Schuleinblicke derzeit meist nur virtuell

Während der Coronakrise haben es die Bildungsstätten schwer, sich neuen Schülern und deren Eltern zu präsentieren. Da es live nicht geht, wird nach anderen Lösungen gesucht.

Mittweida.

Nicht nur der Unterricht läuft in der Coronapandemie unter erschwerten Bedingungen. Tage der offenen Tür, die Oberschulen und Gymnasien bisher alljährlich vor der Entscheidung der Eltern von Viertklässlern über den weiterführenden Bildungsweg ihres Kindes angeboten haben, müssen in diesem Jahr ebenfalls ausfallen.

Mittweida: Das Städtische Gymnasium in Mittweida wollte ursprünglich am Samstag den künftigen Schülern Einblicke geben. Klassen- und Beratungslehrer wollten dabei mit ihren Erfahrungen auch Eltern und Kindern zur Seite stehen, die noch zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten und Angeboten der weiterführenden Schulen schwanken. Eine Präsenzveranstaltung sei derzeit jedoch ausgeschlossen, sagte Schulleiter Gerd Becker. Er wisse um die schwierige Lage, in der sich Eltern und ganz besonders die jüngeren Schüler derzeit befinden. Momentan sei jedoch das Wichtigste, die Coronazahlen in den Griff zu bekommen. Er und seine Lehrer beantworten Fragen deshalb nur per Telefon oder E-Mail. Nachdem sie von der bisherigen Schule die Bildungsempfehlung erhalten und sich entschieden haben, müssten die Eltern die Unterlagen für die Anmeldung der künftigen Fünftklässler dann per Post an die Schule schicken oder dort in den Briefkasten werfen. Lediglich Kinder, die ohne entsprechende Bildungsempfehlung auf Wunsch der Eltern das Gymnasium besuchen sollen, erhalten laut Becker Termine für die Leistungsfeststellung und zum Beratungsgespräch in der Einrichtung. "Dazu sind wir verpflichtet", sagte er.

Andere Schulen wollen mehr Unterstützung anbieten. Auf der Homepage der Johann-Gottlieb-Fichte-Oberschule in Mittweida sollen laut Schulleiter Matthias Möbius in den kommenden Tagen nicht nur Zeiten veröffentlicht werden, in denen er telefonisch Auskunft gibt. "In Einzelfällen werden wir auf Anfrage persönliche Gespräche möglich machen", sagte er. Der Grund dafür ist nach seinen Angaben vor allem das spezielle Profil der Schule. "Wir sind eine Oberschule mit erweiterter informatischer Ausbildung", erklärte Möbius. Ob eine größere Anzahl Unterrichtsstunden zur digitalen Bildung für das eigene Kind der richtige Weg ist, sei für etliche Eltern ein wichtiger Punkt, der oftmals zu Nachfragen führe. Die Bildungsempfehlung sollen die Eltern der Grundschüler laut Möbius am 10. Februar erhalten. Danach bleibe ihnen bis zum 26. Februar Zeit für die Anmeldung an der Wunschschule. Die Oberschulen in Mittweida, Frankenberg und Hainichen hoffen jeweils auf genügend Anmeldungen für drei fünfte Klassen. Hainichen: Die Friedrich-Gottlob-Keller-Oberschule in Hainichen will Interessierten in Kürze einen virtuellen Rundgang durch das Schulhaus anbieten. Er soll nach Angaben des stellvertretenden Schulleiters Mike Leye Familien, die bisher noch schwanken, die Entscheidung erleichtern. Informationsbriefe, die auf diesen Link und weitere Informationen auf der Homepage der Schule verweisen, sollen laut Leye an die Grundschulen in der Stadt und in umliegenden Gemeinden verteilt werden. Die Schule wirbt zudem damit, als zweite Fremdsprache ab der sechsten Klasse Russisch und Französisch anzubieten. Frankenberg: In der Erich-Viehweg-Oberschule in Frankenberg tüfteln Lehrer und Schulleitung an einer technischen Lösung, die Nutzern der Homepage ebenfalls den Blick ins Innere des Schulhauses erlauben soll. Wie Schulleiter Dirk Rauthe erklärte, sollen dazu Filmbeiträge genutzt werden, die Schüler im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft geschaffen und auf dem Videoportal Youtube veröffentlicht haben. Für individuelle Fragen von Eltern und künftigen Schülern, die in den Jahren zuvor hauptsächlich in persönlichen Gesprächen beantwortet wurden, will er in den nächsten Wochen neben telefonischen und E-Mail-Kontakten auch Videokonferenzen einsetzen. "Wir werden dem Bedarf entsprechend Termine für den Informationsaustausch per Online-Treffen vereinbaren", so Rauthe. Nicht zu ersetzen sind seiner Ansicht nach die Präsentationen der rund 30 Arbeitsgemeinschaften, die zum Ganztagsangebot der Schule gehören. "Es gehörte immer zum Tag der offenen Tür, dass sich die Gruppen vorgestellt haben", sagte Rauthe.

Am Martin-Luther-Gymnasium in Frankenberg war der Tag der offenen Tür vor dem Anmeldezeitraum für die nächste Klassenstufe 5 nach Angaben von Schulleiter Ingo Pezold bisher stets an Projekttage gekoppelt. Die aktuelle Situation sei für alle unbefriedigend, sagte er. Er gehe davon aus, dass die kontaktlose Abgabe der Unterlagen für die Schüler der künftigen fünften Klassen auf dem Postweg oder durch Einwurf in den Briefkasten am Haus 1 der Schule funktionieren wird. Doch er hoffe, es bleibe eine einmalige Sache. Pezold rechnet mit etwa 80 bis 90 Anmeldungen.

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