Rossau: Verkehrslärm beschäftigt Gemeinderat

Nur wenige Einwohner sind durch die Nähe zur Autobahn betroffen. Deshalb sieht man im Rathaus wenig Handlungsbedarf.

Rossau.

Bisher hat Rossau einen Lärmaktionsplan zum Schutz der Anwohner vor Krach in der Kommune nicht für nötig gehalten. In der heutigen Gemeinderatssitzung steht das Thema allerdings zur Debatte. Im Zuge der alle fünf Jahre notwendigen Fortschreibung der Lärmaktionsplanung muss das Gremium die Belastung im Ort neu bewerten und das Ergebnis an das Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie übermitteln.

Maßgebliches Kriterium werden laut Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) die aus der aktuellen Lärmkartierung hervorgehenden Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm sein, denen Einwohner in ihren Wohnungen nahe der Autobahn 4 ausgesetzt sind. Die Räte müssen abwägen, ob zum Schutz der Anwohner ein Aktionsplan und ein Maßnahmenkatalog zur Reduzierung des Lärms erarbeitet werden sollen. Davon gehe er jedoch nicht aus, so Gottwald.

Denn die Lärmsituation habe sich seit der Entscheidung des Rates vor fünf Jahren gegen einen solchen Plan nicht maßgeblich geändert. Nach einer EU-Richtlinie ist Rossau zwar wie jede Gemeinde, die im Ergebnis der Lärmkartierung betroffene Einwohner ermittelt, grundsätzlich zur Lärmaktionsplanung verpflichtet. Welchen Aufwand sie betreiben will, um die aus kommunaler Sicht besonders prekären Stellen aufzulisten und bestenfalls Lösungen vorzuschlagen, werde jedoch in der Gemeinde entschieden und hänge von der Situation vor Ort ab, erklärte Gottwald. Dabei gehe es um Belastungsschwerpunkte ebenso wie um die Umsetzbarkeit, Kosten und Entlastungspotenzial von Maßnahmen, die die Kommune vorschlagen könnte.

Der Handlungsspielraum für Gemeinden, deren Hauptlärmquelle eine Autobahn ist, ist generell gering. In Rossau komme hinzu, dass nur etwa 15 bis 20 Personen im Bereich der Trasse wohnen. Für etwas Lärmschutz sorgten zudem Bäume zwischen Autobahn und Wohnbebauung. "Die Belastungen sind nicht extrem und betreffen nur etwa 0,4 Prozent der Einwohner. Dafür einen Lärmaktionsplan aufzustellen, ist nicht gerechtfertigt", so der Ortschef. Denn die Kosten dafür müsste die Kommune selbst tragen. Sie müsste entweder eigenes Personal mit der Aufgabe betrauen oder ein Planungsbüro beauftragen. Bürger haben heute Abend nach der Entscheidung der Räte Rederecht. Sie können ihre Anliegen vorbringen.

Die Gemeinderatssitzung findet am heutigen Montag im Ortsteil Seifersbach in der Gaststätte "Elkes Futterhäuschen", Mittweidaer Straße 16, statt. Beginn ist 19 Uhr.


Laute Straßen sind auch in Altmittweida ein Thema

Anwohner sehen Handlungsbedarf: Im Abschnitt der Staatsstraße 200 zwischen der Neusorger Straße und der Ortsgrenze zu Ottendorf in Altmittweida ist der Verkehrslärm für Anwohner unbestritten eine Belastung. Der Geräuschpegel kann laut Fachleuten für die Menschen in einzelnen Wohnungen auf Dauer eine Belästigung darstellen und negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Zwei Anwohner wollten deshalb nicht hinnehmen, dass die Gemeinde zwar den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionsplan erstellt, jedoch keine Maßnahmen zur ihrem Schutz vorschlägt. Sie haben gegen den Planentwurf in der Auslegungsfrist Einwände vorgebracht.

Räte gegen Maßnahmenplan: Trotzdem sprachen sich die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich für den Verzicht auf einen Maßnahmeplan aus. Bei der Debatte zum Entwurf einen Monat zuvor hatten mehrere Gemeinderäte dagegen protestiert. Sowohl an der S 200 wie auch an der Neusorger Straße solle etwas gegen den Krach getan werden, forderten sie. Die Anwohner sprachen sich laut Bürgermeister Jens-Uwe Miether (parteilos) in ihren Einwänden für den Einbau von Flüsterasphalt auf der S 200 aus. Dieser soll dafür sorgen, dass die Fahrgeräusche reduziert werden.

Bauamtsleiter rät ab: Vor ihrer Entscheidung diskutierten die Räte mit dem Mittweidaer Bauamtsleiter Sebastian Killisch. Er riet von einem Maßnahmenplan ab, denn die Gemeinde könne Vorschläge nur umsetzen, wenn es um Ortsstraßen geht. Dazu sei das Papier aber nicht zwingend nötig. Für die S 200 brauche der Ort keinen Maßnahmeplan, weil er nicht Straßenbaulastträger ist, also keine Verantwortung für den Bau, die Unterhaltung und den Betrieb hat. Auf die Frage von Gemeinderätin Sabine Lauterbach (Die Linke), ob der Plan ein Anrecht der Altmittweidaer auf Veränderungen begründet, antwortete Killisch mit "Nein". Aus seiner Sicht genügt es deshalb, wenn die Bauverwaltung Vorschläge wie die Verwendung von Flüsterasphalt an das zuständige Amt weiterleitet. In diesem Belag gibt es kleinste Hohlräume, die Rollgeräusche der Reifen auf der Straßenoberfläche zum Teil schlucken. Allerdings gilt er im Vergleich zu herkömmlichem Asphalt als weniger haltbar. Bei künftigen Baumaßnahmen entscheide das zuständige Straßenbauamt, ob dieses Material verwendet wird. (tür)

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