ohren innen geschwollen gewesen. "Ich habe auf einer Seite drei Wochen nichts gehört." Bis heute sei die Schwellung nicht abgeklungen.

Der 32 Jahre alte ehemalige Polizist, dem die Tat zur Last gelegt wird, entschuldigte sich bei dem Busfahrer für seine Tat. "Ich bitte Sie um Verzeihung. Es geschah während einer akuten Phase meiner schweren psychischen Erkrankung", sagte er. Die Anklageschrift gegen den Altmittweidaer umfasst 27 Punkte. Unter anderem werden ihm auch ein Angriff auf drei Ärzte und einen Pfleger im Klinikum Chemnitz im Februar und eine Pfeffersprayattacke auf einen Mann und eine Frau am Mittweidaer Schwanenteich im März vorgeworfen. Auf Grund der vielen Angriffe hat die Staatsanwaltschaft den Ex-Kampfsportler psychiatrisch untersuchen lassen. Ergebnis: Es sei davon auszugehen, dass er an einer paranoiden-schizophrenen Störung leide und nicht schuldfähig ist. Der Prozess wird fortgesetzt. (fpe)

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