Schulen und Schüler uneins über Technik

Bund und Länder streiten über einen möglichen Digitalpakt - es geht um einen moderneren Unterricht. Doch nicht jeder ist begeistert vom rein digitalen Lernen.

Mittweida/Frankenberg.

Beamer und Leinwände in allen Klassenzimmern. Am Martin-Luther-Gymnasium in Frankenberg gibt es das seit diesem Jahr, an der Erich-Vieweg-Oberschule soll eine solche Einrichtung 2020 kommen. Das gab Anja Sparmann, Sprecherin der Stadtverwaltung Frankenberg, auf Anfrage der "Freien Presse" bekannt.

Damit kommen die beiden Schulen dem Bild des modernen, digital geprägten Unterrichts ein ganzes Stück näher. Doch das ist längst nicht überall so, meint der Kreisschülerrat. Das Gremium vertritt die Schüler im Landkreis und tauscht sich auch regelmäßig mit Schülerräten aus dem Rest Sachsens aus. "Viele Schulen in Mittelsachsen hängen bei der Digitalisierung weit zurück", konstatiert der Sprecher des mittelsächsischen Schülerrates, Ken Mertens. Bevor über eine flächendeckende Ausstattung mit Tablets gesprochen werden kann, müsse erst einmal bei ordentlichen Computerräumen angefangen werden.

Immer wieder würde das Thema der Digitalisierung besonders in überregionalen Konferenzen der Schülerräte auftauchen - zumeist als Kritikpunkt. Die Schulen selbst sehen das aber anders. Der stellvertretende Schulleiter am Gymnasium Mittweida, Steffen Kühn, zeigt sich mit der Ausstattung an seinem Haus zufrieden. "Wir haben aktuell fünf Räume mit interaktiven Tafeln", berichtet er. Eine Technik, die zunächst nicht nur auf Begeisterung stieß. "Als wir 2012 die erste bekommen haben, war das bei den Kollegen noch nicht gern gesehen." Mit der Zeit aber habe sich dies gebessert, inzwischen würden die Geräte viel genutzt werden. "Wir wollen gern mehr davon", sagt Kühn. Vom Zukunftsbild des Unterrichts, der nur noch am Tablet stattfindet, hält er aber wenig. "Die Kinder sind davon überfrachtet", schildert Kühn seinen Eindruck. Allerdings würden Tablets und interaktive Tafeln gut als Ergänzung dienen.

Dirk Rauthe, Schulleiter der Erich-Viehweg-Oberschule in Frankenberg, kann sich über die Ausstattung seines Lehrhauses ebenfalls nicht beschweren. "Wir haben Computerräume für die Schüler und auch Arbeitsplätze für die Lehrer", sagt er. Dennoch hält der Frankenberger Schulleiter den Tablet-Unterricht aus finanziellen Gründen derzeit nicht für sinnvoll. Letztendlich koste die Lernsoftware genauso viel wie normale Schulbücher, hinzu kämen noch die Kosten für die Tablets.

Zuständig für die Ausstattung der meisten Schulen sind die Kommunen. Gerade bei moderner Technik bedeutet das hohe Kosten. Laut Anja Sparmann, Sprecherin der Stadt Frankenberg, werden Computer für Schulen meist für fünf Jahre auf Mietbasis angeschafft, 2020 soll es etwa an der Viehweg-Oberschule neue geben. Dort soll dann auch ein weiteres Computerkabinett entstehen. Fast 60.000 Euro gibt Frankenberg jährlich für die Computer an den drei Schulen aus. Für die Beamer am Gymnasium kommen noch einmal 7500 Euro pro Jahr hinzu. Auch in Mittweida wird dafür viel Geld ausgegeben. Die Erneuerung eines Computerkabinetts an der Grundschule kostete allein 23.500 Euro.

Mehr zum Thema Schule und Digitalisierung lesen Sie heute auf der Titelseite.


Kommentar: Eins nach dem anderen

Was macht den Unterricht der Zukunft aus? Viele denken da sofort an Tablets, interaktive Tafeln und Laptop, statt Schultaschen. Was auf den ersten Blick so positiv wirkt, hat aber viele Hürden. Denn vielerorts fehlen schlicht die Grundlagen für die modernen Lehrmittel. Da sind allein schon die immensen Kosten für die Anschaffung und die Instandhaltung der Geräte. Zusätzlich müssen die Lehrer für die neuen Möglichkeiten geschult werden. Gerade für manche Ältere könnte das eine große Herausforderung darstellen. Eine interaktive Multimediatafel ist eine ganz andere Welt als die klassische Kreide. Und dann sind da noch die Lehrpläne. Sie müssen an die neuen Möglichkeiten angepasst werden, und im Informatikunterricht müssen Tablets und Smartphones endlich eine größere Rolle spielen. Die Schulen einfach mit neuer Technik auszustatten, reicht eben einfach nicht aus. Erst wenn die Grundlagen geschaffen wurden, kann ein voll digitaler Unterricht auch wirklich funktionieren.

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