Scheidender Bürgerpolizist wünscht sich mehr Offenheit

Mittweidas langjähriger Bürgerpolizist Bernd Geißler verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger war zuletzt in Chemnitz tätig. Doch seinen neuen Einsatzort kennt er bereits gut.

Mittweida.

Insgesamt 42 Jahre stand Bernd Geißler im Dienste der Polizei, zuletzt zwölf Jahre lang als Bürgerpolizist in Mittweida. Am Mittwoch hatte der Polizeihauptkommissar, der dieses Wochenende 61 Jahre alt wird, seinen letzten Tag im Revier. Einige Urlaubstage sind noch zu nehmen, bevor er sich zum 1. Februar schließlich in den Ruhestand verabschiedet.

Seinen Posten übernimmt Steffen Wolf, Polizeioberkommissar und zuletzt in der Pressestelle der Polizeidirektion in Chemnitz tätig. Für den 39-Jährigen ist es eine Rückkehr auf bekanntes Terrain. Von 2007 bis 2010 war er schon einmal in Mittweida eingesetzt. Seit Anfang Oktober ist Wolf zurück, um sich in seine neuen Aufgaben einzuarbeiten. Das bedeutet vor allem: Ein offenes Ohr haben für die Anliegen der Bürger, der Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter und der Gewerbetreibenden. Und das nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Gemeinden Altmittweida, Kriebstein und Rossau. Zudem obliegt Wolf von nun an die Anleitung von etwa zehn weiteren Bürgerpolizisten - auch in Frankenberg, Hainichen und Flöha.

Im Revier selbst habe sich seit seinem Weggang nur wenig verändert, sagt Wolf. "Den Großteil der Kollegen kannte ich noch von früher." Anders sieht es in den Kommunen aus. Die Einarbeitung beinhaltete auch das persönliche Kennenlernen von Bürgermeistern und anderen Ansprechpartnern. "Personell hat sich da während meiner Abwesenheit einiges getan", so der neue Bürgerpolizist. Diese ersten Gespräche hätten gezeigt, dass er in große Fußstapfen trete. "Überall wurde bedauert, dass Herr Geißler in Pension geht. Er hat hier in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet", so Wolf.

Seiner Einschätzung nach gibt es in Mittweida derzeit keine größeren Problemfelder oder Kriminalitätsschwerpunkte. "Allerdings", sagt sein Vorgänger Bernd Geißler, "könnte die Mitarbeit der Bürger ein bisschen besser sein." Nach seiner Erfahrung würden potenzielle Zeugen aus Angst vor Konsequenzen manchmal Informationen verschweigen. "Ich verstehe das sogar", so der scheidende Polizeihauptkommissar. "Sie haben Sorgen, dass ihnen etwas zustößt, wenn sie sich äußern. Aber eine größere Offenheit würde unsere Arbeit immens erleichtern." Laut Steffen Wolf besteht diese Problematik längst nicht nur in Mittweida: "Die fehlende Zeugenbereitschaft ist in der Bevölkerung insgesamt ein Problem."

Davon abgesehen sei das Verhältnis der Mittweidaer Bürger zur Polizei allerdings ein gutes, meint Geißler. "Wenn ich durch die Stadt gelaufen bin, wurde ich häufig angesprochen." Dabei müsse die Polizei immer wieder auch Beschwerden entgegennehmen, die eigentlich nicht in ihren Aufgabenbereich fallen. "Aber Teil des Berufs ist es, so etwas dann denjenigen weiterzuvermitteln, die tatsächlich zuständig sind."

Die Zusammenarbeit mit den Behörden werde er in besonders guter Erinnerung behalten. "Egal wo ich hingekommen bin, ich wurde immer freundlich und offen empfangen", sagt Geißler. "Wir haben uns zusammengesetzt, die Probleme auf den Tisch gelegt und eigentlich immer eine Lösung gefunden."

Er scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Dienst, so der 60-Jährige. Einerseits freue er sich darauf, mehr Zeit mit seinen vier Enkelkindern zu verbringen. Andererseits sei er gern Polizist gewesen. "Ich würde diesen Beruf immer wieder ergreifen", sagt er. "Aber es ist auch nicht verkehrt, wenn nun Jüngere nachrücken."

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