Roter Milan und Mäusebussard brüten

Eine Firma plant seit Jahren neue Windräder im Gewerbegebiet Großschirma. Jetzt liegt der Stadt ein Gutachten vor.

Großschirma.

Gegenwind für Windprojekt: Im Juni 2016 lehnte der Stadtrat die vier geplanten neuen Windräder am Steinberg ab, zwei Jahre später bekräftigte der Technische Ausschuss das Votum. Zudem nahmen über 750 Einwohner an einer Unterschriftensammlung gegen die Windräder teil. Jetzt bestätigt ein Gutachten des Dresdner Unternehmens Probios Brutstätten des Roten Milans in unmittelbarer Nähe des Gewerbegebiets. Die ortsansässige Firma EAB will im Gewerbegebiet vier Anlagen errichten: zwei 198,5 Meter hohe mit einer Leistung von je 4200 Kilowatt (kW) und zwei 207 Meter hohe Windräder, Leistung je 3000 kW. Zeitweise setzte die Landesdirektion das Genehmigungsverfahren aus, da der neue Regionalplan für die Region Chemnitz noch nicht fertig ist, der Windgebiete und Abstände zur Bebauung festlegen soll. Laut Jens Uhlig vom Planungsverband Chemnitz beschloss die Verbandsversammlung Ende 2019, den Plan ohne Festlegungen zur Windenergienutzung fertigzustellen. Ein neues Regionales Windenergiekonzept könne erst erarbeitet werden, wenn Klarheit über die beabsichtigten neuen gesetzlichen Regelungen, auch für den Mindestabstand von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung, herrsche. Nun ist das Landratsamt für die Genehmigung zuständig. "Das Verfahren für die Neuerrichtung für die vier Windenergieanlagen läuft", bestätigte ein Kreissprecher. Das gleiche gelte für drei neue Anlagen in Dorfchemnitz und zwei Standorte in Claußnitz bei Burgstädt, wo eine Anlage neuerrichtet und eine vorhandene gegen eine leistungsfähigere ausgetauscht werden soll. Auch für Leisnig-Sitten sei das Repowering einer Anlage beantragt. Doch ruhe das Verfahren für ein Rad in Mulda.

Zurück nach Großschirma: In der jüngsten Stadtratssitzung erläuterte Bauamtsleiter Frank Jänich den "Faunistischen Sachbeitrag zum Flächennutzungsplan der Stadt Großschirma" in Sachen Windenergie, also das Vogel-Gutachten. Demnach erfolgten von September 2018 bis November 2019 an 45 Tagen Untersuchungen. Festgestellt wurde, dass zwei Rotmilan-Paare ihr Brutrevier in einem 1,5-Kilometer-Radius vom geplanten Standort der Windräder haben. Vier weitere Milanpaare wurden in einem 3-Kilometer-Radius gesichtet. Zudem brütete ein Bussard-Paar innerhalb eines Umkreises von 500 Metern und neun weitere Mäusebussard-Paare innerhalb von 3 Kilometern. Im Schnitt wurden 1040 Zugvögel pro Stunde gezählt. Jänich zitierte ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 28. Oktober 2009, wonach mehr als 641 Zugvögel pro Stunde einen überdurchschnittlich starken Vogelzug bedeuten und bei Wind-Projekten berücksichtigt werden müssen. Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP): "Damit dürfte sich das Thema Windenergie erledigt haben." Das Gutachten hat 25.000 Euro gekostet, sagte Kämmerin Birgit Starke auf Anfrage von AfD-Fraktionschef Rolf Weigand.


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