Reformpläne für Kirchenbezirk stoßen auf Widerstand

Die Landeskirche schlägt vor, den seit gut sechs Jahren bestehenden Verbund aufzuteilen. Das ruft Unmut hervor.

Mittweida/Altmittweida.

Sind die Tage des Kirchenbezirks Glauchau-Rochlitz gezählt? Geht es nach einem Vorschlag der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, könnte der 2012 gegründete Kirchenbezirk in absehbarer Zeit wieder aufgelöst werden.

Die Kirchenleitung hat beschlossen, das Amt des Superintendenten Johannes Jenichen nicht wieder zu besetzen, wenn der 65-Jährige Ende November in den Ruhestand geht. Sie schlägt vor, den Kirchenbezirk zur Disposition zu stellen. Die Gemeinden des früheren Kirchenbezirks Rochlitz - darunter Königshain-Wiederau, Rochlitz, Seelitz, Mittweida, Erlau und Claußnitz - sollen dem Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz zugeordnet werden. Die Gemeinden des einstigen Kirchenbezirks Glauchau kämen zum Kirchenbezirk Zwickau, Burgstädt, Penig und Wolkenburg-Kaufungen zum Kirchenbezirk Chemnitz.

Laut Landeskirchenamt sollen in einem Kirchenbezirk so weit wie möglich Gebiete zusammengehören, die als Landschaften, Straßenverläufe, gewohnte Wege, Schulstandorte und Arbeitsmöglichkeiten für die Menschen verbunden sind. Die Landessynode entscheide, ob die Zahl der 18 Bezirke in Sachsen verringert wird. Bis Ende September können betroffene Kirchenbezirke und Kirchgemeinden sich zu den Plänen äußern.

Im November hatte der Kirchenbezirk klar Position bezogen: "Wir haben in der Bezirkssynode mit großer Mehrheit beschlossen, dass wir als Kirchenbezirk zusammenbleiben wollen", so der Superintendent. Bei 52 Anwesenden habe es 6 Gegenstimmen gegeben. Zuvor hatten Wolkenburg-Kaufungen, Burgstädt und Penig geäußert, sich in Richtung Limbach-Oberfrohna und Chemnitz zu orientieren. Der Wegfall von Burgstädt wäre ein Aderlass, da sei man zusammengewachsen, so Jenichen. Zum Kirchenbezirk gehören 38.000 Gemeindeglieder. Die angedachte Gliederung istin seinen Augen nur bedingt passend. Aus Glauchau gingen viele im Raum Zwickau arbeiten. Zum Beispiel sei aber Tautenhain bei Frohburg klar nach Rochlitz ausgerichtet.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ein Kirchenbezirk so schnell zu den Akten gelegt wird", sagt Arndt Sander, Pfarrer in Altmittweida und Ottendorf, der auch die Vakanz in Mittweida vertritt. Gert Flessing, lange Lunzenauer Pfarrer und im Ruhestand, meint: "Wir waren gerade auf dem Weg, zusammenzuwachsen." Der Beschluss der Bezirkssynode sei von der Landeskirche konterkariert worden. "Das ist undemokratisch."

"Uns sind eine lebendige Gemeindearbeit vor Ort und eine sinnvolle regionale Zusammenarbeit wichtig. Untergeordnet ist die Frage, zu welchem Kirchenbezirk wir gehören", so Sandro Göpfert, Pfarrer in Burgstädt, das an der Grenze zum Kirchenbezirk Chemnitz liegt. Im Bereich Glauchau-Rochlitz habe es Gespräche mit Taura, Claußnitz, Penig gegeben, aber auch Richtung Mühlau und Hartmannsdorf. Burgstädt und Mühlau befänden sich in einer Verwaltungsgemeinschaft.


Mehrere Pfarrstellen vakant

Laut Landeskirchenamt sollen in den Kirchenbezirken Glauchau-Rochlitz, Freiberg, Marienberg, Leipziger Land, Chemnitz und Leisnig-Oschatz, zu denen die Kirchgemeinden im Landkreis Mittelsachsen gehören, derzeit (Stand: 6. August) zehn vakante Pfarrstellen wiederbesetzt werden. Die Stellen wurden oder werden ausgeschrieben. Bei sechs weiteren Stellen sei in der nächsten Zeit damit zu rechnen, dass die Vakanz beendet wird beziehungsweise die Kirchenvorstände entscheiden. Genauere Angaben machte das Amt nicht.

Im Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz sind unter anderem Langenleuba-Oberhain, Lunzenau, Seelitz, Mittweida und Penig nicht besetzt. (fmu)

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