Schlichter zwischen Tür und Gartenzaun

Ob Streit zwischen Nachbarn oder Beleidigungen - Friedensrichter Uwe Fiedler bringt Zankhähne wieder zusammen. Nach fünf Jahren im Ehrenamt stellt er sich erneut der Herausforderung.

Rossau.

Uwe Fiedler ist für weitere fünf Jahre zum Friedensrichter für die Gemeinde Rossau gewählt worden. Der 57-Jährige hatte sich zum zweiten Mal für die ehrenamtliche Tätigkeit beworben und wurde vom Gemeinderat in der jüngsten Sitzung einstimmig bestätigt. "Wir haben das Gefühl, das Amt in gute Hände zu geben", sagte Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos).

In seiner ersten Amtsperiode ab 2015 habe Fiedler, der erst kurz zuvor eine Wohnung im Ort gekauft hatte und in den Ortsteil Schönborn-Dreiwerden gezogen war, unvoreingenommen Streitfälle geschlichtet, so der Ortschef. Nach seiner Bestätigung und Vereidigung durch das Amtsgericht, die laut Fiedler voraussichtlich im Juli erfolgen soll, wird er künftig die Konfliktfälle der Rossauer ohne seine bisherige Stellvertreterin Petra Hoyer lösen. Sie habe sich für keine weitere Amtszeit beworben, sagte Gottwald. Die Anzahl der Schlichtungen sei zudem gemessen an den Streitfällen in anderen Orten im Umkreis gering. "Die Rossauer sind offensichtlich kein zänkisches Volk", sagte der Ortschef.

Meist gehe es um Konflikte, die durch ein Gespräch und Hinweise ohne weiteres Verfahren beigelegt werden können, bestätigte Fiedler. Neben diesen sogenannten Tür- und Angelfällen habe er in seiner vorigen Amtsperiode lediglich drei Anträge auf Schlichtungsverfahren erhalten. Bei diesen Schlichtungsverfahren lädt der Friedensrichter die streitenden Parteien ein, damit sie einen Kompromiss finden. Ein Verfahren sei zurückgenommen worden, in den anderen beiden Fällen sei es zu Einigungen gekommen. "Wenn sie sich nach der Schlichtung wieder verstehen, ist beiden Streithähnen geholfen", so Fiedler.

Oft gehe es in der Praxis um das Nachbarschaftsrecht, erläuterte Gottwald. Der Friedensrichter würde darüber hinaus bei Privatklagedelikten wie Beleidigung, Hausfriedensbruch, leichter Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Verletzung des Briefgeheimnisses einbezogen, bevor die Angelegenheit beim Gericht landen könnte. Aber auch um Nachbarschaftsstreit oder die Durchsetzung von vermögensrechtlichen Ansprüchen wie Schadensersatz oder Schmerzensgeld kümmere sich der Friedensrichter.

Seit der Coronakrise gebe es mehr Gespräche über den Gartenzaun, berichtet Fiedler. Das helfe, Streit zu vermeiden. Wenn mit statt über den Nachbarn geredet werde, entstehe weniger Zwist. Überdies merkten die Leute gerade während der Pandemie, wie sehr einer auf den anderen angewiesen ist, so Fiedler.

Fiedler ist gern Friedensrichter. Er habe sich von Anfang an um das verantwortungsvolle Ehrenamt beworben, weil er sich in das Dorfleben am neuen Wohnort einbringen wollte. "Man darf für diese Aufgabe nicht verklemmt sein, muss auf andere Menschen zugehen können", sagte er. In seinem Berufsleben sei er zuletzt als Gruppenleiter im Bereich Logistik und Lagerwirtschaft in einem Energiewirtschaftsbetrieb für zehn bis zwölf Mitarbeiter zuständig gewesen. Zuvor sei er viele Jahre zur See gefahren, weil das sein ursprünglicher Berufswunsch war, berichtete Fiedler.

Für ihn seien der Zusammenhalt und die Pflege von Kontakten wichtig. Als Vorruheständler habe er deshalb die Verbindungen zu seiner in Bayern lebenden Tochter, zu seinen Geschwistern, die im In- und Ausland wohnen, sowie zu den ehemaligen Kollegen aufrecht erhalten. Mit Nebenjob und Ehrenamt sei seine Zeit ausgefüllt. Außerdem betreibe er etwas Fitnesssport und unternehme gern Spaziergänge in der Natur.

Für das Amt des Friedensrichters absolviert er zudem Weiterbildungen. Juristische Kenntnisse seien dafür jedoch wie auch für sein früheres Ehrenamt als Schöffe am Jugendgericht in Chemnitz nicht nötig. "Ich berate niemanden in einer Rechtsfrage, sondern versuche trotz Streit, die Probleme vernünftig zu lösen", sagte Fiedler. Deshalb gebe es auch keine Sprechzeiten der Schiedsstelle, auf die Ratsuchende oder Antragsteller warten müssen. Petra Hoyer bleibe Ansprechpartnerin in der Gemeindeverwaltung, an die sich jeder wenden könne. Sie informiere ihn und er kümmere sich kurzfristig, so Fiedler.

Auskunft über Verfahrensabläufe und die Erreichbarkeit des Friedensrichters gibt Rathausmitarbeiterin Petra Hoyer. Sie ist telefonisch unter 03727 984156 oder 03727 984150 und per E-Mail: meldestelle@gemeinde-rossau.de erreichbar.

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