Sie hüten die Tradition

Die Handwerkskammer Chemnitz hat erstmals Silberne Meisterbriefe vergeben. Die Urkunde erinnert Susanne Helmert daran, wie wichtig die Meisterschule für sie war.

Flöha.

140 Handwerksmeister und -meisterinnen aus Mittelsachsen haben den Silbernen Meisterbrief bekommen. Bislang hat die Handwerkskammer Chemnitz 50 Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung einen Goldenen Meisterbrief überreicht. Ab sofort werden jedes Jahr Silberne und Goldene Meisterbriefe ausgereicht, teilt die Handwerkskammer Chemnitz mit. 35 Euro kostet die Urkunde, die auf Wunsch von der Kammer ausgestellt und überreicht wird.

Ein Meisterabschluss wird auch großer Befähigungsnachweis genannt. "Er ist sozusagen ein Qualitätssiegel, mit dem der Handwerker nachweist, dass er über die notwendigen fachlichen, praktischen, betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und arbeitspädagogischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Führung eines Betriebes sowie zur Ausbildung von Lehrlingen verfügt", sagt Romy Weisbach von der Handwerkskammer Chemnitz.

Susanne Helmert freut sich über den Silbernen Meisterbrief von der Handwerkskammer. "Ich finde es schön, dass 25 Jahre Meistertätigkeit honoriert wird", sagt die 49-jährige Bäckermeisterin aus Flöha. Sie sagt, dass es wichtig sei, einen Meister zu machen und damit ein Handwerk so richtig erlernt zu haben.

Eine Freundin hatte vor 25 Jahren den Anstoß gegeben und Susanne Helmert zum Meisterlehrgang überredet. "Ich war noch sehr jung. Niemand hat mich gezwungen. Wir haben dann eine Fahrgemeinschaft nach Dresden gebildet, wo die Schulung stattfand", sagt sie. Ihre Mutter hat das halbe Jahr lang auf ihr erstes Kind aufgepasst, sodass sich die junge Frau voll und ganz auf ihre Meisterschule konzentrieren konnte.

Durch ihr Elternhaus war sie von Kind auf an die Backstube gewöhnt. Susanne Helmerts Vater hatte die Bäckerei Walthelm in Flöha 1977 übernommen und den traditionsreichen Namen der Backstube erhalten. "Ich habe damals nicht lange überlegt, das Bäcker- und das Konditoreihandwerk gelernt und beide Gesellenbriefe gemacht", sagt die Flöhaerin. Als sie 29 Jahre alt war, starb der Vater. Dank des Meistertitels, den sie zu der Zeit schon fünf Jahre lang in der Tasche hatte, konnte Susanne Helmert die Bäckerei weiterführen. Die Leitung einer Bäckerei ist an den Meisterbrief gebunden. "Eigentlich hätte ich auch noch die Konditoren-Meisterschule besuchen können. Aber ich hatte dann zwei Kinder und konnte mich nicht dazu durchringen", erzählt die fröhliche Frau, die seit 25 Jahren als Konditorin in ihrer Backstube schon unzählige Kuchen, Kuchenstückchen oder Kleingebäck gebacken hat.

Schwere körperliche Arbeit sei es für Bäcker in der Backstube. Schwere Mehlsäcke müssen geschleppt werden. "Die Teige in den Maschinen wiegen locker 50 Kilogramm". Hinzu kommen Arbeitszeiten, bei denen viele Menschen heutzutage nur den Kopf schütteln. "In der Backstube geht es täglich um Mitternacht los. Ich fange in der Konditorei um 1.30 Uhr an. Diese Arbeitszeiten lässt den Beruf wohl aussterben", sagt Susanne Helmert. "Mein Mann ist Gastronom. Wir haben komplett verschiedene Arbeits- und Ruhezeiten. Aber unsere Ehe hält seit 25 Jahren", sagt sie und schmunzelt. Jeden Abend geht sie um 9 Uhr ins Bett. "Mittags lege ich mich von 11 bis 14 Uhr zum Schlafen hin. Das ist manchmal gar nicht so einfach".

Zur körperlich schweren Arbeit kommt die Konkurrenz aus den Discountern, die immer mehr Backautomaten aufstellen und Brötchenteiglinge aus China verkaufen.

"Die Leute sollten das ehrliche Handwerk mehr schätzen", wünscht sich die Bäckermeisterin. Gerade im Bäckerhandwerk würden Rezepte oft über Generationen weitergegeben, es wird auf Qualität geachtet. Auch bei ihr wird die Tradition gepflegt. "Ich habe einige alte Rezepte von meinem Vater übernommen", sagt sie. Ihre Fettbrötchen oder die Mischbrote werden sehr oft gekauft.

Seit zwei Monaten arbeitet ihr Sohn Hannes Helmert mit in der Bäckerei. "Er hat Koch gelernt. Ihm macht die Arbeit hier viel Spaß und ich freue mich sehr darüber, dass er jetzt in der Bäckerei arbeitet", sagt Susanne Helmert.

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