Pyral-Brand und seine Folgen: Räte fordern mehr Information

Die Mittweidaer Abgeordneten wollen mehr über die Folgen des Großbrandes für die Umwelt wissen. Auch die Ursache des Feuers in der Recyclingfirma lässt sie nicht kalt.

Mittweida.

Die Erinnerung an den Großbrand vor rund einem Monat in der Recyclingfirma Pyral in Mittweida ist in der Stadt allgegenwärtig. Aus Sicht der Stadträte gibt es noch viele offene Fragen. In ihrer jüngsten Sitzung forderten sie Informationen über Messwerte von Luft- und Wasserkontrollen, die zur Bewertung der Gesundheitsgefahren für Einsatzkräfte und Bevölkerung am Brandtag beitragen könnten. Auch danach, wer den Einsatz bezahlt und wie eine Wiederholung des Szenarios vermieden werden kann, fragten die Räte.

Der Einsturz des Hallendaches kurz nach Beginn der Löscharbeiten habe gezeigt, in welche Gefahr sich die Feuerwehrleute begeben mussten, erklärten Ratsmitglieder. Deshalb müsse hinterfragt werden, ob die Gebäude und die Technologien zur Bearbeitung der Abfälle sicher genug sind, um die Betriebserlaubnis aufrechtzuerhalten, sagte CDU-Stadtrat Jörg Naumann. Laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) wird die Statik des vom Brand in Mitleidenschaft gezogenen Bauwerks geprüft. Inwieweit Gefahren von den Stoffen in der Müllbearbeitung ausgehen, die erneut zur Katastrophe führen könnten, könne nur schwer eingeschätzt werden.


In den vergangenen Jahren hat es schon mehrfach auf dem Gelände der Firma Pyral in Mittweida gebrannt. Das Unternehmen investierte daraufhin 2015 in Brand- und Emissionsschutz. Das hatte aber den jüngsten Großbrand, der laut Stadtverwaltung von etwa 250 Einsatzkräften der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes bekämpft wurde, nicht verhindert. Schreiber berichtete, dass derzeit davon ausgegangen wird, dass der Brand aufgrund der Selbstentzündung einer Batterie ausgebrochen ist. Lithiumbatterien oder -akkus sind Sondermüll und sollten eigentlich nicht in der Pyral-Anlage landen. Bei den Ermittlungen zur Brandursache seien jedoch Batterien in Massen im Abfall gefunden worden, sagte Schreiber. Ausgeschlossen werden könne so eine Gefahr offenbar nicht. Es heiße, vollautomatisierte Anlagen könnten beim Trennen der Wertstoffe Batterien nicht von Aluminiumabfällen unterscheiden.

Laut dem Pyral-Pressesprecher Stephan Trutschler war es tatsächlich eine Batterie in einem Ballen metallhaltiger Abfälle, die zum Brand führte. Die Ballen kämen aus Sortierbetrieben. Dort werde der Müll zusätzlich handverlesen, Batterien könnten aber leicht übersehen werden. "Zum Teil sind die Batterien, etwa aus Hörgeräten, nur fingernagelgroß", so Trutschler. Sie könnten zwischen leeren Fischbüchsen und Kronkorken übersehen werden. Bei dem Brand habe sich das dichte Netz von Brandmeldern im Betrieb ebenso wie die neue Ringleitung für Wasser bewährt. Da sich kaum Kunststoffe in den vorsortierten Ballen befunden hätten, habe es zu keiner Zeit gefährliche Schadstoffkonzentrationen in der Luft gegeben. Die falsche Entsorgung von Batterien bleibe jedoch ein Problem.

Nach Ansicht der Mittweidaer Stadträte sind auch Behörden und politische Gremien gefordert. Sie könnten durch Auflagen oder ein umfassendes Batterie-Pfandsystem für mehr Sicherheit sorgen, hieß es. Das soll der Stadtchef auf Landkreisebene ins Gespräch bringen. Laut OB wird die Stadt auf den Kosten für den Löscheinsatz sitzen bleiben. Beispielsweise belasteten 1300 Liter Schaumlöschmittel die Stadtkasse und über das Abwasser vermutlich auch die Umwelt, hieß es.

Die Auswertung aller Messergebnisse von Luft und Wasser vom Brandtag solle öffentlich gemacht werden, lautet eine Forderung im Rat. Laut Schreiber liegen Daten aus dem Klärwerk vor. Messungen dort hätten ergeben, dass es keine gesundheitsrelevante Erhöhung von Schadstoffen im Abwasser gab. Zudem gebe es Aufzeichnungen von Geruchsmessungen, die aber keine Aussage über die Herkunft der Gerüche oder Schadstoffe in der Luft enthalten. OB Schreiber und die Räte kamen überein, dass vom Landratsamt Angaben zu Art und Menge der Schadstoffe in der Luft verlangt werden sollen, die während und nach dem Brand an verschiedenen Stellen in der Stadt gemessen wurden.

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