Schließungs-Empfehlung kommt in Kliniken nicht gut an

Mehr als jedes zweite Krankenhaus soll laut einer Studie wegfallen. Einrichtungen in Mittelsachsen und Chemnitz sehen sich nicht gefährdet.

Mittweida.

Eine Verringerung der Anzahl der Kliniken würde zu einer besseren medizinischen Versorgung führen. Das ist das Fazit einer Studie, die von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde und heftige Diskussionen ausgelöst hat. Demnach würde eine Reduzierung von derzeit fast 1400 auf weniger als 600Krankenhäuser in Deutschland bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern und hätte Vorteile für die Spezialisierung der Kliniken und deren Ausstattung. "Freie Presse" hat Verantwortliche von Krankenhäusern in Mittelsachsen und Chemnitz gefragt, wie sie die Empfehlung bewerten.

Landkreis Mittweida Krankenhausgesellschaft (LMK): "Wir haben die Aussagen der Studie kritisch zur Kenntnis genommen", sagt LMK-Geschäftsführer Florian Claus. Mit der Schließung der Standorte Frankenberg und Rochlitz sei die LMK bereits strukturell verändert worden. Dies habe in der Tat zur Stärkung des Standorts Mittweida beigetragen, wo die Kräfte gebündelt wurden.Jedoch sei in der Studie die Rolle der ländlichen Krankenhäuser als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor außer Acht gelassen worden. Auch ihre Relevanz bei der Notfall- und der ambulanten Patientenversorgung, die mittlerweile vielerorts den Mangel an niedergelassenen Ärzten abfängt, würde nicht berücksichtigt, kritisiert der Krankenhaus-Chef. In Mittweida hat die LMK über 210 Betten, pro Jahr werden rund 25.000 Patienten behandelt. "Wir arbeiten dabei eng mit den großen Kliniken der Region zusammen. Dabei sehen wir die Angebote von kleinen und großen Kliniken als sinnvolle Ergänzung zueinander an", erklärt Claus.


Kreiskrankenhaus Freiberg: "Die Bertelsmann-Studie bezieht sich methodisch auf die Region Köln-Leverkusen", sagt Stefan Todtwalusch, Geschäftsführer der Vereinigten Gesundheitseinrichtungen (VGE) Mittelsachsen, zu denen das Kreiskrankenhaus Freiberg mit 350 Betten gehört. "Die Ergebnisse wurden dann bundesweit hochgerechnet." Dieses Vorgehen berücksichtige ostdeutsche Besonderheiten nicht, kritisiert er. "Wir haben in Sachsen seit der Wende schlanke, leistungsstarke und zukunftsfähige Krankenhausstrukturen aufgebaut. Von ursprünglich 125 Krankenhäusern existieren heute noch 78." Nähme man die Empfehlungen beim Wort, wären in Sachsen laut Todtwalusch von heute 78 Krankenhäusern nur noch gut 30 notwendig. "Rechnet man dies auf Fallzahlen um, müssten dort zusätzlich rund 600.000 und mehr stationäre Fälle behandelt werden." Um die verbliebenen Häuser dafür zu rüsten, seien erhebliche Investitionen nötig. "Hier stellt sich die Frage nach der Finanzierung", so der VGE-Chef.

Diakoniekrankenhaus Hartmannsdorf: Auch in dem Tochterunternehmen der Stadtmission Chemnitz mit etwa 200 Betten wird die Studie kritisch gesehen. Viele Mitarbeiter und Patienten fühlten sich in kleinen Krankenhäusern wohler als in großen, sagt Karla McCabe, Geschäftsführerin der Stadtmission. Für schwierige Eingriffe würden Patienten ohnehin an Spezialkliniken überwiesen, so der Kaufmännische Geschäftsführer des Krankenhauses, Marc Sterzel. Jede Klinik benötige nur Medizintechnik für häufig durchgeführte Eingriffe, heißt es aus Hartmannsdorf.

Klinikum Chemnitz: Für das Klinikum, das mit 1765 Betten zu den größten kommunalen Krankenhäusern Deutschlands gehört, steht eine Schließung ohnehin nicht zur Debatte. Dennoch begrüße die Geschäftsleitung die Intensivierung der Strukturdiskussion zum Gesundheitswesen. "Das Voranschreiten des Fachkräftemangels und die stetige medizinische Spezialisierung erfordern strukturelle Maßnahmen", findet Geschäftsführer Dirk Balster. Bundes- und Landespolitik müssten für Konzepte zur stationären Versorgung und eindeutige Verantwortlichkeiten sorgen.

Zeisigwaldkliniken Bethanien: "Eine Reduzierung der Krankenhäuser halten wir für nicht sinnvoll", sagt Michael Veihelmann, der Theologische Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken mit 300 Betten. Der Erhalt aller Krankenhäuser in Chemnitz und Umgebung sei wegen deren Anzahl und Spezialisierung "absolut notwendig". Dafür sprächen im Bethanien anhaltend hohe Belegungszahlen sowie die Spezialisierung in der Orthopädie, Urologie und Rheumatologie, in denen das Krankenhaus auch überregional viele Patienten versorge.

Klinikum Döbeln: Auch das Klinikum Döbeln sieht sich gut aufgestellt. "Wir haben ein breites Behandlungsspektrum. Dabei können wir viele Leistungen in sehr guter Qualität anbieten, die oft nur an größeren Kliniken zu finden sind", sagt Verwaltungsleiter Martin Preißer. Als Beispiele nennt er das Endoprothetikzentrum, die Gefäß- und die Bauchraum-Chirurgie. "Mit der Erhöhung unserer Bettenzahl von 195 auf 210 hat im letzten Jahr das Land Sachsen verdeutlicht, wie wichtig unser Standort in der sächsischen Krankenhauslandschaft ist."

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