Silbermann-Orgel kehrt zurück ins Schloss

Pünktlich zum Ringethaler Schlossfest wird das Anwesen um eine Attraktion reicher. Am Wochenende können Besucher sich selbst ein Bild machen.

Ringethal.

Dass die kleinste Silbermann-Orgel der Welt in der Ringethaler Dorfkirche zu finden ist, ist mittlerweile vielen Menschen bekannt. "Aber nur wenige wissen, dass diese Orgel früher einmal im Schloss Ringethal stand", sagt Detlev Müller, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins "Schloss Ringethal" und Chef des Mittweidaer Elektronik-Herstellers IMM. Um die Besucher des Herrenhauses im Mittweidaer Ortsteil auf dieses vergessene Stück Orgelgeschichte aufmerksam zu machen, hat sich der Schlossverein etwas einfallen lassen. Pünktlich zum Schlossfest am Wochenende wird eine dreidimensionale Fotografie der Orgel an eine Wand im Inneren des historischen Gebäudes montiert.

Die Ringethaler Orgel wurde nach Angaben der Kirchgemeinde im Jahr 1725 von Gottfried Silbermann geschaffen, dem damaligen sächsischen Hof- und Landorgelbauer. Sie verfügt über 266 Pfeifen und sechs Register. Das Foto soll die Orgel im Maßstab 1:1 zeigen - über drei Meter hoch, gut 2,3 Meter breit. Um den dreidimensionalen Effekt zu erzielen, sei das Instrument zuvor von allen Seiten fotografiert worden, erklärt Müller. Installiert wird das Objekt in einem Raum, den der Schlossverein als "Orgelsaal" bezeichnet. Ob die Silbermann-Orgel dort tatsächlich einmal stand, sei schwer herauszufinden, so der Vizevorsitzende. Denn historische Aufzeichnungen und Dokumente seien rar. "Aber wir können uns gut vorstellen, dass sie in diesem Raum ihren Platz hatte", sagt Müller.


Im Orgelsaal solle außerdem noch eine Klangsäule aufgestellt werden, die IMM in der Vergangenheit bereits für verschiedene Ausstellungen zur Verfügung gestellt habe. "Wenn Besucher dort auf einen Knopf drücken, erklingt Orgelmusik", erklärt Müller. Zu hören gibt es unter anderem die Orgel der Mittweidaer Stadtkirche. Indes fehlen ausgerechnet die Klänge des Kircheninstruments aus Ringethal, die jedoch bald hinzugefügt werden sollen. Mehrere echte Orgelpfeifen sowie die Kinoorgel aus dem Lingnerschloss in Dresden, die den Ringethalern im vergangenen Sommer als Dauerleihgabe übergeben wurde, komplettieren den Orgelsaal. In diesem sollen künftig Veranstaltungen stattfinden - nicht nur, aber auch zum Thema Orgel. "Seit der Sanierung der Mittweidaer Orgel ist in der Region ein regelrechter Hype um dieses Instrument ausgebrochen", erläutert Müller die Idee dahinter.

An der Kinoorgel können künftig Konzerte gespielt werden, bei Veranstaltungen mit Historikern soll die Geschichte der Orgeln im Zschopautal vermittelt werden. "Als Schlossverein wachsen wir langsam hinein in das Schloss", sagt Detlev Müller. "Unser Wunsch ist es, hier besondere und authentische Erlebnisse zu schaffen." Künftig solle Schloss Ringethal als Ort für Ausstellungen und Veranstaltungen dienen. "Der neue Orgelsaal ist repräsentativ für dieses Konzept."

Die Kosten in Höhe von voraussichtlich 2000 Euro übernehmen nach jetzigem Stand der Schlossverein und die IMM-Stiftung. Müller hofft zusätzlich auf Gelder aus einem vor wenigen Monaten aufgelegten Verfügungsfonds, mit dem gemeinnützige Projekte in Ringethal gefördert werden sollen.

Einen ersten Eindruck vom neuen Orgelsaal können sich die Besucher des Ringethaler Schlossfests verschaffen, welches am Samstag und Sonntag erstmals stattfindet. Dort gibt es auch die Gelegenheit, Gottfried Silbermann so gut wie persönlich zu begegnen. Denn die Schauspieler des Mittelsächsischen Kultursommers (Miskus), der das Fest gemeinsam mit dem Schlossverein organisiert hat, erwecken den berühmten Orgelbauer und weitere historische Persönlichkeiten wie Karl May, Erdmuthe Sophie von Flemming, Johann Georg von Poigk und die Freifrau von Racknitz für das Fest wieder zum Leben.


Wo Geschichte lebendig wird

Beim Schlossfest in Ringethal wird Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr unter anderem das Jubiläum "150 Jahre der Schule am Berg" gefeiert. Wer noch einmal die Schulbank drücken möchte, kann dies bei Michael Kreskowsky tun, der Unterricht wie zu Kaiserzeiten abhält. Eine historische Schulstunde führt zudem der Miskus auf. Kleine Spielszenen und Anekdoten geben Einblicke in das Leben geschichtsträchtiger Figuren; auch Tänzer, Musiker und Gaukler entführen in vergangene Zeiten. Kleine Gäste können in historische Kostüme schlüpfen, zudem gibt es eine Modenschau, einen Markt und Einblicke ins Schloss. Am Sonntag schätzt Historiker Heiko Weber den Wert alter Gegenstände.

Eintritt: Familien zahlen 15 Euro, Erwachsene 6 Euro, Schüler, Studenten und Schwerbehinderte 3 Euro.

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