Schlittschuhlaufen in Frankenberg ist vorerst Geschichte

Zu hohe Kosten, zu wenig Resonanz, schlechte Laufqualität: Der Ausschuss des Eigenbetriebes "Bildung, Kultur, Sport" hat die Alternative Kunststoffeisbahn verworfen.

Frankenberg.

Die Kunststoffeisbahn ist durchgefallen. Der Ausschuss des Frankenberger Eigenbetriebes "Bildung, Kultur und Sport" hat sich gestern in seiner Sitzung gegen einen weiteren Einsatz dieser Alternative ausgesprochen. Sowohl aus betriebswirtschaftlicher Sicht, als auch aufgrund des geringeren Zuspruchs und der eingegangenen Rückinformation "ist eine Fortführung der Eisbahn, auch als Kunststoffeisbahn, auszuschließen", hieß es zur Begründung.

"Ich bin überrascht, dass die Kosten für die Kunststoffeisbahn ähnlich hoch sind wie für die normale", erklärte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). Die Stadt hatte 2016 Ausgaben von etwa 25.000 Euro, dieses Jahr waren es knapp 22.000 Euro. Zwar fallen bei der Kunststoffeisbahn tatsächlich viel geringere Energiekosten an, dafür verschlang allein das Mieten der Kunststoffplatten 9600 Euro. Hinzu kommen laut Bürgermeister Bauhofarbeiten im Wert von 7680 Euro für die Vorbereitung des Marktes vor dem Aufbau.


Doch auch die Frankenberger selbst haben die Kunststoff-Alternative nicht so angenommen wie erhofft. Lediglich 1533 Kinder und 149 Erwachsene kamen dieses Jahr zum Laufvergnügen, im vergangenen Jahr waren es 2410 Kinder und 581 Erwachsene. Allerdings hatte die Stadt auch Pech mit dem Wetter. Etwa die Hälfte der Februarferien, in denen die Kunststoffeisbahn getestet wurde, war es kalt, windig und regnerisch.

Neben dem Wetter fiel die Rückinformation zum Fahren auf den Kunststoffplatten sehr wechselhaft aus. Die Gäste konnten ihre Meinung in einem Eisbahnbriefkasten schriftlich hinterlegen. So gab es positive Äußerungen wie "Ich finde, es ist cool" und "Hat viel Spaß gemacht", aber auch negative Aussagen wie "Mit Eis nicht vergleichbar" oder "Kein gutes Fahren möglich".

"Ich hatte mich anfangs sehr für die Kunststoffeisbahn ausgesprochen und sie auch ausprobiert, war dann aber aufgrund der schlechteren Befahrbarkeit sehr ernüchtert", erklärt CDU-Stadtrat Oliver Gerstner. Auch die Kosten seien nicht in dem Maß wie erhofft gesunken, erklärte er.

Stadtrat Jörg Hommel (Die Linke) bedauerte, dass die Eisbahn abgeschafft werden soll. Frankenberg als Stadt der Bildung solle sich Gedanken machen, wie sie ihre Attraktivität verbessern könne. Hommel möchte am Konzept der Eisbahn festhalten. "Eventuell gibt es eine andere geeignete Fläche, die als Spritzeisbahn im Winter zur Verfügung stehen könnte", schlug er vor. Lutz Raschke von der Veranstaltungs- und Kultur-Gesellschaft der Stadt Frankenberg, die sich um die Ausführung der Eisbahn kümmert, erinnerte daran, dass es schon einmal angedacht war, eine Spritzeisbahn auf dem künftigen Landesgartenschau-Parkplatz am Baderberg einzurichten, gab aber zu bedenken, dass diese Fläche uneben sei.

Die Stadt will nun neue Ideen finden und auch prüfen. Auch das Gemeinschaftswerk wird gebeten, für die Kinder und Jugendlichen in den Winterferien Alternativangebote über den Jugendclub zu organisieren. Vorerst müssen die Frankenberger aber nach Chemnitz, Freiberg oder Oederan ausweichen, wenn sie Schlittschuhlaufen möchten.

Auf die Eisbahn in Oederan habe die Frankenberger Entscheidung keinen Einfluss, erklärte Marco Metzler, Vorsitzender des Oederaner Stadtmarketingvereins. Dieser betreibt seit 2006 die Eisbahn und teilte sich bis vergangenes Jahr das Nutzungsrecht mit Frankenberg. Eine Kunststoffeisbahn war für Metzler nie eine Alternative. "Wir haben schon vor Jahren recherchiert, welche Vor- und Nachteile diese hat. Die Motivation dazu war - analog der von Frankenberg - die Betriebskosten der Eisbahn zu senken", erklärt er. Der Verein habe sich in einigen Städten erkundigt, in denen eine solche Anlage genutzt wurde. "Alle lobten die vergleichsweise geringen Kosten, betonten allerdings zugleich, dass die Eislaufqualität deutlich unter derjenigen auf einer traditionellen Eisbahn läge und dies oft Unmut bei den Gästen bewirke", so Metzler. (mit tre)

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