Schwanenteich hat keine Schwäne mehr

Die Namensgeber von Mittweidas zentraler Parkanlage sind verschwunden. Wo sind die Tiere und warum haben sie ihr heimisches Gewässer verlassen? Eine Spurensuche - mit Erfolg.

Mittweida.

Am Schwanenteich in Mittweida gibt es derzeit keine Schwäne. Im nächsten Jahr vermutlich genauso wenig. Dass seit einiger Zeit die Namensgeber der zentralen Parkanlage fehlen, hat nun auch den Stadtrat beschäftigt. Eine Anfrage dazu kam zur jüngsten Sitzung aus der CDU-Fraktion. Planmäßig sollen die Tiere spätestens ab 2021 wieder auf dem Gewässer zu bewundern sein, versicherte Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) auf Anfrage.

In einem Jahr soll der Umbau der Schwanenteichanlage weitgehend abgeschlossen sein. Dann will sich die Stadt bemühen, ein Schwanenpaar dort anzusiedeln. "Es sind sehr sensible Tiere", sagte Schreiber. "Nachdem wir das Ufer haben bauen lassen, war auch schon das erste Tier weg." Ein Foto aus dem Jahr 2015 belegt, dass im April noch mindestens ein Schwan auf dem Teich schwamm - und zwar am alten Ufer. Der zweite Schwan habe dann laut Bauamt irgendwann die Flucht ergriffen, wohl aber nicht unbedingt das Weite gesucht.

Wo der letzte Schwan des Schwanenteichs heute heimisch ist, weiß Bauamtschef Sebastian Killisch. Auf einem Teich zwischen dem Technologiepark (TPM) und der Gartenanlage "Am Bahnhof". Und dort hat die "Freie Presse" das Tier am Freitag auch entdeckt, und zwar nicht am größeren Teich gleich am TPM-Parkplatz, sondern am kleineren Tümpel unmittelbar an der Gartenlange. Die große Überraschung: Der Schwan ist nicht allein. Neben etlichen Enten hat er dort in Ruhe und Abgeschiedenheit von Besucherlärm einen Artgenossen an seiner Seite, vielleicht auch eine Artgenossin.

Spaziergänger haben berichtet, dass ein Schwan dort schon seit Jahren zu finden sei, auch regelmäßig besucht werde, weil es am Schwanenteich eben keine Schwäne mehr gäbe. Woher aber der Schwan Nr. 2 kommt, war bislang nicht zu klären.

Eine Vermutung: Es handelt sich um das Exemplar, das vor dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes dort den Tümpel für sich beansprucht hatte. "Der vom Bahnhof ist der, der zuvor am Schwanenteich war", kann Bauhofleiter Michael Knappe aufklären. "Der fühlt sich in der Gartenanlage wohl und hat jetzt Gesellschaft von einem Schwan, den wir verletzt auf Hinweis der Polizei aufgegriffen hatten. Der war zuvor wohl auf der Zschopau unterwegs."

Der letzte Schwan vom Schwanenteich schwimmt also mit großer Sicherheit heute auf dem kleinen Teich der Gartenanlage. Der Verbleib des Tieres, mit dem er sich zuvor das große städtische Gewässer geteilt hat, ist aber nicht genau aufzuklären. Laut Killisch wurde er in eine andere Stadt abgegeben. Laut Schreiber ist er einfach davongeflogen. Das konnten die Mittweidaer Schwäne auf jeden Fall: "Ihr Flügel waren nicht gestutzt, der Schwanenteich war als Start- und Landebahn groß genug", so Killisch. "Die beiden Tiere in Mittweida hatten sich zuletzt nicht mehr vertragen."

Ein Schwan ganz anderer Art soll im nächsten Jahr in der Nähe des Gymnasiums ein Hingucker werden. Dort ist für die Schüler als Sitzgelegenheit eine Konstruktion in Form eines Origami-Schwans vorgesehen - mithin ein Teil der umfangreichen Umgestaltung der Parkanlage. Auch Gehwege und das Areal der Gaststätte "Schwanenschlösschen" werden voraussichtlich 2020 gebaut. Im letzten Bauabschnitt sei der Neubau einer Voliere vorgesehen; spätestens soll das 2021 der Fall sein. Dann fühle sich auch ein neues Schwanenpaar auf dem Schwanenteich wieder heimisch.

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