Pyral-Einsatz kostet über 56.000 Euro

Nach dem Brand sind noch immer Fragen offen. Antworten kamen nun vom Bürgermeister und Umweltminister.

Mittweida.

Fast zwei Monate nach dem Großbrand bei Pyral im Mittweidaer Ortsteil Lauenhain beschäftigt das Ereignis noch immer die Politik. In ihrer öffentlichen Sitzung Ende August hatten die Mittweidaer Stadträte weitere Informationen gefordert, insbesondere zu den Schadstoffwerten, die bei Luft- und Wasserkontrollen gemessen wurden. Auch über die Einsatzkosten wollten die Räte informiert werden. In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend gab Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) nun Antworten. Zuvor hatte bereits Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) im Landtag auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Volkmar Zschocke zum Thema reagiert. "Freie Presse" fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.

Kosten: Knapp über 56.000 Euro kostet der Feuerwehreinsatz auf dem Pyralgelände die Stadt Mittweida nach aktuellem Stand. Einzelne Posten stünden laut Schreiber allerdings noch aus. Am kräftigsten zu Buche schlagen dabei die Personalkosten: 102 Mittweidaer Feuerwehrleute waren durchschnittlich jeweils fast zehn Stunden vor Ort - macht 20.769 Euro. Auch der Einsatz von Drehleiter, Gerätewagen, Löschfahrzeug und annähernd 1300 Litern Löschschaum kommt die Stadt mit zusammengenommen rund 22.750 Euro teuer zu stehen. Wie Schreiber bereits im August erklärt hatte, wird die Stadt auf diesen Kosten sitzen bleiben.

Substanzen: Gebrannt haben nach derzeitigem Kenntnisstand Ballen aus Aluminiummüll mit einem Gewicht von rund 47 Tonnen sowie weitere rund 47 Tonnen Aluminium-Pfanddosen, gibt Umweltminister Thomas Schmidt an. Auch ein Teil der Lagerhalle brannte ab. Wie viel Baumaterial dabei in Flammen stand, sei noch nicht abschätzbar.

Konsequenzen: Ob die Auflagen, unter denen das Recyclingunternehmen am Standort Lauenhain arbeitet, nach dem wiederholten Brand verschärft werden, ist derzeit unklar. Der Brand werde vom Landratsamt ausgewertet, dies sei noch nicht abgeschlossen, zitiert Stadtchef Ralf Schreiber eine Mitarbeiterin der Behörde. Im Zuge der Auswertung solle vor allem der vorbeugende Brandschutz am Standort hinterfragt werden, heißt es demnach in einer Mail des Landratsamts an den OB. Dies liege insbesondere darin begründet, dass Lithiumbatterien, die das Feuer vermutlich verursacht haben, ein größer werdendes Problem für Abfallbehandlungsanlagen darstellten. "Ob und welche Maßnahmen letztendlich zu ergreifen sein werden, soll nach dem Vorliegen der Auswertung gemeinsam mit der Stadt Mittweida erörtert werden", schreibt die Landratsamtsmitarbeiterin. Die Behörde sei "gerne bereit, soweit eine hinreichende Beurteilung vorliegt, Maßnahmen zu erörtern und auch die gegebenenfalls rechtlich notwendigen Schritte und Folgen zu erwägen".

Messwerte: Die erste Messung der Luftschadstoffe wurde laut Thomas Schmidt in der Nacht von Samstag, als das Feuer ausbrach, auf Sonntag gegen 0.30 Uhr von der Feuerwehr durchgeführt. Im Inneren der betroffenen Lagerhalle seien demnach Chlorwasserstoff und Kohlenmonoxid festgestellt worden. Beide Gase sind für Menschen gefährlich: Chlorwasserstoff kann, wenn er eingeatmet wird, zu Verätzungen führen, Kohlenmonoxid den Sauerstofftransport im Körper behindern. "Basierend auf diesen Messergebnissen wurden in der Umgebung der Halle (Rauchwolke) ebenfalls Messungen auf Chlorwasserstoff und Kohlenmonoxid durchgeführt. Diese waren negativ", heißt es in der Antwort des Ministers auf die Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten. Um die Halle herum seien kontinuierlich weitere Messungen durchgeführt worden, die ebenfalls negativ waren. Am Sonntag habe die Feuerwehr gegen 3 Uhr morgens Messungen in Lauenhain und Erlau durchgeführt, bei der keine Luftschadstoffe festgestellt worden seien.

Löschwasser: Nicht nur in der Luft, auch im Wasser wurde die Schadstoffkonzentration gemessen. Der zuständige Wasserzweckverband ZWA Hainichen habe dabei laut Schmidt sehr geringe Mengen Adsorbierbarer organisch gebundener Halogene (AOX, ein Summenparameter für organische Verbindungen von Chlor, Brom und Jod) und Aluminium festgestellt. Chlorverbindungen seien nicht festgestellt worden. "Nach Einschätzung des ZWA hatte das Löschwasser keinen signifikanten Einfluss auf die Zusammensetzung des Kläranlagenzu- und -ablaufs", so Schmidt. Noch nicht ausgewertet seien zusätzlich entnommene Klärschlammproben.

Gerüche: Neben dem Brand beschäftigt viele Lauenhainer in Bezug auf Pyral auch ein weiteres Thema, zu dem OB Ralf Schreiber im Stadtrat den neuesten Stand vortrug. Anwohner fühlen sich von üblen Gerüchen belästigt, vermuten die Recyclingfirma als Verursacher. Bereits vor Monaten wurden deswegen Untersuchungen durchgeführt. Der Bericht des beauftragten Unternehmens werde derzeit abschließend bearbeitet, zitierte Schreiber das Landratsamt. Im nächsten Schritt werde die Auswertung dann dem Landesumweltamt übergeben.

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