Schüler-Preise: Damit die Chemie stimmt

Die Firma Saxonia Galvanik geht einen ungewöhnlichen Weg, um mittelsächsische Oberschüler für ihre Branche zu begeistern. Andere Firmen setzen hingegen auf die klassische Werbung.

Mittweida/Freiberg.

Die Firma Saxonia Galvanik mit Standorten in Hainichen, Freiberg, Halsbrücke und Nossen sucht händeringend nach Auszubildenden. Damit geht es ihr wie vielen anderen Firmen im Landkreis Mittelsachsen. Aber: "Wir sind ein großer Arbeitgeber und können nicht nur jammern", sagt Geschäftsführer Stefan Tilke. Deshalb hatte das Unternehmen bereits vor drei Jahren versucht, mit "Kopfgeld" in Höhe von 1000 Euro für jeden Mitarbeiter, der einen Lehrling vermittelt, und eigenen Laptops für die Auszubildenden den begehrten Nachwuchs zu gewinnen. Da das nichts gebracht hat, will der Spezialist für galvanische Kunststoffbeschichtung nun auf einem anderen Weg die jungen Leute für die Branche interessieren. "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, mittelsächsische Oberschulen dabei zu unterstützen, bei Schülern wieder verstärkt ein Interesse für das Fach Chemie zu wecken", erklärt Geschäftsführer Tilke.

Das Unternehmen arbeitet deshalb mit dem Förderverein Chemie-Olympiade zusammen und stellt Sonderpreise zur Verfügung. "Die Oberschulen, die in Mittelsachsen an der Chemie-Olympiade teilnehmen, erhalten Gutscheine für ihren Chemiekalienbedarf. Für die besten drei Oberschüler gibt es hochwertige Mikroskope. Zudem werden unter allen Teilnehmern noch Amazon-Gutscheine verlost", zählt der Geschäftsführer auf. Den genauen Wert dieser Preise kann er nicht beziffern. "Das hängt davon ab, wie viele Schulen teilnehmen, aber im vierstelligen Bereich wird er sich bewegen", sagt er.


Dennoch weiß auch Tilke, dass diese Aktion kein Garant für neue Auszubildende ist. "Unser erster Gedanke ist, das Interesse für Chemie zu wecken", sagt er. Denn der größte Teil der Produktion bei der Saxonia Galvanik GmbH basiere auf der Chemie. "Auszubildende sollten also zumindest Grundkenntnisse und Spaß daran mitbringen", sagt er. Zusätzlich biete das Unternehmen den Schulen an, den Betrieb zu besuchen, "um in den Kontakt mit den Jugendlichen zu kommen und zu zeigen, was wir hier für interessante Sachen machen", erklärt Tilke. Immerhin galvanisiert der Betrieb mit insgesamt 450 Beschäftigten Kunststoffteile für alle gängigen Automobilhersteller in Europa - von VW, Opel und Ford über Mercedes, Jaguar bis zu Rolls Royce, die dann an der Konsole, als Griffe oder Embleme glänzen.

Noch könne das Unternehmen die fehlenden Lehrlinge - im vergangenen Jahr hat einer begonnen, dieses Jahr gar keiner - kompen- sieren, indem Berufsfremde eingestellt und entsprechend qualifiziert werden. "Aber ein Auszubildender, der es von der Pike auf lernt, ist einfach besser. Und er hat gute Chancen, sich hier weiterzuentwickeln", hofft Tilke auf eine Verbesserung der Situation.


Firmen setzen bei Nachwuchs-Suche auf Schüler-Praktika und Ausbildungsmessen

Ein Lied über den Lehrlingsmangel kann auch der Apothekengroßhandel Noweda in Rossau singen, setzt aber eher auf die klassische Nachwuchswerbung. "Es ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden", sagt Betriebsleiter Robert Schnaubelt. In Rossau werden vor allem Fachlageristen und Fachkräfte für Lagerlogistik ausgebildet. "Das sind nicht unbedingt die attraktivsten Berufe", weiß der Chef. Dennoch absolvieren dort derzeit drei junge Leute eine Ausbildung. "Neben Mundpropaganda setzen wir vor allem auf Schüler-Praktika", so Schnaubelt. Und auch beim Tag des offenen Unternehmens und auf Job-Messen wirbt Noweda um Nachwuchs.

Dass junge Leute oft ein Problem mit der Attraktivität einer Branche haben, bestätigt auch Matthias Stein, Lehrausbilder bei der Mittweidaer Firma Jeld-Wen. Sie stellt Zargen für Standardtüren her. Von außergewöhnlichen Lockmitteln halte er nichts. "Wir arbeiten mit den Schulen, wie zum Beispiel der Fichte-Oberschule, zusammen", erklärt er. Viele Schüler würden die angebotenen Praktika nutzen, auch wenn nicht in jedem Fall ein Lehrvertrag die Folge ist. Auch auf Ausbildungsmessen sei Jeld-Wen präsent. Derzeit lernen hier sieben junge Leute. "Neun wäre eigentlich das Soll," weiß Stein. In den vergangenen beiden Jahren habe das Unternehmen drei Lehrlinge bekommen. (ug)

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