Prozess: Zeuge verteidigt Firmengeflecht

In dem Verfahren um eine Rossauer Immobilienfirma wurde gestern der einstige Geschäftspartner der Angeklagten vernommen.

Rossau/Chemnitz.

In dem Prozess um die Rossauer Immobilienfirma Wohnconcept AG Sachsen, die ihre Mieter in einen Bankbetrug verwickelt haben soll, wurden am Landgericht Chemnitz gestern die ersten Zeugen gehört. Angeklagt sind ein Hauptaktionär der Firma, seine Frau und zwei mutmaßliche Komplizen. Sie sollen ein kompliziertes Firmenkonstrukt aufgebaut haben, dessen Ziel es laut Anklageschrift war, Kreditgebern den Zugriff auf vereinbarte Sicherheiten zu entziehen.

Gestern sagte der zweite Hauptaktionär der Firma als Zeuge aus. Gegen ihn war zuvor ein separates Verfahren geführt worden, das mittlerweile eingestellt ist. Der 46-Jährige schilderte eine andere Sicht der Dinge: Demnach hatte ein Rechtsanwalt ihm und seinem Geschäftspartner zum Aufbau des Konstrukts geraten. Ziel sei es nicht gewesen, die Banken zu hintergehen, sondern die Bankraten auch während einer Insolvenz weiterhin zahlen zu können.

Um zu erklären, wie es zu der Insolvenz gekommen war, holte der Zeuge zu Beginn der Vernehmung weit aus. Laut seiner Darstellung hatte die Firma Wohnconcept ab dem Jahr 2000 mehrere Immobilien erworben, saniert und vermietet. Nach dem Kauf eines Hauses in Meerane habe sich herausgestellt, dass dieses von Hausschwamm befallen und nicht mehr sanierungsfähig gewesen sei. Ein Rechtsstreit um die Rückabwicklung sei gegen Wohnconcept entschieden worden.

Aus diesem Grund habe der Rechtsanwalt ihm und seinem damaligen Geschäftspartner geraten, mit der Firma in Insolvenz zu gehen. Auf diese Weise wäre das Haus in Meerane in die Insolvenzmasse eingeflossen, sodass die Verkäufer von dem Vertrag hätten zurücktreten müssen. Damit wäre auch die Insolvenz wieder aufgehoben gewesen. Der Plan hatte einen Haken: Mit dem Insolvenzantrag wären auch mehrere Bankenkredite fällig geworden - die Männer hätten somit weitere Gläubiger gehabt und die Insolvenz wäre bestehen geblieben.

Um dieses Szenario zu vermeiden, habe der Anwalt den beiden Männern zum Abschluss zweier Generalmietverträge geraten. Der erste sei im Jahr 2004 zwischen der Wohnconcept AG und einem heute 76-jährigen Mann geschlossen worden. Dieser wiederum habe einen zweiten Vertrag mit einer weiteren Firma, der Thoma GmbH, geschlossen. Die trat von da an den Mietern gegenüber als Verwalter auf und nahm ihre Zahlungen entgegen, sodass die Banken keinen Zugriff hatten. Ihre Ehefrauen hatten die beiden Wohnconcept-Gründer dort als Gesellschafterinnen installiert. Auf der Anklagebank sitzen auch ein heute 71-Jähriger, der als Geschäftsführer der GmbH eingesetzt wurde, sowie eine der Ehefrauen. Im September wird der Prozess fortgeführt.

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