Prozess: Kiffer kommt mit blauen Auge davon

Er nahm Drogen, verkaufte welche und flog auf: Fast hätte ein Peniger dafür eine empfindliche Strafe erhalten. Doch das Gericht zeigte sich milde.

Döbeln/Penig.

Ein 20 Jahre alter Mann aus Penig hat sich am Dienstag vor dem Döbelner Amtsgericht wegen einer Reihe von Drogendelikten verantworten müssen. 19 Straftaten legte Staatsanwalt Norbert Metzger dem Angeklagten zur Last. In erster Linie ging es um den Kauf von Marihuana, seltener um den Verkauf, immer im Bereich von zwei bis zehn Gramm.Ein paar Mal hatte er laut Anklage von seinem Dealer Stoff für andere mitgebracht. Auch zwei Cannabispflanzen soll der junge Mann gezogen haben, um sich an den Blüten zu berauschen. Und nicht zuletzt hatte der Peniger im Darknet ein Gramm Crystal Meth und zehn Gramm MDMA, eine Substanz, die in Ecstasy-Pillen enthalten ist, bestellt.

Die Taten, die sich zwischen November 2017 und Januar 2019 zugetragen hatten, hätten dem jungen Mann richtig teuer zu stehen kommen können. Staatsanwalt Metzger forderte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Zudem sollte der Angeklagte 2000 Euro an einen gemeinnützigen Verein überweisen und regelmäßig zur Drogenberatung gehen.

Letztlich blieb es beim hätten. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Marion Zöllner zeigte sich von seiner milden Seite. Da die Juristin den jungen Mann nur verwarnte, konnte der Peniger, leger in kurzer Hose, T-Shirt und Sneaker erschienen, den Gerichtssaal wieder straffrei verlassen. Ungeschoren kam der 20-Jährige trotzdem nicht davon: Er muss 2000 Euro an das Blaue Kreuz in Mittweida überweisen, regelmäßig die Suchtberatung aufsuchen und die Prozesskosten tragen. "Wir wollen damit deutlich machen, das ist kein Pillepalle."

Was dem Angeklagten zugute kam: Vorstrafen schlugen keine zu Buche. Außerdem hatte der Angeklagte alle Taten unumwunden eingeräumt und so dem Gericht eine zeitraubende Beweisaufnahme erspart. "Im Großen und Ganzen stimmt das so", erklärte der 20-Jährige eine gute Dreiviertelstunde zuvor. Das Zeug sei auch nicht immer so qualitativ hochwertig gewesen, versuchte er sich zu rechtfertigen. Ja, damals, da hätte er viel gekifft. Nun ist das angeblich anders. Nur mehr alle paar Wochen will er zu Drogen greifen. "Mit dem Kiffen, das habe ich ziemlich gelassen, höchstens ein zwei mal im Monat mache ich es."

Nach einer Wohnungsdurchsuchung durch die Kripo ging der Peniger im Frühjahr 2019 ein paar Mal zur Drogenberatung. "Danach hat sich der Konsum gebessert." Und: "Das Ziel ist, aufzuhören." Richterin Zöllner hakte nach: "Warum lassen sie es nicht gleich ganz?" Das sei nicht so einfach, erwiderte der Peniger, der wegen seines Drogenkonsums nicht nur seinen Führerschein verloren hatte. Auch sein damaliger Arbeitgeber hatte ihm gekündigt. Seither ist er in der Logistik tätig.

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