Rossauer hoffen auf neuen Mindestabstand für Windräder

In der Gemeinde sollen weitere Windkraftanlagen gebaut werden, fordern Regionalplaner. Bürgermeister Dietmar Gottwald ist dagegen. Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wecken bei ihm nun Zuversicht.

Rossau.

Mit den bereits bestehenden Windkraftanlagen sollte im Rossauer Gemeindegebiet das Limit erreicht sein - diese Auffassung überwiegt nach Ansicht der Gemeinderäte in der Kommune. Mit Erleichterung reagierte das Gremium deshalb in seiner jüngsten Sitzung auf die Mitteilung von Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos), dass eine Änderung des Mindestabstands zwischen Windrädern und Wohnhäusern in Aussicht steht. Bislang würden 750 Meter als Basis gelten. Für die Zukunft gehe es jetzt um 250 Meter mehr, sagte er.

"Wenn der 1000-Meter-Mindestabstand kommt, geht bei uns wahrscheinlich nichts mehr", so Gottwald. Er verwies dabei auf Vorstellungen sowohl von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) als auch der Landesregierung in Dresden, nach denen ein Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnbebauung gesetzlich festgeschrieben werden könnte. So sollen in Sachsen zwar bis 2030 zusätzlich zehn Terawattstunden Strom pro Jahr aus erneuerbaren Energien kommen. Das wäre mehr als eine Verdopplung. Gleichzeitig gehe es aktuell aber beim Ausbau der Windkraft um einen größeren als den bisher geforderten Abstand der Windräder zu Wohnhäusern, erläuterte der Bürgermeister.

Das könnte aus Sicht der Gemeinderäte im Kampf gegen neue Anlagen den Rücken stärken. Rossau hat laut Gottwald zusammen mit den Nachbarorten einer Vorstellung von Regionalplanern widersprochen, die ein neues Windkraftgebiet auf Flurstücken zwischen Rossau, Frankenberg und Lichtenau möglich machen wollen. Es gehe an dieser Stelle um 18 neue Windräder, erläuterte er. Davon würden zwar nur zwei tatsächlich auf Rossauer Grund stehen. Die Einwohner des Ortes seien jedoch überwiegend gegen das Projekt. Denn im Ortsteil Hermsdorf drehten sich bereits 14 Windräder. Die Vorstellung, dass ein weiterer, noch größerer Windpark errichtet wird, werde von vielen als unangemessen empfunden, hieß es im Gemeinderat.

"In meiner Brust schlagen in diesem Fall zwei Herzen. Wir wollen Strom, der am besten aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Doch ich empfinde ebenso wie viele andere Menschen unsere Region als zu dicht bebaut und bewohnt, um sie noch mehr zu verspargeln", sagte Gottwald. Überdies gehöre Rossau keinesfalls zu den Orten, die bisher zu wenig ihres Territoriums für die Erzeugung erneuerbarer Energien bereitgestellt haben. Denn Strom werde im Ort außer durch Windkraft auch von zwei großen Fotovoltaikanlagen produziert, betonte der Bürgermeister.

Die neue Entwicklung könnte seiner Ansicht nach helfen, dass Rossau nicht hinnehmen muss, was der zuständige Planungsverband bis zum vorigen Jahr ins Windenergiekonzept geschrieben hat. Die Basis dafür war der Mindestabstand von 750 Metern. Zudem gab es Einwendungen, die abgewogen werden mussten. "Wie das Konzept derzeit aussieht, habe ich noch nicht gesehen", sagte Gottwald. "Wir müssen wachsam bleiben", ergänzte er. Denn entschieden sei bislang nichts. Für die 1000-Meter-Abstandsregel existiere noch keine rechtliche Grundlage.

Es sei auch bekannt, dass Sachsens neuer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther (Grüne), davon ausgehe, dass 200 bis 250 neue Windkraftanlagen im Freistaat gebraucht werden. Bisher sind es nach seinen Angaben 900.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.