So soll Mittweidas neue Stadtbibliothek aussehen

Im einstigen Hotel "Stadt Chemnitz" soll ab 2021 wieder Leben einkehren. Die Stadt will dort ihre Bibliothek unterbringen. Der Architekt, der dem leerstehenden Haus zu neuem Glanz verhelfen soll, ist ein alter Bekannter.

Mittweida.

Die Fassade, der Ballsaal, das historische Treppenhaus: Die Mittweidaer Bürger sollen das altehrwürdige Hotel "Stadt Chemnitz" auch künftig noch wiedererkennen können. Gleichzeitig will die Stadtverwaltung in dem seit gut 25 Jahren leerstehenden Gebäude am Technikumplatz eine moderne Bücherei unterbringen. Aus zehn eingegangenen Entwürfen für das Vorhaben haben Stadtplaner, Architekten und Vertreter von Stadtrat und -verwaltung nun denjenigen ausgewählt, der diesen Spagat in ihren Augen am besten meistert.

Den Zuschlag erhalten hat ein Architekturbüro aus Dresden, das sich am Technikumplatz bereits auskennt. Die Firma Raum und Bau des Diplom-Ingenieurs Alexander Krippstädt hat dort vor einigen Jahren das Informationszentrum T9 neugestaltet. Wegen der guten Erfahrungen von damals hatte die Stadt das Büro eingeladen, sich erneut zu beteiligen. Überzeugt habe allerdings die Qualität des Entwurfs, nicht die bestehende Bekanntschaft, betont Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). Denn wer sich hinter dem Konzept verbirgt, habe die elfköpfige Jury erst nach der einstimmig getroffenen Auswahl erfahren.

Für den Vorschlag von Raum und Bau habe unter anderem die intelligente Raumaufteilung, das Beleuchtungskonzept und die gelungene Integration der historischen Treppe gesprochen, so der Stadtchef. "Der Umbau ist als Bibliothek erkennbar und fügt sich gut in das Gebäudeensemble am Technikumplatz ein." Wie vom Denkmalschutz gefordert, wollen die Architekten die von der Straße aus sichtbare Fassade in ihrer Struktur weitestgehend erhalten. Das bestehende Mansarddach, das sich laut Bauuntersuchung größtenteils nicht erhalten ließe, soll hingegen durch ein neues, teils verglastes Dach ersetzt werden.

Herzstück des Gebäudes ist der repräsentative Ballsaal im ersten Obergeschoss. Ihn wollen die Architekten zum zentralen Lesesaal umfunktionieren. Die stuckverzierte Galerie darin wollen die Planer erhalten. "So sie denn erhalten werden kann", sagt Schreiber. Andernfalls solle sie originalgetreu nachgebildet werden. Eine nachträglich eingebaute Zwischendecke hingegen wird entfernt, um dem imposanten Raum seine ursprüngliche Höhe wiederzugeben. Über die Dachfenster erhält der Saal damit auch zusätzliches Licht. Der siegreiche Entwurf sei der einzige, der vorgesehen habe, die Bücherregale raumhoch entlang der Wände zu platzieren, lobt Bauamtsleiter Sebastian Killisch. So werde der Platz effizient genutzt. "Fast alle anderen haben die Regale klassisch in den Raum hineingestellt."

Für das Foyer sieht der Entwurf zum Hof hin eine großzügige Glasfassade vor, zudem ein offenes Lesecafé. Im hinteren Bereich soll die Erich-Loest-Ausstellung einziehen, die derzeit noch im Museum Alte Pfarrhäuser untergebracht ist. Über das historische Treppenhaus gelangen Besucher in die oberen zwei Geschosse. "Die kunstvoll gearbeiteten Geländer, die Treppenläufe, die Buntglasfenster und Steinböden sollen weitestgehend erhalten bleiben oder aufgearbeitet werden", sieht das Konzept vor. Zugleich wird ein Aufzug die Bibliothek barrierefrei machen.

In der Wettbewerbsausschreibung ging die Stadt von einem vorläufigen Kostenrahmen von 4,5 Millionen Euro aus. Wie viel der Umbau tatsächlich kosten wird, wollen Stadt und Architekten ab Januar gemeinsam ermitteln. Dann sollen auch weitere Details und der Zeitplan besprochen werden. Laut Sebastian Killisch könnte ein Baubeginn Anfang 2020 realistisch sein, 2021 soll die Bibliothek fertig werden. Das Vorhaben wird über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Stadtumbau Ost kofinanziert.

Für die Teilnahme an dem europaweit ausgelobten Wettbewerb hatten sich laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber 40 Planer beworben. 15 durften ihre Entwürfe einreichen, 10 gingen tatsächlich ein. Ab Januar sollen Bürger die Möglichkeit erhalten, sich bei einer Ausstellung im Rathaus selbst ein Bild von allen zehn Vorschlägen zu machen. Bereits in der kommenden Woche will Schreiber den siegreichen Entwurf zudem in der öffentlichen Stadtratssitzung vorstellen.

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